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Kickl als Philosoph
und Humanist

Kommentare - Kickl als Philosoph
und Humanist © Bild: APA/HANS PUNZ

News-Kolumnist Gerfried Sperl hat mit seinem Kommentar Kickl als Humanist ist ein "Fake" für Diskussion gesorgt. Wie sehen das die News-User?

Minister Norbert Hofer hat seinen FPÖ-Regierungskollegen, Innenminister Herbert Kickl, als Philosoph und Humanisten eingestuft. News-Kolumnist Gerfried Sperl hat diese Einschätzung kritisiert und damit ein großes Leserecho ausgelöst – mit teils sehr gut argumentierten Beiträgen. Vier davon möchten wir zwecks weiterer Diskussion präsentieren.

Zum Nachlesen: Kickl als Humanist ist ein "Fake"

"Ist Kickl ein Philosoph?
Vielleicht" Es kommt halt drauf an wie man/frau „Philosoph“ definiert. Ich habe auch vor vielen Jahren ein Semester lang Gesangunterricht genommen, im Opernfach. Bin ich deswegen ein Opernsänger? Sicherlich nicht. Und meine leidgeprüften Nachbarn von damals werden das sicherlich gerne bestätigen.
Aber vielleicht ist Kickl wirklich ein Philosoph, wenngleich auch ein Westentaschenphilosoph. Also einer zum Wegstecken. Oder zum Hervorholen. Wie man/frau es halt eben so bracht.

Philosoph sein an sich ist ja nicht automatisch etwas positives. Philosoph sein kann durchaus auch negativ behaftet sein. Siehe zum Beispiel Alfred Rosenberg und Alfred Bäumler, wobei letzterer sogar ein „echter“, d.h. promovierter Philosoph war.

Da gibt es sogar ein ganzes Buch darüber, über negative Philosophen. „Hitlers Philosophers“ heißt es, und geschrieben hat es Yvonne Sherratt, ihres Zeichens Professorin für Philosophie an der Oxford University. Also eine echte Philosophin. Im Gegensatz zum Bertl Kickl, der sein Studium der Philosophie nicht abgeschlossen hat. Und sein anders Studium, das der Publizistik und Politikwissenschat auch nicht. Also ein klassischer Studienabbrecher. Dafür war er freiwillig ein Jahr lang bei den Gebirgsjägern. No ja. Soll ja auch was Wert sein. Was genau weiß ich allerdings nicht.

Also verglichen mit Kickl ist der Hofer ja fast schon ein Intellektueller. Wegen dem „Ing“ Titel. Aber eben nur fast, weil halt nur ein Techniker. Aber gut, vielleicht hinkt der Vergleich. Der mit dem Hofer. Wobei der Hofer selber schon hinkt. Aber das macht ja nix. Der Goebbels hat ja auch gehinkt."

"Über Kickls Aussage lässt sich streiten"

"Sehr geehrter Herr Sperl!

Ja ich teile Ihre Auffassungen hinsichtlich Herrn Kickl

Aber sehr geehrter Herr Sperl, sehe ich die Causa aus einer anderen Sicht, und Sie gehen einem sehr durchdachten Kalkül genauso auf den Leim wie die New York Times und andere, die darüber berichteten.

Über Kickls Aussage lässt sich streiten, ob bewusst oder „Ausrutscher“, doch ich halte es wie Prof. Filzmaier: Gesagt ist gesagt, und ist in jeder Ansicht unredlich.

Kickl ist ein Spezialist, ausgefuchst, wie auch ein perfekter Rhetoriker und Autor. Das sei dahingestellt. Dieser weiß genau wann und was und vor allem zu welchem Zeitpunkt etwas an die Öffentlichkeit getragen werden soll.

Was ich damit sagen will: Er verwendet bewusst Sie und viele andere Journalisten und Medien als Trittbrett. Die Inhalte spielen dabei keine Rolle, sondern das Ziel ist Aufmerksamkeit. Er nimmt internationale Kritik bewusst in Kauf, um mit den Idealen der FPÖ international für Furore zu Sorgen. So nach der Redensart: „Wenn keiner mehr schlecht über Dich spricht, wer bist Du dann“, ist ihm der Schlamm, durch den er gezogen wird, egal. Hauptsache die FPÖ verbreitet Ihre Ideale. Er hat dafür gesorgt, dass Karin Kneissl, Norbert Hofer wie auch Strache & Co ein internationales Sprachrohr erhalten. Diese relativieren kurz den „Sager“, haben aber die Gelegenheit sich zu profilieren.

Ein einzigartiger Schachzug möchte ich meinen. Und Sie und ihr Medium tragen dazu bei.

Das soll nun keine Kritik an Ihnen sein, Herr Sperl, jedoch denke ich man regt sich oft über das Detail so auf, dass man die Absicht übersieht." (Peter Grasmann )

Auseinandersetzung mit dem Begriff "Humanismus"

"Sehr geehrter Herr Sperl:

Sie sind ein Redakteur mit ansehnlichem publizistischen Gewicht. Mit Ihrer Meinung über Kickl beweisen Sie, daß Sie gegenüber rechten politischen Strömungen eine hohe Sensibilität an den Tag zu legen bereit sind. Eine vorausgehende tiefere Auseinandersetzung mit den verschiedenen Begriffsweisen von „Humanismus“ hätte Sie aber eigentlich abhalten müssen, gerade diese Aussage Hofers als Fake-News abzutun. Sie haben zwar recht, dass Kickl keine literarische Plädoyers in Buchform aufweisen kann und sich keinen Namen durch gelebte Menschlichkeit gemacht hat. Indem Sie dies aber bereits als stichhaltigen Beweis gegen die Bezeichnung Kickls als Humanisten deklarieren, begeben sich auf das Niveau von „Stammtischpostern“, denen Sie sich ja augenscheinlich überlegen fühlen. Da hätte ich mir mehr journalistische Qualität erwartet, etwa einen Diskurs über die Entwicklung des Verständnisses, was Humanismus bedeuten möge, etwa abschließend mit einem Hinweis auf Sartres „Humanismus der Bedürfnisses“ in Gegenüberstellung zum Konzept des „Humanismus der Arbeit“, auf den das Konzept der Leistungsgerechtigkeit fußt: Es gibt Formen des Humanismus, die auf humanitäre Elemente verzichten !

Darauf aufbauend hätten Sie die (hinterhältige, weil nur die – verzerrende – halbe Wahrheit vermittelnde) Wortwahl Hofers zum Thema machen können und damit einen Beitrag zur politischen Bildung Ihrer LeserInnen leisten können." (Paul Scheibenpflug)

"Zynismus hat Tradition"

"Guten Tag Herr Sperl,
Ihrer Aufforderung, Ihnen zu schreiben folge ich:

Zynismus hat Tradition, wenn man in der «deutsch-österreichischen» Geschichte zurückblättert.

Da stand auch schon mal ganz groß: «Arbeit macht frei»

Es ist also immer die Frage wer sagt was und was meint er damit und wer hört zu und worüber denkt er dann nach.

Da kann einem schon einiges humanistisch vorkommen je nach dem, wo man steht. Vielleicht also doch kein Fake?

Andere Humanisten z.B. schrieben etwas über einen Schoss der noch fruchtbar wäre…damit etwas daraus kriechen könne..
gemeint war wohl der humanistische Gedanke einer Geburt…..eines neuen Neo-Lebens…." (Paul Rosenich)

Gerfried Sperl
© News

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