Konsequenzen nach UEFA-Cup-Debakel: Thomas Parits General Manager bei Austria

Ex-Spieler & -Trainer soll Zukunftsprojekte entwickeln Kraetschmer überrascht, Kompetenzen noch unklar

Konsequenzen nach UEFA-Cup-Debakel: Thomas Parits General Manager bei Austria

Das 1:4-Heimdebakel im Fußball-UEFA-Cup-Gruppenspiel gegen SV Zulte Waregem hat im Lager von FK Austria Magna personelle Konsequenzen nach sich gezogen. Mäzen Frank Stronach bestellte den langjährigen Austria-Spieler und -Trainer Thomas Parits mit sofortiger Wirkung zum General Manager für den Profi-Bereich des schwächelnden und in der Bundesliga nur auf dem vorletzten Platz rangierenden Double-Gewinners.

Die Hauptaufgabe des Burgenländers, der am 7. Oktober seinen 60. Geburtstag beging, besteht darin, vernünftige und Erfolg versprechende Zukunftskonzepte für den Verein zu entwickeln. Stronach, der 2005 für etwa ein halbes Jahr Toni Polster mit der Funktion des General Managers betraut hatte, begründete seine Entscheidung, Parits ins violette Boot zu holen, so: "Ich bin überzeugt, dass er die richtige Persönlichkeit ist, um sinnvolle, vernünftige Konzepte für eine erfolgreich Zukunft der Austria zu entwickeln."

Der Austro-Kanadier hat zuletzt immer wieder betont, dass er die Veilchen auch nach Ablauf des bestehenden Betriebsführer-Vertrages über den Sommer 2007 hinaus weiter unterstützen möchte. "Es ist aber notwendig, dass andere Leute die Verantwortung für die Zukunft der Austria übernehmen und dass die Vereinsführung die notwendigen Maßnahmen setzt, um eine vernünftige wirtschaftliche Basis zu schaffen." Er, Stronach, wolle den Weg dorthin vorbereiten und freue sich sehr, dass sich Parits bereit erklärt hat, den Posten zu übernehmen.

Stronach willl weiter auf Jugend setzen
"Als international erfahrener und erfolgreicher Spieler und Trainer ist er nicht nur ein Experte, sondern er ist auch ein Mann mit Austria-Blut in den Adern, dem die Zukunft der Austria ein großen Anliegen ist", sagte Milliardär, dem es ganz wichtig ist, dass der Weg der konsequenten Nachwuchsförderung beibehalten wird. In einem durchgängigen System von der Nachwuchs-Akademie in Hollabrunn über die Red Zac Erste Liga bis zur Profi-Abteilung sollen junge, heimische Spieler ausgebildet werden.

"Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um das Budget in einem vernünftigen Rahmen zu halten, da man auf junge, talentierte Österreicher setzen kann und nicht auf teurere ausländische Spieler zurückgreifen muss. Außerdem leisten wir dadurch einen wichtigen Beitrag, um die österreichische Nationalmannschaft international wieder konkurrenzfähiger zu machen", skizzierte Stronach, der bis zum Schlusspfiff im Happel-Stadion gegen Zulte Waregem ausgeharrt hatte, die violette Fußball-Zukunft.

Parits: "Austria ist echtes Herzensanliegen"
Der frühere Stürmer Parits, der beim UEFA-Cup-Match ebenfalls im Prater gewesen und zum runden Geburtstag von "seiner" Austria geehrt worden war, meinte zu seiner Bestellung, die für alle überraschend kam: "Ich freue mich sehr, dass mich Frank Stronach mit dieser Aufgabe betraut hat. Ebenso freue ich mich schon sehr auf meine Aufgabe, weil mir die Austria und ihre Zukunft ein echtes Herzensanliegen ist."

Neue Persönlichkeiten am Verteilerkreis?
Er möchte allerdings nicht im Alleingang arbeiten und an die große Aufgabe herangehen. "Ich werde daher sofort Gespräche mit Persönlichkeiten führen, deren Herz ebenfalls für die Austria schlägt und sie zur Mitarbeit einladen, damit wir gemeinsam eine gute Zukunftsbasis für die Austria schaffen können", kündigte Parits an. Man darf also gespannt sein, ob der frühere Teamangreifer weitere, einst aktive Veilchen holt, um das sportlich schwankende Schiff des Double-Gewinners wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Stöger und Kraetschmer überrascht
Frank Stronachs Wege sind manchmal unergründlich - selbst für die Verantwortlichen der Austria. Mit der Installierung von Thomas Parits als General Manager überraschte der Magna-Chef selbst Klub-Manager Markus Kraetschmer und Sportdirektor Peter Stöger.

