Königsklasse hat sich neu erfunden: KERS
& Co verpassen der Formel 1 neues Gesicht

Teams müssen Paket neuer Regeln rasch umsetzen Sparvorgabe zwingt Rennställe zu Einschränkungen

Königsklasse hat sich neu erfunden: KERS
& Co verpassen der Formel 1 neues Gesicht © Bild: APA/Hollemann

Während andere Motorsportarten in den vergangenen Monaten auf Eis gelegen sind, hat sich die Formel 1 neu erfunden. Ein umfangreiches Paket an neuen Regeln und technischen Vorschriften stellt Teams und Fahrer vor große Herausforderungen. Speziell die technischen Umwälzungen haben es in sich: Profillose Reifen, eine neue Aerodynamik und das Energiegerückgewinnungssystem KERS bedeuten den größten Entwicklungssprung, den die Königsklasse seit über 20 Jahren macht.

Ein Sprung, der für die Rennställe kein leichter ist: "Das ist ein komplett neues Auto. Wir haben mit einem weißen Blatt Papier begonnen", weiß Ferraris Technik-Direktor Aldo Costa nach der Präsentation des neuen F60 zu erzählen.

Tatsächlich müssen die Teams ihre Boliden nach zahlreichen neuen Richtlinien umbauen. Im Kern des neuen Regelwerks steht das Energierückgewinnungsmodul KERS. Das System erlaubt Fahrern künftig, per Knopfdruck für maximal 6,6 Sekunden pro Runde einen Elektromotor hinzuzuschalten. Dadurch sollen Formel-1-Boliden energieeffizienter und umweltfreundlicher werden.

Nachdem sich allerdings Pannen in der Entwicklungs- und Testphase mit dem neuen System häuften, geriet das neue System bei den Rennställen in die Kritik. "Die Batterielösung ist nicht die richtige, außerdem sprechen wir hier von einem Transport höchst gefährlichen Gutes. Im Auto müssten zwei unterschiedliche Feuerlöschsysteme zur Anwendung kommen", äußerte sich Red Bull-Motorsportbeauftragter Helmut Marko.

Optische Änderungen
Optisch fallen KERS-Autos vor allem durch die breiteren Seitenkästen auf. Der Hybridmotor samt Akkus bringt zwar zusätzliches Gewicht mit sich, dieses wird kommende Saison allerdings durch neue einheitliche aerodynamische Vorgaben ausgeglichen. Die zahlreichen kleinen Flügel gehören der Vergangenheit an, lediglich Mechanik und Chassis können die Teams noch selbst entwickeln. Die neue Aerodynamik soll durch weniger Luftverwirbelungen darüber hinaus das Überholen erleichtern und den Rennen dadurch mehr Spannung verleihen.

Den Unterhaltungswert der Formel 1 steigern soll auch die Rückkehr zu "Slicks". Die profillosen Trockenreifen, die 1998 aus Sicherheitsgründen aus der Königsklasse verbannt wurden, dürften den Boliden deutlich mehr Speed verleihen und durch höhere Kurvengeschwindigkeiten auch Überholmanöver begünstigen.

Sparen angesagt
Neben den technischen Vorgaben müssen sich die Teams in der neuen Saison auch der Senkung von Kosten widmen. Konkret bedeutet dies die Anforderung an Motoren, künftig drei - statt wie bisher zwei - Rennwochenenden zu halten. Zudem gilt während der Saison ein Verbot von Testfahrten.

In den Rennställen ist also Hochbetrieb angesagt. Denn nur wer die neuen Regeln am raschesten und effizientesten umsetzt, darf sich ernsthafte Hoffnungen auf den Titel machen.
(Stefan Meisterle)