Kontrapunkt von

Bannons Islam-freies
Europa

Gerfried Sperl © Bild: News

Ziel ist nicht eine Sanierung der EU, sondern deren Zerstörung.

Noch nie hat jemand von Amerika aus versucht, in Europa Aktivisten für eine politische Bewegung zu rekrutieren. Stephen Bannon, ehemaliger enger Berater von Donald Trump, tut das. Eben hat er sich mit höchsten Funktionären der Lega Nord getroffen, er hat gute Kontakte zu Viktor Orbán und vor allem hofiert er die AfD.

In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" hat er der seit 2017 im Bundestag vertretenen rechtspopulistischen Partei eine große Zukunft prophezeit. Angela Merkel, die protestantische Bundeskanzlerin, beschuldigte er hingegen, die "destruktivste Politikerin" des 21. Jahrhunderts zu sein. In Beatrix von Storch aus dem Adelsgeschlecht derer von Oldenburg sieht Bannon eine künftige Alternative. Die Bundestagsabgeordnete ist eine weit rechts stehende Katholikin, Bannon, der in Virginia ein irisch-katholisches College besuchte, hat enge Kontakte zu traditionalistischen römischen Kreisen und damit zu den Gegnern von Papst Franziskus im Vatikan.

Da beide, Bannon und Storch, heftige Gegner des Islam sind, haben sie auch früh schon eine Gemeinsamkeit entdeckt, was die Flüchtlingsfrage betrifft. Storch attackiert im Bundestag die "Willkommenskultur" Merkels, Bannon nannte Merkel im "Zeit"-Interview "arrogant" und in der Migrationsfrage "inkompetent". Sie habe "Millionen Flüchtlingen" Tür und Tor nach Europa geöffnet.

Bannon ist schwer zu fassen. Er ist nicht nur Rechts-Ideologe, sondern auch Filmemacher und "Wieder da, wieder weg"-Herausgeber des Internetmediums "Breitbart". Ein amerikanischer Freund, den ich seit der Zeit eines Stipendiums an der Georgetown University kenne, beschreibt Bannon, den Georgetown-Absolventen, als jemand, der wie ein mittelalterlicher Storyteller von Ort zu Ort wandert und seine Geschichten (Ideologien) erzählt.

Vielleicht ist es ein Versuch, den mittelalterlich anmutenden Kreuzzug für eine stockkonservative Politik wie eine Rettung des Abendlandes zu verstehen. Nur eben nicht aus der Mitte Europas, sondern aus dem tief religiösen amerikanischen Kontinent heraus.

Schon für die Europawahlen des Jahres 2019 will er eine konservative Liste aufstellen helfen, mit der AfD als Kern, mit der Lega Nord, mit Orbáns Fidesz und Marine Le Pens katholischen Nationalisten.

Ziel ist nicht eine Sanierung der EU, sondern deren Zerstörung. Wie US-Präsident Donald Trump das will. Und wozu sich auch die FPÖ innerlich bekennt. Sie ist nur formal im Boot des Brüsseler Europas.

Noch kann sich Sebastian Kurz über die gärenden Widersprüche innerhalb der Union drüberturnen. Aber sie werden immer größer. Angeblich hat Bannon bereits wegen eines Besuchs in Wien vorfühlen lassen. Der EU-feindliche FP-Generalsekretär Harald Vilimsky hat erklärt, er kenne Bannon nicht. Aber das kann ja noch kommen, gemeinsam mit einem Aufruf zur "Befreiung Europas vom Islam" in Wien.

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