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Sprengkräfte in der SPÖ

Kommentar - Sprengkräfte in der SPÖ © Bild: apa/HELMUT FOHRINGER

Fällt die SPÖ hinter das Faymann-Ergebnis von 2013 zurück? Ein Kommentar von Gerfried Sperl.

Die SPÖ tritt meistens sehr geschlossen auf. So auch am Beginn der Kanzlerschaft Christian Kerns. Er schien – auch in der Öffentlichkeit – der neue Überflieger zu sein.

Aber unabhängig vom Aufstieg des Sebastian Kurz explodierten plötzlich in der SPÖ selbst unvermutete "Sprengsätze" mit Urhebern im Nahen Osten.

Einer der Verursacher ist Alfred Gusenbauer. Dieser hatte 2006 bei der Nationalratswahl völlig überraschend Wolfgang Schüssel geschlagen, mit 35,3 Prozent zu 34,3 Prozent. Er sprengte damit die sicher scheinende Vorherrschaft der ÖVP, die damals acht Prozentpunkte verlor. Gusenbauers Zauber währte aber nicht einmal zwei Jahre. Im Dezember 2008 trat er als Kanzler und Parteichef zurück. Statt international seine Theorie- und Politik-Begabung umzusetzen, entschied er sich fürs Geld. Er verdingte sich fortan als Geschäftsvermittler und Aufsichtsrat bei teils dubiosen Konzernen und Staatschefs.

Jetzt hat „Gusi“ seine Sprengkraft erneut unter Beweis gestellt. In der Affäre Silberstein spielt er zwar nur eine Nebenrolle, aber der verhaftete israelische Berater war von ihm schon 2002 in die SPÖ geholt worden. Er blieb ihm verbunden – geschäftlich bis heute. Was die Frage aufwirft, ob nicht auch für einen ehemaligen Bundeskanzler die Verantwortung gilt, alle seine Aktivitäten moralisch, politisch und kommerziell sauber zu gestalten. Derzeitiger Stand: Gusenbauer war und ist dieser Herausforderung nicht gewachsen.

Zusammen mit dem amtierenden Bundeskanzler Christian Kern, dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl und dem ehemaligen ORF-General Gerhard Zeiler baute der Ex-Kanzler eine Front gegen den farblosen Kompromiss-Regierungschef Werner Faymann auf.

Bekanntlich verlor Faymann dieses Match gegen Rising-Star Kern, der sich wie Gusenbauer dem Guru Silberstein anvertraute. Ein Riesenfehler – wie man jetzt weiß.

Faymann hatte bei der Nationalratswahl 2013 26,83 Prozent der Stimmen erreicht – zu wenig für seine Gegner und selbsternannten Erneuerer der Partei. Jetzt könnte die Partei noch hinter das Faymann-Ergebnis zurückfallen - womöglich noch hinter die FPÖ. Das wäre wahrhaft epochal.

Gerfried Sperl
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