Körperverletzung und Schikanen: Wieder schwere Vorwürfe gegen Heeres-Offiziere

Hörsching: Personalmangel und "falsche" Ausbildner Untersuchungen eingeleitet - Anzeigen liegen vor<br>PLUS: Bericht 2005 - So werden Rekruten tyrannisiert

Beim Bundesheer in Oberösterreich laufen Untersuchungen, nachdem schwere Vorwürfe gegen Offiziere der Kaserne Hörsching erhoben wurden. Es geht unter anderem um Körperverletzung, Schikanen und Personal-Defizite im Ausbildungs-Betrieb. Die Vorwürfe sind in einer anonymen E-Mail mit dem Absender "Rekrut Mueller" enthalten. Die Pressestelle des Verteidigungsministeriums ging auf die einzelnen Vorwürfe nicht ein und teilte offiziell lediglich mit, dass Untersuchungen eingeleitet seien.

Das Bundesheer stellte fest, nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe sei eine Untersuchungskommission des vorgesetzten Kommandos, in diesem Fall dem Kommando der Landstreitkräfte in Salzburg, eingesetzt worden. Diese führe Erhebungen und werte die Ergebnisse aus.

Offizier prügelte Freundin in Kaserne
Der Absender der E-Mail gibt an, ein betrunkener Offizier habe seine Lebensgefährtin durch die Kaserne geprügelt. Von Bundesheer-Kreisen, die nicht genannt werden wollen, war dazu lediglich zu erfahren, dass in dem Fall eine polizeiliche Anzeige gegen den Mann vorliege. Das Gericht müsse nun über das weitere Vorgehen entscheiden.

Ein weiterer Vorwurf betrifft Überprüfungen der Wache, die derart häufig erfolgten, dass das Ausmaß der Schikane erreicht sei. Dazu war zu hören, dass bei der Bewachung Mängel festgestellt worden seien, nun gebe es verstärkte Kontrollen, um zu überprüfen, dass die Sicherheitslücke nun geschlossen sei.

Personalmangel und "falsche" Ausbildner
Für die Ausbildung der Rekruten in der Kaserne Hörsching soll es laut E-Mail zu wenig Personal geben. Die Ausbildungsgruppen sollen bis zu 50 Mann stark sein. Drei der Ausbildner seien gar keine Ausbildner. Dazu gaben die Bundesheer-Kreise zu bedenken, dass der Personalmangel beim Militär zwar nicht so krass wie geschildert, aber dennoch spürbar sei. Der Mangel soll aber inzwischen abgestellt sein.

Mit Heeresfahrzeug betrunken im Ausland
Ein Offizier soll - so lautet ein weiterer Vorwurf - unerlaubt mit einem Heeresfahrzeug samt Chauffeur nach Kärnten und weiter nach Italien gefahren sein, um dort an einem Fest teilzunehmen und betrunken selbst das Auto gelenkt haben.

Dazu war zu erfahren, dass der Offizier auf dem Rückweg von einer Dienstreise nach Italien mit dem Heeresfahrzeug nicht den erlaubten Weg über den Brenner, sondern über Kärnten genommen habe. Der Militärkommandant habe deswegen ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Sexueller Missbrauch eines Soldaten
Das Militärkommando Oberösterreich äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Es gab aber eine Stellungnahme zu weiterer aufgetauchter anonymer Kritik ab. Sie betreffe Vorfälle, die zum Teil weiter zurücklägen.

Demnach soll es einen sexuellen Missbrauch eines Unteroffiziers an einem Soldaten gegeben haben. Dazu teilte das Militärkommando mit, es handle sich um ein laufendes Verfahren. Der beschuldigte Bedienstete sei vorläufig vom Dienst enthoben und der betroffene Soldat versetzt worden. Er habe inzwischen abgerüstet.

Unteroffizier bedrohte seine Mutter
Dazu, dass ein Unteroffizier seine Mutter bedroht habe und bei ihm gestohlene Waffen gefunden worden seien, stellte das Militärkommando fest, dieser Fall liege knapp ein Jahr zurück. Er sei den zuständigen Behörden übergeben und der Bedienstete vom Dienst vorläufig enthoben worden. Bei den Waffen handle es sich um privat erworbene Waffen und Munition.

(apa/red)