König Fußball regiert 2008 auch die Kultur:
Zahlreiche Kulturevents begleiten die EURO

Ausstellungen, Open-Air-Konzerte und Literaten-EM Nur das Burgtheater sperrt rechtzeitig zur EM zu

König Fußball regiert 2008 auch die Kultur:
Zahlreiche Kulturevents begleiten die EURO

Dass nicht wenige Kulturschaffende Fußballfans sind, manche sogar ihren persönlichen Terminplan mit den Matches ihrer Lieblingsklubs abzustimmen pflegen, ist nicht neu. Wie sehr König Fußball im Jahr der EURO 2008 allerdings auch von der österreichischen Kulturszene hofiert wird, mag doch überraschen. Vom Neujahrskonzert bis zu den Wiener Festwochen, vom Opernball bis zu den Bregenzer Festspielen, vom Ausstellungsprogramm bis zu Großkonzerten von Klassik- und Pop-Stars - überall rollt das runde Leder. Nur das Burgtheater hat sich freiwillig ins Out gestellt und nimmt den EURO-Anpfiff als Saison-Schlusspfiff. Österreichs Literaten könnten dagegen auch am grünen Rasen erfolgreich sein.

Den Auftakt macht bereits am 1. Jänner der von Millionen Fernsehzuschauern verfolgte "Austrian Kickoff" in der Pause des Neujahrskonzerts. Der renommierte Filmemacher Georg Riha hat in seinen Pausenfilm, der in atemberaubenden Aufnahmen Landschaft, Architektur und Kultur Österreichs vorstellt, den Fußball als verbindendes Element eingebaut, das vom Großglockner bis zum Stift Melk überall präsent ist. Am 31. Jänner wird am Opernball mit einem eigenen "Fußballett" auf das kommende Großereignis hingewiesen.

Im Frühjahr eröffnen diverse Ausstellungen rund um die Faszination des runden Leders. Im ZOOM Kindermuseum dreht sich ab dem 4. März unter dem Titel "Ballgeschichten - Fallgeschichten" alles um den Ball als physikalisches und philosophisches Phänomen. Ab 4. April ist das Herzstück des Kulturprogramms von "Österreich am Ball", die große, interaktive "herz.rasen"-Schau des Technischen Museums im Wiener Künstlerhaus zu sehen, kurz darauf eröffnet im Wien Museum die Schau "Hohe Warte, Hütteldorf, Simmering - Orte des Wiener Fußballs" und im Linzer Schlossmuseum die Ausstellung "fußballKultur - Geschichte und Gegenwart eines Sports". Am EM-Schauplatz Klagenfurt will das Museum Moderner Kunst die Innenstadt als überdimensionales Fußballfeld gestalten, im Linzer Lentos macht man sich Gedanken über das "Leben im Strafraum".

Immer weider Cordoba
Am 16. Mai feiert die Kurzfilmrolle "Eleven Minutes", die aus je vier Kurzfilmen aus beiden Ländern zwei Halbzeiten zu 45 Minuten entstehen lässt, ihre Österreich-Premiere im Wiener Künstlerhauskino. Kunst- und Kulturmeilen sollen ein Gegengewicht zu den Public Viewing Zonen der Fanmeilen schaffen, und immer wieder wird der Mythos Cordoba beschworen: Im project space der Kunsthalle Wien findet ein Roboterfußballmatch unter dem hoffnungsfrohen Titel "Cordoba reloaded" statt, bei den Wiener Festwochen gibt es neben einem "Fußball-Picknick" im Augarten eine Neuinszenierung des "Wunders von Cordoba" im Gerhard-Hanappi-Stadion: Der Schweizer Künstler Massimo Furlan spielt unter dem Live-Kommentar von Edi Finger junior die komplette 90-minütige Rolle von Hans Krankl in diesem legendären Match nach.

"Playing Away"
Auf der Bregenzer Seebühne, wo die Fußball-Oper "Playing Away" bereits im vergangenen Sommer zu sehen war (am 5. und 6. Juni gastiert sie im Festspielhaus St. Pölten), richtet man ein EM-Studio ein, während auf der Hohen Warte der Verein "Ball-Künstler" Gesang-Stars wie Elina Garanca, Edita Gruberova, Carlos Alvarez, Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros und Willi Resetarits aufbietet. Kurz vor dem Europameisterschafts-Finale am 29. Juni wird es dann eng: Vor dem Schloss Schönbrunn treten am 27. Juni Placido Domingo, Anna Netrebko und Rolando Villazon auf, am Tag darauf wird dort der Chinese Lang Lang gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern aufspielen, während Elton John gleichzeitig auf der Hohen Warte auftritt.

Literaten-EM
Und sollte Österreich bereits vor dem Anpfiff des EURO-Finales Europameister sein, waren die heimischen Autoren dafür verantwortlich: Von 6. bis 21. Mai wird die Literaten-EM "Doppelpass" durchgeführt, bei der vier Schriftsteller-Nationalteams (Schweiz, Ungarn, Slowenien und Österreich) auf dem Wiener Sportklub Platz gegeneinander antreten und bei der Matches mit Lesungen verknüpft werden. Die Ergebnisse der Testspiele waren jedenfalls ausgesprochen vielversprechend. Sorgen bereiten lediglich die Magyaren: Beim Erstauftritt der österreichischen Autoren, die zuletzt die Slowakei 18:0 besiegt hatten, hatte man im Mai 2006 gegen Ungarn eine 2:8-Niederlage kassiert.
(apa/red)

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