Kommentar von

Heinz-Christian Strache:
Etwas weniger Opfer & etwas mehr Demut

Die Erklärung von Heinz Christian Strache – unter die Lupe genommen

Kommentar - Heinz-Christian Strache:
Etwas weniger Opfer & etwas mehr Demut © Bild: JOE KLAMAR / AFP

Heinz Christian Strache lässt niemanden ,,kalt’’. Man hat eine Meinung über ihn, hat sie vielleicht in den letzten Monaten oder Wochen geändert – zumindest zeugen seine Facebook-Kommentare davon. Was er tut, wird beobachtet, analysiert, hinterfragt und vermutlich mehr als bei anderen auch sehr schnell inhaltlich gewertet. Kommunikationsexperte Stefan Häseli schaut einmal etwas genauer hin. Ein professioneller Blick auf den vorderhand wohl letzten Auftritt des Heinz Christian Strache als politische Person am 1. Oktober.

Es scheint ein ,,Abend unter Kollegen’’ zu werden. Der joviale Szenenaufbau, in den Österreichs Ex-Vizekanzler mit einem Lächeln die Journalisten in einem gemütlichen Weinlokal begrüsst. Ein paar einleitende, kollegiale Worte könnten darauf schließen, dass er eine lockere Talkrunde mit lustigen Anekdoten unter Freunden erzählen möchte. Wäre da nicht der Hintergrund des schlechten Wahlergebnisses und seine ,,G’schichtn’’…

© APA/HELMUT FOHRINGER Der frühere FPÖ-Parteichef Heinz Christian Strache im Rahmen einer Pressekonferenz "Persönliche Erklärung" am Dienstag, 01. Oktober 2019 in Wien.

,,Ich hab Sie ja schon vermisst’’, lächelt Strache und irgendwie ist der Witz nicht rübergesprungen. Der Beweis, dass Witz und Kollegialität durchaus eine Aura brauchen. Wenn der Kontext nicht stimmt, kommt nicht nur die Pointe nicht an, sondern sie verschlimmert die (kommunikative) Situation unter Umständen nur noch. Nach fast zehn Minuten wusste der Zuschauer, was Strache nun tut: Der ehemalige Parteivorsitzende sagt, er wolle sich völlig aus der Politik und dem öffentlichen Leben zurückziehen und keine politischen Positionen mehr anstreben.

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Der ,,Gastgeber’’ hat hier etwas als ,,Erklärung’’ deklariert, was im Grunde doch nur eine solche Pressekonferenz ist, bei der ein Rücktritt so oder so schon vorgeahnt werden kann. Das sollte wahrlich nicht mit einer Spannungsdramaturgie aufgebaut werden. Grundregel: raus mit dem Entscheid! Dann weiß es die Welt und jeder im Raum (oder vor den Medienkanälen) kann auf die nun nachfolgenden Erklärungen und Hintergrundinformation, Motive und Beweggründe tatsächlich hören.

»Zumindest in den kommenden Minuten bleibt sich H.C. Strache treu«

Herr Strache aber inszeniert sich hier selbst. Das muss nicht nur schlecht und schon gar nicht neu sein. Nur hätte er es souveräner machen können. Nach der Phase einer szenischen, gemütlichen Begrüßungsrunde folgt das Übliche – was Politiker können und häufig (leider) auch tun: dieses zurecht gebogene Dankeschön. Trotz großer Niederlage, persönlicher Skandale und vermeintlicher Unterstellungen will sich Strache ,,trotz der Kampagne’’ für ,,das Vertrauen bedanken’’. Das mag sicherlich gut gemeint sein, wirkt unterdessen, weil wir es alle schon hunderte Male gehört haben, schöngeredet.

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Zumindest in den kommenden Minuten bleibt sich H.C. Strache treu: Nach dem Dank folgt eine Auflistung von Schuldigen. Er spricht von ,,Gegnern der freiheitlichen Familie’’, erzählt, wer alles was falsch gemacht hat, dass der Zeitpunkt all dieser Anfeindungen bewusst so gewählt wurde und vieles mehr. Inhaltlich mag er möglicherweise da und dort oder teilweise recht haben. Doch dass er selbst in dieser Situation noch versucht, die Opferkarte zu spielen, wirkt rein kommunikativ schlichtweg langweilig und für manche sogar grotesk.

