Kommentar von

Falco als Musical:
Ja, dürfen's denn das?

Das bereits dritte Musical über Falco erzählt erstmals biografisch sein Leben. Der Unterhaltungsspaß hat seine natürlichen Grenzen

Lisa Ulrich Gödel © Bild: Ricardo Herrgott

Ich muss gestehen, ich war fassungslos. Peinlich berührt und wütend, wie wenn jemand dein Teenietagebuch laut vor der Klasse vorliest und lächerlich macht. Die erste Vorschau auf „Falco-Das Musical“ gab es in der Helene Fischer-Show. Da wurde der Künstler, dessen Unangepasstheit und Widersprüchlichkeit mich seit Kindesbeinen an faszinierte, zur dümmlichen Staffage der Fischerschen Selbstdarstellungsshow degradiert. Hätte sich Falco in einen Show-Käfig sperren und von Helene an die Wand singen lassen? Eher nicht. Vielmehr hätte er sie mit einem doppelbödigen Spruch ausgehebelt oder seinem Schmäh verzückt wie zuvor schon Heike Makatsch oder Stefan Raab.

Natürlich ist „Falco-Das Musical“ nicht die Helene-Fischer-Show. Es will vielmehr seine Biografie in seinen Hits auf einer Bühne erzählen. Die Frage blieb: Was kann die Übersetzung eines Falco ins Musicalgenre leisten? Anders gefragt: „Ja, dürfen's denn das?“

Thomas Rabitsch, Wegbegleiter und Bandleader von Hans Hölzel und Falco, hat mich mit der unsäglichen Musicalwerdung ein bisserl versöhnt. Er habe die musikalische Leitung des Musicals übernommen, weil er lieber „dabei ist, bevor er sich nachher darüber ärgert“, sagt er. Und auch, dass vollkommen klar ist, dass Falcos tragisches Lebensende alle anderen Facetten seines Seins in so einer Aufführung ausblenden muss. Also hat er hat das Musical mit einer Liveband ausgestattet, zu der der Falke sagen würde: „Ja, genau so g‘hört des g‘spült Burschen.“

Uneinsichtige, wie ich, können ja trotzdem lieber das Donauinselkonzert 1993 schauen, oder die Goldfisch live.

Falco-Das Musical, Wien, Stadthalle, 1. 4., 25. 5., 11. 6. und auf Tour in ganz Österreich