Kraetschmer wurde nach eigenen Angaben von Stronach über die Installierung des früheren Spielers und Trainers am Telefon informiert. "Er hat mir gesagt, dass er diesen Schritt auch gesetzt hätte, wenn wir 5:0 gewonnen hätten." Seit wann Stronach in Kontakt mit Parits stand, war dem Manager nicht bekannt.

"Alle bleiben im Amt"
Personelle Änderungen gab es trotz des Comebacks von Parits nach 15-jähriger Abwesenheit vom Profi-Fußball (vorerst) nicht. "Alle bleiben im Amt. Von unserer Warte gibt es für das Sonntag-Spiel keine Trainer-Thematik", betonte Kraetschmer.

Unklarheit über Kompetenzen
Welche Kompetenzen der neue starke Mann am Verteilerkreis wirklich besitzt, darüber ist sich Kraetschmer noch nicht ganz im Klaren. "Ich sehe es so, dass er eine beratende Funktion einnehmen wird", sagte der Manager und ergänzte: "Er hat von Stronach die klare Aufgabe, sich mit Alt-Austrianern zu unterhalten, wie man sie am besten in die Zukunft der Austria einbinden könnte." Ein Comeback von Toni Polster könne er sich allerdings auf Grund des anhängigen Gerichtsverfahrens "persönlich nicht vorstellen."

Mit der Arbeit von Ex-General-Manager Polster wollte Kraetschmer den Job von Parits nicht vergleichen. "Sein Fokus ist ein anderer, er soll sich weniger ins operative Tagesgeschäft einmischen."

"Analysator" Parits
Dafür gibt es offenbar Parallelen zur Situation im Herbst 2004, als Otto Baric bei der Austria als "Visitator" in Erscheinung trat - nun hat sich Parits gleichsam als "Analysator" u.a. mit der aktuellen Situation des Profi-Betriebs zu befassen. "Er steht quasi über Stöger und Kraetschmer, vielleicht als neue Zwischenebene zu Stronach hin. Aber das ist meine Interpretation", mutmaßte Kraetschmer, der das neue Amt nicht als Beschneidung seiner Kompetenzen sieht.

Dass aber die Erkenntnisse von Parits für ihn persönliche Konsequenzen haben könnten, wollte der Manager nicht bestreiten. "Parits wird eine Analyse machen und wahrscheinlich ein Konzept erstellen, das über die Austria-Zeit nach Ende des Betriebsführervertrags mit Magna Ende Juni 2007 hinausgeht. Ob in diesem Projekt die Namen Kraetschmer und Stöger vorkommen, ist seine Sache."

Stöger und Kraetschmer sehen positive Seiten
Der 35-Jährige kann der Installierung von Parits durchaus Positives abgewinnen. "Das ist ein Signal, dass Stronach mit der Austria über Juli 2007 hinaus arbeiten möchte." Auch Sportdirektor Stöger steht dem 60-jährigen Burgenländer nach eigenen Angaben alles andere als ablehnend gegenüber. "Ich habe die Hoffnung, dass von diesem frischem Rückenwind die Austria profitieren kann." Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass die Planungen für die kommende Saison in der Luft hängen, zehn Verträge auslaufen.

Er kenne Parits als Spieler und Trainer und schätze ihn als "ehrlichen und netten Menschen. Ich habe null Problem damit, dass einer dazukommt", beteuerte Stöger und wies darauf hin, dass vor noch nicht allzu langer Zeit mit Polster, Günter Kronsteiner, Lars Söndergaard, Kraetschmer, Schinkels, Manfred Kern und ihm selbst sieben Personen im operativen Tagesgeschäft gearbeitet hätten, während es derzeit nur drei (Kraetschmer, Schinkels, Stöger) seien.

"Aber die Aufgaben sind dieselben geblieben. Es gibt genug für alle zu tun", sagte Stöger in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Wiener Horr-Stadion, zu der zwar er und Kraetschmer, aber weder Parits noch ein Magna-Vertreter erschienen waren.

(apa/red)