Kommentar von Josef Votzi zur Wahl '08:
"Die Bilanz der bisherigen TV-Duelle"

So schlugen sich die fünf Parteichefs in der 1. Runde Wahlblog: NEWS-Chefredakteur exklusiv für news.at

Kommentar von Josef Votzi zur Wahl '08:
"Die Bilanz der bisherigen TV-Duelle" © Bild: Josef Votzi/NEWS

Von Josef Votzi Haider gegen Strache, Faymann gegen Van der Bellen, Molterer gegen Haider. Die erste Runde der TV-Duelle ist geschlagen. Jeder der fünf Parteichefs war zumindest einmal im Ring. Die erste Bilanz: Die Wahl 08 - ein Quotenknüller. Fast 1 Million Zuseher beim „Duell der Zwillinge“ Haider & Strache. Fast 900.000 Zuschauer beim Kräftemessen Faymann & van der Bellen. Und 850.000 beim Schlagabtausch Molterer & Haider.

Die Performance der Hauptdarsteller:

* FPÖ-Chef Heinz Christian Strache entpuppt sich als Laien-Darsteller. Flüchtet Aug in Aug mit seinem "Übervater" Haider in ängstliches Kampfgrinsen. Outriert in seiner Polemik. Erzeugt bei Gegnern Brechreiz und bei seinen Fans Magenschmerzen beim Zusehen. Loser der ersten Runde.

* BZÖ-Chef Jörg Haider zeigt ein neues Kunststück seiner Schauspielkunst: 2008 gibt er den "Eldest Statesman". In der Runde mit Strache väterlich schulterklopfend. Im Schlagabtausch mit Molterer mimt er den Caritas-Flügel der ÖVP und mahnt deren soziales Gewissen ein. Perfekte Note bei Bewerbung fürs Reinhardt-Seminar. Ob das 2008 auch noch einmal für einen Wahlsieg, der sich gewaschen hat, reicht? Angesichts seines schwächelnden Klons nicht auszuschließen.

* Grünen-Chef Van der Bellen grantelt sich mehr durch seinen ersten Auftritt als dass er aktiv kommunziert. Und vermeidet es tunlichst, um Sympathien über seinen engsten Anhängerkreis hinaus zu werben. Mögliche Gründe. Schlechter Tag? Rauchverbot im Studio? Oder will er uns gar sagen, dass ihm die österreichische Abart von Politik genauso auf die Nerven geht wie vielen Wählern? Granteln allein ist kein Programm. Schwacher Start, kann nur noch besser werden.

* SPÖ-Chef Werner Faymann legte als einziger der fünf eine echte Premiere für das breite Publikum hin. Brachte das perfekt über den Schirm wie er mehr als zwanzig Jahre im Schatten der Spitzenpolitik seinen Job angelegt hat: Freundlich im Ton, verbindlich in der Sache, An- und Abwesende umarmend. Alles in allem noch zu wendig, um überall auch seinen politischen Standort auszumachen Nach seiner ersten vollen TV-Stunde wesentlich greifbarer, aber noch lange nicht voll begreifbar. Das mehr versprechende Naturtalent der ersten Runde.

* ÖVP-Chef Wilhelm Molterer ging mit der größten Hypothek in die erste Runde. Faymanns Fünf-Punkte-Programm brachte ihn ein paar Tage sichtlich in die Defensive. Die ÖVP droht zudem ins (in den letzten Jahren Richtung SPÖ verbannte) "Gesudere" über den Obmann zurückzufallen. Und dann auch noch Haider als Gegner. Molterer suchte eisern mit seinen Stärken zu punkten: Verlässlich, sachorientiert, jedem Gag abhold. Alles in allem daher: Eine sehr routiniert gute Leistung unter erschwerten Bedingungen.

Die wirklich große Herausforderung steht Molterer noch bevor: Das Duell mit Faymann fünf Tage vor dem Wahltag. Der Lackmus-Test wartet auf Werner Faymann in der vorletzten Wahlkampfwoche gleich im Doppelpack: In den Duellen mit Strache und Haider, dem finalen Match der Sozialpopulisten.