Fakten von

Messerattacke auf
Kölner Bürgermeisterkandidatin

Parteilose Kandidatin Henriette Reker wurde bei Angriff schwer verletzt

Henriette Reker © Bild: imago/Future Image

Köln im Schockzustand: Einen Tag vor der Oberbürgermeister-Wahl ist die parteilose Kandidatin Henriette Reker am Samstag bei einem Messerangriff an einem CDU-Wahlkampfstand schwer verletzt worden. Der noch am Tatort in Köln-Braunsfeld festgenommene Attentäter nannte nach Polizeiangaben Fremdenfeindlichkeit als Motiv.

Allerdings schlossen die Ermittler eine psychische Störung bei dem Mann nicht aus. Trotz des Attentats findet die OB-Wahl am Sonntag statt.

Reker in Krankenhaus notoperiert

Der 44-jährige Kölner, der laut Polizei seit Jahren arbeitslos ist und Hartz-IV-Gelder bezieht, war am Samstagmorgen kurz nach 9.00 Uhr an dem CDU-Infostand auf Reker und vier weitere Menschen losgegangen. Er fügte der 58-jährigen OB-Kanidatin mit einem sogenannten Bowiemesser einen "Messerstich im Halsbereich" zu, wie der Ermittlungsleiter Norbert Wagner am Nachmittag in Köln sagte. Reker wurde in ein Kölner Krankenhaus gebracht und dort notoperiert.

"Nach ersten Erkenntnissen besteht keine Lebensgefahr", hieß es in einer Mitteilung der Stadt. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers beschrieb Rekers Zustand sechs Stunden nach der Tat vor Journalisten als "stabil". Die Kölner Sozialdezernentin sei aber noch "nicht über den Berg". Bei dem Angriff wurden eine weitere Frau schwer und die übrigen drei Angegriffenen leichter verletzt.

Fremdenfeindliche Motive

Wegen des vermuteten fremdenfeindlichen Hintergrunds übernahm bei der Staatsanwaltschaft Köln die Abteilung für politisch motivierte Straftaten die Ermittlungen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Jakob Klaas sagte. Der tatverdächtige frühere Maler und Lackierer sollte noch am Samstag psychiatrisch untersucht werden.

Nach Angaben der Polizei handelte der Angreifer offenbar allein. Er sei zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Kriminaldirektor Wagner. Dem Ermittlungsleiter zufolge bezog sich der seit Jahren in Köln lebende Mann bei seiner Aussage zum Motiv zwar nicht ausdrücklich auf die Flüchtlingspolitik. Er habe aber seine ausländerfeindliche Haltung deutlich gemacht. Medienberichten zufolge soll der Mann auf Augenzeugen einen verwirrten Eindruck gemacht haben.

Politiker-Kollegen reagieren bestürzt

Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker reagierten bestürzt auf den Vorfall in Köln. Laut einer Regierungssprecherin telefonierte die deutsche Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) nach dem Angriff mit dem nordrhein-westfälischen CDU-Chef und Bundesvize Armin Laschet. Dabei habe sich Merkel nach Rekers Zustand erkundigt und Genesungswünsche übermittelt. "Die Kanzlerin hat ihre Bestürzung geäußert und die Tat verurteilt", sagte die Regierungssprecherin.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) zeigte sich "zutiefst schockiert über diese abscheuliche und feige Tat". Justizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem "Angriff auf alle Demokraten". SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte der Onlineausgabe des "Kölner Stadt-Anzeigers", der Angriff "war ein Angriff auf uns alle, unsere demokratische Kultur und unser friedliches Miteinander". Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) äußerte sich auf Twitter "schockiert über die Attacke" auf Reker. "Das ist ein Angriff auf uns alle."

Bürgermeisterwahl findet wie geplant statt

Nach Angaben von Kölns Wahlleiterin Gabriele wird die Oberbürgermeisterwahl am Sonntag wie geplant stattfinden. Reker und der SPD-Politiker Jochen Ott sind die aussichtsreichsten Kandidaten bei dem Urnengang. Die parteilose Reker wird von Grünen, CDU und FDP unterstützt.

Kommentare

Tavington melden

das ist erst erst der anfang. das volk ist wütend.

Nudlsupp melden

Wow. Wenn es einer von den eigenen Leuten macht, war er halt wütend. Wenn es einer von den Anderen macht, kriminalisiert man ganze Menschengruppen.

strizzi1949

Hallo? Wo waren die Bodyguards, die doch normalerweise Schützen sollten? Was für Anfänger hat man denn da beschäftigt?

1990 wurde auf W. Schäuble geschossen und O. Lafontaine wurde im gleichen Jahr ebenfalls mit einem Messer verletzt. D. Rohwedder wurde 1991 von der RAF erschossen. Es hat sich vieles geändert, nicht nur in Deutschland. Die Messer werden schneller gezückt, Moral und Anstand zerfliesst weiter. Das Bild des Menschen wird nur noch in Sonntagsreden positiv dargestellt. Die Realität ist völlig anders.

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