Gestern und Heute von

Der bröckelnde Fels

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Dezember 1984: Im Rahmen einer Jugenddelegation kam ich erstmals nach Kuba. Gleich am ersten Tag bekamen wir Gelegenheit, IHN zu hören, Fidel Castro, "Comandante en jefe", Oberbefehlshaber des Inselstaates. Und wie wir ihn hörten: Fast drei Stunden lang deklamierte er vor Hunderten Jugendlichen, mit vollem Körpereinsatz.

Was genau, war den meisten von uns aufgrund ungenügender Kenntnis der spanischen Sprache nicht klar. Erkennbar war nur die pathetisch-"revolutionäre", meist gegen die USA gerichtete Tendenz. Das Gefühl, eine außergewöhnliche Persönlichkeit der Weltgeschichte zu erleben, ließ auch uns Österreicher trotz der sprachlichen Defizite und des gerade voll zur Geltung kommenden Jetlags nicht eindösen.

Zu diskutieren gab es nachher genug mit seinen Getreuen. Warum die Demokratie in Kuba - wenn überhaupt - so eingeschränkt funktioniere. Wie der gerade wiedergewählte Ronald Reagan in Kuba eingeschätzt werde -den Tatsachen entsprechend aggressiv. Und ob man nicht wenigstens ein wenig marktwirtschaftliches Wasser in den kubanischen Wein geben müsse, um ihn für die breite Masse genussvoller zu machen, entsprechend dem hohen Niveau des Gesundheits-und Bildungssystems.

Dieser Fidel Alejandro Castro Ruz wird am 13. August 90 Jahre alt. Eigentlich erst 89, denn der Sohn eines in Spanien geborenen Plantagenbesitzers und dessen Köchin wurde um ein Jahr älter gemacht, um ihm das Studium am Jesuitenkolleg von Havanna zu ermöglichen. Aus dem überzeugten Katholiken wurde ein Atheist, der freilich mit den letzten drei Päpsten auf Kuba einen freundlichen Dialog pflegte.

"Fidel ist als Erstes Revolutionär, als Zweites Jesuit und erst dann Marxist", sagt ein Mitstreiter. Aus dem linksnationalistischen Revolutionär von 1959 wurde ein kommunistischer Verbündeter der Sowjetunion; eine Folge des Kalten Kriegs und der feindseligen Haltung der USA. 638 Mordanschläge, viele davon von der CIA unterstützt, überlebte Castro. Erst Obama näherte sich Kuba vorsichtig an, nicht dem kränkelnden Fidel. Der trat 2008 als längstdienendes nicht monarchisches Staatsoberhaupt der Welt zurück, das Land führt sein Bruder Raúl.

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