Kollektivvertrags-Verhandlungen für den Handel abgebrochen: Kein neuer Termin

Angebot der Arbeitgeber als zu niedrig empfunden WKÖ empfiehlt Unternehmen freiwillige Erhöhung

Die Kollektivertragsverhandlungen für rund 450.000 Handelsangestellte und 100.000 Beschäftigte in verwandten Berufen wurden von Arbeitnehmerseite vorzeitig abgebrochen. Damit sind die Verhandlungen für einen neuen, mit 1. Jänner 2007 gültigen Kollektivvertrag gescheitert.

"Wir haben den Eindruck, dass die Arbeitnehmervertretung seit mehreren Verhandlungstagen nicht wirklich verhandlungsbereit war, sondern möglicherweise den Abbruch von vornherein plante", bedauerte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Alois Wichtl. Das letzte Angebot der Arbeitgeberseite lag bei 2,25 Prozent. Von der Gewerkschaft sei aber schon längere Zeit kein Gegenangebot gekommen, sagte Wichtl zur APA.

Es stehen keine weiteren Termine auf dem Programm. Grundsätzlich gilt der daher derzeit bestehende Kollektivvertrag unbefristet weiter, hieß es. "Wir empfehlen unseren Mitgliedsunternehmen daher, insgesamt eine Reallohnerhöhung per 1. Jänner 2007 auf Basis des alten Kollektivvertrages vorzunehmen." Die Details werde die Sparte Handel der WKÖ in den kommenden Tagen den Unternehmen mitteilen.

Bis zuletzt wurde das Verhandlungsklima von Arbeitgebern und Arbeitnehmern stets als gut bezeichnet. Trotzdem hat die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mit einer Flugblattaktion bei rund 400 Handelsunternehmen Druck gemacht.

200 bis 250 GPA-Delegierte, die am derzeit laufenden Bundesforum teilnehmen, haben vor allem Lebensmittelhändler und Drogerien besucht und über den Stand der aktuellen Kollektivvertragsverhandlungen und über die Rechte der Beschäftigten in der Vorweihnachtszeit informiert. Dabei wurden Flugblätter mit dem Motto "Beim Gehalt gibt es keinen Rabatt!" verteilt. "Die Menschen im Handel brauchen jeden Cent zum Leben! Wir wollen einen fairen Gehaltsabschluss!" heiß es weiter. Die Reaktionen der Handelsangestellten auf die Aktion sei sehr positiv gewesen, so ein Teilnehmer: "Super Feedback!"

GPA: Angebot war zu wenig
"Das Angebot der Arbeitgeber war einfach zu wenig", sagte der GPA-Chefverhandler Felix Hinterwirth in einer ersten Reaktion. Im Vergleich zu anderen Abschlüssen sei die Bandbreite des Arbeitgeber-Angebots, die laut Gewerkschaft zwischen 2,04 und 2,25 Prozent je nach Berufsgruppe innerhalb des KV liegt, nicht ausreichend gewesen.

Die Arbeitgeberseite habe ihr Angebot im Vergleich zur letzten Verhandlungsrunde vergangene Woche unverändert gelassen und nur "technische Veränderungen" vorgenommen. "In der Substanz hat sich nichts getan", betonte Hinterwirth zur APA. Und dies sei für die Gewerkschaft dieses Mal nicht akzeptabel gewesen. Schon im Vorjahr sei der Abschluss sehr knapp gewesen, hieß es. Und: "Jedes Jahr das Diktat der Arbeitgeber hinzunehmen, ist nicht möglich".

Dennoch sei man für weitere Gespräche bereit, wurde betont. Der erste Schritt, sprich, ein neues Angebot, müsse aber von den Arbeitgebern kommen.

Als nächste Maßnahme plane die Arbeitnehmerseite, alle Betriebsräte und Betroffenen zu informieren und darauf vorzubereiten, dass sie im Jänner damit rechnen müssten, keine Gehaltserhöhung zu bekommen. Wie man danach vorgehen werde, sei noch Gegenstand von Beratungen.

(apa/red)