Konflikt um Priesterweihe eines Türken:
Bischof von Gibraltar gerät unter Kritik

Zeremonie gegen Willen örtlicher Gemeinde vollzogen Türkei: Missionstätigkeit erlaubt, aber nicht geduldet

Die Weihe des Türken Engin Yildirim zum anglikanischen Priester durch den für die Türkei zuständigen Bischof von Gibraltar, Douglas Geoffrey Rowell, hat zu einem schweren Konflikt zwischen der anglikanischen Gemeinde von Istanbul und der Kirchenleitung in England geführt. Rowell wird vorgeworfen, sowohl die ansässigen Anglikaner als auch die türkischen Christen in Lebensgefahr zu bringen.

Der Gemeindevorstand in der Bosporus-Metropole fordere nun den Rücktritt des Bischofs. Yildirim sei gegen den Willen der örtlichen Gemeinde zum Priester geweiht worden, zitierte "Turkish Daily News" den Pfarrer der anglikanischen Kirchengemeinde Istanbuls, Ian Sherwood. Weil die Gemeinde dem Bischof ihr Gotteshaus für die Zeremonie verweigerte, musste Rowell in eine reformierte Kirche ausweichen. Der Bischof hatte Pfarrer Sherwood wegen dessen andauernden Widerstands gegen die Gründung einer türkischen Gemeinde bereits im vergangenen Jahr als anglikanischen Vertreter beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel abberufen.

Christliche Missionstätigkeit ist in der Türkei nicht gesetzlich verboten, wird aber von Nationalisten und Behördenvertretern mit großem Argwohn betrachtet. 2006 hatte ein 16-jähriger fanatisierter Jugendlicher den katholischen Priester Andrea Santoro in der Schwarzmeerstadt Trabzon (Trapezunt) erschossen. Im April 2007 wurden ein deutscher und zwei türkische Christen in der südosttürkischen Stadt Malatya gefoltert und ermordet. Die Europäische Kommission hat von der Türkei mit Nachdruck das Ende der Benachteiligung nicht- muslimischer Religionsgemeinschaften verlangt. (apa/red)