Konstanz ist Loitzls allergrößter Trumpf:
28-Jähriger holte schon viele 2. & 3. Plätze

Gewohnte Beständigkeit plus unbedingter Siegeswille Junioren-Weltmeistertitel 2001 als erstes Highlight

Konstanz ist Loitzls allergrößter Trumpf:
28-Jähriger holte schon viele 2. & 3. Plätze © Bild: APA/EPA/Flueeler

Vor diesem Winter galt Wolfgang Loitzl im erfolgsverwöhnten österreichischen Skisprung-Team als verlässlicher Platzierungs-Springer mit Podestplatz-Potenzial. Der 28-jährige Steirer hatte vier WM-Goldmedaillen mit der ÖSV-Mannschaft erobert und und bis 31.12. insgesamt neun zweite bzw. dritte Plätzen im Weltcup geholt. Doch nun hat er das Siegen gelernt.

"Das ist ein perfekter Jahresauftakt. Ich habe die letzen Jahre lange gekämpft, jetzt ist es Gott sei Dank geglückt, genau hier ist es etwas ganz Besonderes", meinte Loitzl, dem nach dem Premierensieg in Garmisch zunächst vor Rührung die Worte fehlten. In der laufenden Saison, seiner zwölften im Weltcup, hatte er sich mit gewohnter Konstanz und Regelmäßigkeit auch in der absoluten Weltspitze etabliert und war mit drei zweiten Plätzen im Gepäck zur Traditionsserie angereist. Dort bestätigte er seine Mitfavoriten-Rolle als Zweiter in Oberstdorf und nun als Sieger in Garmisch. "Es ist ein sehr großer Stein, der mir vom Herzen gefallen ist. Ich war im ersten Moment überwältigt und bin es eigentlich immer noch", erklärte Loitzl am Donnerstagabend.

"Für den Tournee-Sieg würde ich schon noch ein Jahr auf meinen ersten Einzelerfolg warten", hatte der Familienvater aus Bad Mitterndorf vor Beginn der prestigeträchtigen Traditionsveranstaltung gemeint. Nach dem Premierenerfolg in Garmisch scheint nun sogar beides möglich. "In der Gesamtwertung sind wir wieder bei Null. Ich glaube, dass ich das gewinnen kann", sagte Loitzl, der vor dem Bergisel-Springen in Innsbruck 0,5 Punkte vor dem Schweizer Oberstdorf-Sieger Simon Ammann führt. "Für mich ändert sich aber nichts, ich sehe trotzdem Simon Ammann als Favoriten, mein Ziel war Top Drei, wenn es besser wird, ist das eine gute Sache". Der Heeressportler, der nach eigenen Angaben derzeit in der Form seines Lebens springt, hatte 222 sieglose Weltcup-Bewerbe hinter sich.

Stilist Loitzl, dessen Flug im zweiten Durchgang viermal mit der Höchstnote 20 belohnt wurde, ist mit den vier WM-Team-Goldmedaillen und einer Bronzenen der erfolgreichste Österreicher bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Aufgrund des bisher ausgebliebenen Einzelerfolges haftete Loitzl allerdings schon der Ruf des ewigen Talents an.

Gestärkter Siegeswille
Doch mit der gewohnten Beständigkeit, bloß auf einem deutlich höheren Niveau, wie ÖSV-Cheftrainer Pointner sagt, kam er im WM-Winter endgültig im Kreis der absoluten Topathleten an. "Das Können war ja immer da, das ist vor allem eine mentale Geschichte. Neu ist bei ihm der absolute Siegeswille und die Fokussierung auf das Wesentliche", meinte Pointner zum späten Aufstieg des Team-"Oldies", den er in der Vergangenheit einige Male wegen seiner fehlenden Bereitschaft, alles zu geben, kritisiert hatte. "Ich habe ihn oft nicht verstanden und gesagt, er braucht einen ordentlichen Tritt in den Hintern. Vielleicht bin ich manchmal falsch gelegen. Aber seit heuer haben sich unsere Kommunikationswege verbessert", so Pointner.

Die ungeahnten Gefühlsausbrüche des Steirers bei der Siegerehrung waren Pointner fast unheimlich. "Das war ein emotionaler Orgasmus, den ich von ihm nicht gekannt habe". Loitzl, der am 13. Jänner 29 Jahre alt wird, sticht in der fast durchwegs um mehr als fünf Jahre jüngeren österreichischen Mannschaft mit seiner besonnenen, ausgeglichenen Art hervor. "Er ist unser Ruhepol", sagt Pointner über den Team-Senior. Seine Frau Marika erlebt die Auftritte des leidenschaftlichen Harley-Davidson-Fahrers nur aus der Ferne und fiebert mit den Söhnen Benjamin (4) und Nikolas (2) stets vor dem TV-Gerät mit.

Wurzeln im Schigymnasium Stams
Wie viele der ÖSV-Adler durchlief der Steirer die Talenteschmiede Schigymnasium Stams. Mit dem Junioren-Weltmeisterstitel im Jahr 1998 rückte er erstmals so richtig ins Rampenlicht. Neben den WM-Mannschaftserfolgen, der erste datiert aus dem Jahr 2001, dauerte es bis zur Saison 2000/01, ehe sich im Einzel die ersten drei Podestplätze einstellten. Danach folgte allerdings eine sechseinhalbjährige Durststrecke. Nach der Nichtnominierung für die Olympischen Spiele 2006, bei denen seine Teamkollegen Mannschaftsgold holten, hätte Loitzl beinahe das Handtuch geworfen. Der Steirer machte weiter und es sollte sich auszahlen.

Die lange podestplatzlose Zeit endete in der Vorsaison in Trondheim und Val di Fiemme jeweils mit Platz drei. Im laufenden Winter sollte es gleich im ersten Saisonbewerb in Kuusamo mit Rang zwei klappen. Vor der Tournee folgten ausschließlich Top-Ten-Platzierungen inklusive zwei weiterer zweiter Plätze in Engelberg. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis dürfte der Skimarken-Wechsel vor Saisonbeginn, der bereits fünfte in seiner Karriere, sein. Der geschah nicht ganz freiwillig, da ihn der bisherige Ausrüster nicht mehr haben wollte. Der Umstieg zu Atomic scheint nach langem Tüfteln im Sommer nun den gewünschten Erfolg zu bringen.
(apa/red)