Konferenz gegen häusliche Gewalt: Frauen werden 'terrorisiert, gefoltert & umgebracht'

Jede 5. Frau erlebt Gewalt: "Tendenz steigend" Heinisch-Hosek: Migrantinnen besonders betroffen

Konferenz gegen häusliche Gewalt: Frauen werden 'terrorisiert, gefoltert & umgebracht' © Bild: APA/Techt

"Ein großer Teil der Weltbevölkerung wird terrorisiert, gefoltert (...) und umgebracht, alleine deshalb weil sie weiblich ist", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek anlässlich der Eröffnung der 11. WAVE (Women Against Violence Europe)-Konferenz in Wien. Hauptproblem sei die häusliche Gewalt. Allein in Österreich ist laut Schätzungen jede fünfte Frau einmal im Leben von Gewalt durch einen nahen männlichen Angehörigen betroffen. "Tendenz steigend", betonte die Ministerin.

Besonders betroffen von familiärer Gewalt sind Migrantinnen. Diese Gruppe sei laut Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, "besonders in Gefahr". "Diese Frauen harren oft jahrelang in Gewaltbeziehungen aus", erzählte Logar. 50 Prozent der Betroffenen, die Zuflucht in Frauenhäusern suchen, sind Migrantinnen. Der Anteil sei aber deswegen so hoch, "weil sie nirgendwo anders Hilfe bekommen".

Die Hemmschwelle, sich an Frauenhäuser zu wenden, sei vor allem im ländlichen Raum höher als in der Stadt. Das zeigt auch die Statistik der Wegweisungen und Betretungsverbote. Von 3.329 Wegweisungen im ersten Halbjahr 2009, betraf laut Bundeskriminalamt etwa die Hälfte davon (1.521) die Stadt Wien. Frauen am Land wechseln bei der Hilfesuche oft den Bezirk, "um anonym bleiben zu können", sagte die Frauenministerin. Man sei in Österreich dabei, die Online-Beratung auszubauen, um so zusätzlich Betroffene erreichen zu können.

Problem: Finanzierung
Probleme bereite immer wieder die Finanzierung der Frauenhäuser. Da diese der Gesetzgebung der Länder unterliegen, müssen einige - je nach Bundesland - jedes Jahr um ihre Finanzierung bangen. "In Europa fehlen 80.000 Plätze in Frauenhäusern. Österreich ist im EU-Vergleich recht gut aufgestellt", ergänzte Rosa Logar. In 30 heimischen Frauenhäusern gibt es derzeit rund 750 Plätze, diese reichen aber nicht aus. Jeden Tag müssten hilfesuchende Frauen und Kinder abgewiesen werden.

Lob gab es von Dubravka Simonovic vom Europarat-Komitee zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt an Frauen, die Österreich für die "exzellente Zusammenarbeit" der unterschiedlichen Organisationen lobte. Die WAVE-Jahreskonferenz findet von 24. bis 26. September im Wien statt.

"Arbeiten wie Intensivstation"
Die Zunahme an Gewalttaten in der Familie bekommen auch die Interventionsstellen zu spüren. "Wir haben im Jahr etwa 4.000 Fälle zu betreuen", sagte Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie. Dazu zählen nicht nur jene, die in die Statistik der Wegweisungen und Betretungsverbote fallen, sondern beispielsweise auch Stalkingfälle. "Wir haben täglich Akutfälle, etwa zehn Prozent der Betroffenen sind sehr gefährdet. Wir arbeiten wie eine Intensivstation auf sozialer Ebene", sagte die Leiterin.

Die schwersten Gewalttaten passieren in der Zeit von Trennung und Scheidung. In Österreich werden jährlich 30 bis 40 Frauen ermordet, viele von ihnen von ihren Ehemännern oder Ex-Partnern. Oft ist aber auch Geld ein Auslöser für Schläge. "Es gibt Frauen, die nicht genug Geld für Essen oder Kinder für Schulsachen bekommen während der Mann trinkt, raucht und ein Auto hat", meinte die Interventionsstellen-Leiterin.

(apa/red)