Komplettgarantie für Sparer in Deutschland:
Staat soll grenzenlos in die Bresche springen

Einlagensicherung steigt über 1.000 Milliarden Euro Experte: Die größte Garantie in der Weltgeschichte

Komplettgarantie für Sparer in Deutschland:
Staat soll grenzenlos in die Bresche springen © Bild: Reuters/Demianchuk

Erstmals hat der deutsche Staat eine umfassende Garantie für alle Bankeneinlagen privater Sparer in Deutschland abgegeben. Dabei geht es nach Angaben des deutschen Finanzministeriums um ein Vermögen zwischen 800 bis 1.200 Mrd. Euro. Die zunächst genannten 568 Mrd. Euro sind demnach nur die Einlagen auf Sparkonten, hinzu kämen noch private Girokonten. Auch in anderen europäischen Ländern gaben die Regierungen inzwischen Garantien für die Spareinlagen ab.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, kein Sparer in Deutschland müsse sich um seine Bankeinlagen sorgen. Auch Finanzminister Peer Steinbrück sagte, die Sparer müssten nicht befürchten, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren. "Dies ist ein wichtiges Signal, damit es zu einer Beruhigung kommt."

Damit will die Berliner Regierung einen Ansturm der Bürger auf die Banken abwenden. "Die Bundesregierung will auf jeden Fall verhindern, dass Geld in größerem Stil abgehoben wird", sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig, dem "Handelsblatt". Albig sagte, auf die Staatsgarantie hätten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück am Sonntag verständigt.

Bei der Garantie handelt es sich nach Angaben des Finanzwissenschaftlers Hans-Peter Burghof vermutlich um "die größte Garantie in der Weltgeschichte". Der Professor an der Universität Hohenheim äußerte am Montag im ZDF-"Morgenmagazin" ein "gewisses Unbehagen" über die Versicherung von Kanzlerin Merkel, die Spareinlagen seien sicher. Würde wirklich ein Teil dieser Garantie gezogen, käme der Staat tatsächlich in Schwierigkeiten, sagte der Experte.

Am Montag handelten auch Dänemark und Schweden: Das dänische Wirtschaftsministerium in Kopenhagen teilte mit, die private Kreditwirtschaft habe 35 Mrd. Kronen (4,63 Mrd. Euro) für einen Fonds zugesagt, der zwei Jahre lang die Einlagen von Kontoinhabern absichern solle.

Auch Schweden sichert Einlagen
Die schwedische Regierung verdoppelte die Einlagensicherung ab sofort von 250.000 Kronen (25.769 Euro) auf eine halbe Million Kronen. Dieser Schritt sei ein Beitrag dazu, das Vertrauen der Bankkunden in das Finanzsystem zu sichern, erklärten Finanzminister Anders Borg und der für die Kapitalmärkte zuständige Minister Mats Odell in einer gemeinsamen Mitteilung.

In der vergangenen Woche hatten bereits Griechenland und Irland umfassende Staatsbürgschaften übernommen, Großbritannien hob die Obergrenze für garantierte Bankverbindlichkeiten an. Ab kommenden Dienstag liegt diese Obergrenze bei 50.000 Pfund (63.812 Euro) statt wie bisher bei 30.000 Pfund.

Die irische Regierung hatte - nach dem größten Kurssturz an der Dubliner Börse der Geschichte - die Garantie für alle Guthaben und Verbindlichkeiten der sechs in Irland registrierten Banken übernommen. Diese Garantie soll mindestens zwei Jahre gelten. Zudem will die Regierung im Falle einer drohenden Bankenpleite mit Steuergeldern einspringen. Am Freitag war Griechenland nachgezogen und hatte eine Garantie für alle Bankeinlagen im Land gegeben.

(apa/red)