»Macht er das, was alle tun?«

Dann baut er noch den Aspekt mit seiner Familie ein, dass er sich auf sie konzentrieren möchte, sie mit diesem Schritt schützen wolle. ,,Was meine Frau und Familie in den letzten Wochen ertragen mussten, das kann kein Ehemann, kein Vater zulassen’’, sagte Strache. Ich habe mir in der Tat vor dieser offiziellen Erklärung schon einmal im Vorfeld überlegt, was er sich zurechtlegen wird. Macht er das, was alle tun? Also Opfer sein und die Familie schützen? Tatsächlich hat er diese Strategie gewählt. Das muss weder schlecht noch falsch sein, trotzdem ist es so abgedroschen, dass es selbst dann, wenn es stimmt, nur einfach zur Kenntnis genommen wird. Besonders eigenartig wirken solche Sätze dann, wenn es dem Sprechenden nie so wichtig war, sich um die Familie zu kümmern. Und plötzlich stellt er sich heroisch vor sie? Die inhaltliche Interpretation überlasse ich an dieser Stelle gerne seiner Entourage und seiner Wähler.

Kommunikationstechnisch gilt: Schuld eingestehen! Das hat Strache zwar getan, aber im Verhältnis 1:3 zu den Schuldzuweisungen. Da hätte er wahre Größe gezeigt, wenn dieses Verhältnis umgekehrt gewesen wäre. Dass er das Wort ,,Ibiza-Affaire’’ dann doch noch erwähnt hat, ist wohl ehrlich, aber dann noch nicht allzu klug. Denn dieses Wort triggert klare Emotionen und ziemlich eindeutig nicht zu seinen Gunsten.

Für mich war es aus diesen Gründen kommunikativ kein Befreiungsschlag – doch genau den hätte seine Person und seine Partei gebraucht. Hier mit etwas mehr Demut und weniger Plattitüden aufzutreten, hätte geholfen. Immerhin war der Zeitpunkt gut gewählt: Nach der Wahlniederlage durchatmen, dann entscheiden und kommunizieren. So weiß das System in der Partei und im Lande, woran man nun ist und dass Strache kein aktiver Player mehr ist. Doch ist das tatsächlich so? Wie lange wird es brauchen, bis erst mit Hilfe seiner Anhänger und dann per Volksmund die Aussage ,,Ja alles war ja dann doch nicht so schlecht’’ wieder die Runde dreht? Es wäre nicht das erste Mal, dass kollektiv gesprochene Sätze helfen, die Erinnerung aufzuhübschen und ihm wo möglich wieder das eine oder andere Türchen öffnen...

Am Ende der ,,Erklärung’’ war sie dann wieder zurück, die wohlig-warme Weinlokal-Atmosphäre, in der nach ein paar Flaschen ,,der wundervolle Spätsommertag’’ gelobt und floskelhaft in die Zukunft geblickt wird. ,,Ich stelle fest, dass jedes Ende mit einem neuen Anfang beginnt’’, sagt Strache und entlastet sich somit grad selbst. ,,Fehler sind zutiefst menschlich’’, ist sein Resümee. Vielleicht sehe man sich privat ja mal wieder, sagt er kumpelhaft und steht sichtlich erleichtert auf. Und somit hat sich zumindest die kommunikative Schleife in der Dramaturgie seiner Erklärung geschlossen.

Zum Autor

Stefan Häseli ist Kommunikationstrainer, Keynote-Speaker, Moderator und Autor mehrerer Bücher. Er betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz. Der Kommunikationsexperte begleitet seit Jahren zahlreiche Unternehmen bis in die höchsten Vorstände von multinationalen Konzernen. Er doziert an Universitäten und Fachhochschulen im Themenfeld Kommunikation. Als Experte nimmt er im Radio und TV-Stationen immer dann Stellung, wenn Kommunikation irgendwo auf der Welt gerade eine entscheidende Rolle spielt, wie beispielsweise die ersten Wochen „Donald Trump“ oder der Blick auf das Kommunikationsverhalten von Greta Thunberg.

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