Kolumbus nicht mehr willkommen: In Venezuela & Honduras Denkmäler gestürzt

Tag der Entdeckung in Panama jetzt "Tag der Trauer"

Er hat - jedenfalls aus der Sicht Europas - die größte Entdeckung gemacht und seinem spanischen Auftraggeber die Tür zu einem Weltreich aufgestoßen, in dem die Sonne nicht unterging. Doch die Abkömmlinge der Menschen, die er dabei entdeckte, die Ureinwohner Amerikas, machen heute zunehmend gegen einen der großen Seefahrer der Weltgeschichte mobil: Christoph Kolumbus (Cristobal Colon) ist in Lateinamerika nicht mehr überall willkommen. In Venezuela und Honduras wurden sogar seine Denkmäler gestürzt.

Obwohl er den Boden des amerikanischen Festlandes auf seiner vierten Reise 1502 nur im heutigen Honduras, Costa Rica und Panama streifte, wollen vor allem die Indios in den lateinamerikanischen Ländern Kolumbus für alle Übel verantwortlich machen, die ihnen in den vergangenen 500 Jahren widerfahren sind. Früher war der 12. Oktober, der Tag der Entdeckung, stets ein Feiertag in allen Ländern Lateinamerikas. Heute ist er in vielen Staaten abgeschafft. Die Indios in Panama begehen ihn als "Tag der Trauer".

Entdeckungstag wurde zum "Tag der Trauer"
In Venezuela benannte ihn Präsident Hugo Chavez um in "Tag des indigenen Widerstands". Dort brachten im Jahre 2002 Studenten das Denkmal des europäischen Entdeckers zu Fall. "Das war ein symbolisches Urteil gegen Kolumbus", kommentierte Chavez diese Tat. Es gebe im übrigen keinen Grund, Kolumbus zu feiern: "Dieser Mann hat eine Invasion angeführt und einen der größten Völkermorde der Geschichte begangen."

In Honduras wurde 1998 ein Prozess gegen Kolumbus angestrebt. Immerhin stellten die Kläger, Indio-Aktivisten, fest, Kolumbus sei zwar nicht der Eroberer, aber er sei der Initiator der Eroberung und somit schuld an Mord, Brandschatzung und Zerstörung, sowie der Ausbeutung der indigenen Völker, die bis heute in allen Ländern Lateinamerikas die ärmsten sind und von den Weißen diskriminiert werden. Die Indios in Ecuador etwa lehnen dieses Jahr erstmals eine Feier zu Ehren von Kolumbus ab. "Auf den Gräbern unserer Toten werden wir nicht tanzen", erklärte neulich der Verband der Indios von Ecuador.

Umdenken in Lateinamerika begann 1992
Der Umschwung entwickelte sich mit dem zunehmenden Selbstbewusstsein der Indiobewegungen vom Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts an. Viele sähen seit der 500-Jahr-Feier im Jahre 1992 die Entdeckung nur noch als eine europäische Heldentat, analysiert der mexikanische Historiker Enrique Florescano. "Die große Show wurde für die indigene Bevölkerung zum Anlass, ihr Eigentum, ihre Kultur, ihre Sprache zurückzufordern, aber auch Forderungen bezüglich ihrer derzeitigen Lage aufzustellen."

Während Kolumbus auf dem lateinamerikanischen Subkontinent immer umstrittener wird, ist die Bewunderung für ihn in der Dominikanischen Republik ungebrochen. In der Hauptstadt des karibischen Landes, in Santo Domingo, der ältesten Stadt der Europäer in der neuen Welt, steht die älteste spanische Kathedrale Amerikas. Ihr Grundstein wurde 1502 gelegt. Ein Jahrzehnt zuvor, am 12. Oktober 1492, war Kolumbus auf einer der Bahama-Inseln an Land gegangen.
(apa)