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Özil und Hoeneß:
Eine dreckige Ebene

Kommentar - Özil und Hoeneß:
Eine dreckige Ebene © Bild: Mladen ANTONOV / AFP

Der Rücktritt Mesut Özils aus der Nationalmannschaft hat Uli Hoeneß zu einer harschen Kritik bewogen. Er hätte lieber schweigen sollen.

Mesut Özil, Arsenal-Spielmacher und bis Sonntag Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hat seinen Schritt mit dem Vorwurf des Rassismus begründet. Sein Hauptargument gegenüber dem DFB-Präsidenten und gegenüber einzelnen Medien: „Wenn wir gewinnen bin ich Deutscher, wenn wir verlieren ein Immigrant“.

Das hat den Bayern-Präsidenten Ulli Hoeneß dazu gebracht, Özil beruflich zu attackieren: „Er hat seit Jahren einen Dreck gespielt“. Damit ist die Debatte um ein Foto, das Özil und den zweiten Nationalspieler, Ilkay Gündogan (Manchester City) im Frühjahr in London mit dem türkischen Präsidenten Recip Erdogan zeigt, endgültig auf einer dreckigen Ebene gelandet.

Die beiden Spieler hätten schon damals wissen müssen, dass eine optische Solidarisierung mit einem derart umstrittenen Politiker wie Erdogan stark polarisiert. Denn als deutscher Staatsbürger braucht man zwar seine Herkunft nicht verleugnen, man kann auf sie sogar stolz sein. Aber als Nationalspieler darf man keine Zweifel aufkommen lassen, wen man vorrangig und international vertritt.

Umgekehrt ist Özils Kritik nicht unberechtigt. Als Türkischstämmiger muss man es sich nicht gefallen lassen, bei einer weniger guten Performance gleich an seine Herkunft erinnert zu werden und sie damit als Ursache zu benennen.

Völlig überzogen jedoch ist die Reaktion des Bayern-Präsidenten. Der Wurstfabrikant und wegen Steuerhinterziehung Verurteilte sollte gegenüber dem untadeligen Nationalspieler lieber schweigen.

Denn die von ihm jetzt geworfenen Dreckpatzen lassen erkennen, wes Geistes Kind Hoeneß ist. Vielleicht ein guter Manager, aber ansonsten ein Biertisch-Rabauke, der mit seinen Beurteilungen illustriert, warum Integration so schwierig ist.

Gerfried Sperl
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