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WM-Quali-Spiel: Koller
über ÖFB-Chancen

Teamchef: "Haben genug Spieler, die das spielerisch lösen können"

Teamchef Marcel Koller © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Das österreichische Fußball-Nationalteam ist bemüht, die Aufregung der vergangenen Woche hinter sich zu lassen. Teamchef Marcel Koller hatte seinen Spielern bei der Kaderbekanntgabe in aller Deutlichkeit die Bedeutung des bevorstehenden WM-Quali-Spiels in Irland vor Augen geführt. Sein öffentlicher Weckruf wurde laut Koller auch bei der Teamzusammenkunft in Stegersbach intern kurz besprochen.

»Ich habe den Eindruck, dass alle voll bei der Sache sind und fokussiert«

Die Wirkung dürfte er nicht verfehlt haben. "Ich habe den Eindruck, dass alle voll bei der Sache sind und fokussiert", betonte Koller Donnerstagmittag in seiner ersten Pressekonferenz. "Was wichtig ist für den 11. Juni." Dann steht in Dublin ein richtungsweisendes Spiel auf dem Programm. Bei einer Niederlage ist der Zug zur WM in Russland so gut wie abgefahren - und auch Kollers Zukunft offen.

Zahlreiche Spieler fehlen

Zahlreiche Akteure, darunter so wichtige Spieler wie der gesperrte Marko Arnautovic, fehlen. "Wir haben genug Spieler, die das spielerisch lösen können", versicherte Koller. Arnautovic sei grundsätzlich schwer zu ersetzen. "In Irland wird aber das Kollektiv eine entscheidende Rolle spielen", sagte Koller. "Wir brauchen eine verschworene Einheit auf dem Platz. Die Iren werden das sicher sein."

Irland liegt in der WM-Quali-Gruppe D als Zweiter vier Punkte für Österreich. In Wien hatten sich die "Boys in Green" im November mit 1:0 durchgesetzt. "Wir dürfen von der Robustheit nicht überrascht sein", forderte Koller. Zudem sei es wichtig, nicht nur das Spiel der Iren anzunehmen. "Wir müssen in den Zweikämpfen dagegenhalten, müssen aber unsere spielerische Qualität in den Vordergrund stellen."

Defensive Dreierkette wahrscheinlich

Statt sich zu hohen Bällen verleiten zu lassen, soll auch gegen die Nummer 26 der FIFA-Weltrangliste der Ball flachgehalten werden. "Wir haben Qualität am Ball", betonte Koller, der trotz eines noch nicht vollständigen Kaders schon in Stegersbach am taktischen Konzept arbeitet. Eine defensive Dreierkette, wie sie der Schweizer im März auch in der WM-Quali gegen Moldau (2:0) eingesetzt hatte, gilt aufgrund der Personalsituation als wahrscheinlich.

"Vor Verletzung und Sperren ist man nie gefeit", sagte Koller. "Es ist gut, dass auch neue Spieler dazukommen." Diese gelte es heranzuführen. Mit Einsätzen dürfen die Debütanten Kevin Danso (Augsburg) oder Konrad Laimer (Salzburg) aber noch nicht unbedingt rechnen. Koller: "Es ist nicht so, dass einer aus dem Himmel auffährt und gleich eine feste Stütze sein wird. Wir müssen sie als Team mitnehmen."

Die etablierten Kräfte hatten vor dem Einrückungstermin am Mittwoch fast alle eine Woche Urlaub. "Sie haben es auch genützt, dass sie für sich ein bisschen was gemacht haben", lobte Koller, nachdem er vergangene Woche noch die Raunzerei über den Länderspiel-Termin nach Saisonende kritisiert hatte. Das ist abgehakt, der Eindruck sei positiv. Koller: "So kann es weitergehen." Das einzig Schlechte seien derzeit die Knieprobleme von David Alaba.

Junuzovic mit schmerzhafter Erinnerung

Zlatko Junuzovic glaubt trotz der Ausfälle für das WM-Qualifikationsspiel am 11. Juni in Irland an die Qualität der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft. Der Spielmacher von Werder Bremen war beim bisher letzten Quali-Auftritt in Dublin im März 2013 (2:2) der überragende Mann - ehe er nach einem Foul bereits Mitte der ersten Hälfte mit einer tiefen Rissquetschwunde am Knie vom Platz musste.
Das harte Einstetigen von James McCarthy hat Spuren hinterlassen. "Die Narbe habe ich noch immer, die ist mir geblieben", sagte Junuzovic am Donnerstag im ÖFB-Teamcamp in Stegersbach. Persönliche Rechnung habe er mit den Iren deswegen aber keine offen. "Es ist eine neue Situation und eine neue Tabellen-Konstellation."

Unentschieden könnte zu wenig sein

Die Österreicher müssen in Irland unbedingt punkten, um ihre WM-Chancen am Leben zu erhalten. Selbst ein Unentschieden könnte zu wenig sein. "Es ist ein extrem wichtiges Spiel. Wir werden alles in die Waagschale werfen, um die drei Punkte zu holen", versicherte Junuzovic. "Unsere Qualität macht mich zuversichtlich." Selbst wenn Superstar David Alaba wegen seiner Knieprobleme nicht zur Verfügung stehen sollte.

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