Koch äußert sich erstmals zum Böllerwurf:
"Ich dachte, es wäre bengalisches Feuer"

Rapid-Goalie fordert hartes Vorgehen gegen Täter Tinnitus und Schwindelgefühle machen zu schaffen

Koch äußert sich erstmals zum Böllerwurf:
"Ich dachte, es wäre bengalisches Feuer" © Bild: APA/Diener/Manhart

Georg Koch, Tormann von Österreichs Fußball-Meister Rapid, hat in der deutschen Fernsehsendung "Bundesliga Aktuell" erstmals ausführlich die "Böller-Attacke" eines Austria-Fans, durch die er eine Ohren-Verletzung erlitten hatte, geschildert. Der deutsche Schlussmann hatte zunächst gedacht, dass der Knallkörper ein bengalisches Feuer wäre.

"Wir sind in der fünften Minute in Führung gegangen und ich bin zurück zu meinem Tor auf die Grundlinie gegangen. Als ich mich wieder Richtung Fünf-Meter-Raum umdrehte, flogen einzelne Teile in meinen Rücken und eben auch dieser Knallkörper, der über mich hinweg flog und ungefähr einen Meter vor meinen Füßen landete. Im ersten Moment dachte ich, das wäre ein bengalisches Feuer. Ich hab mich dann etwas nach unten gebückt, und dann kam der Knall", sagte Koch im Interview.

"War in einer anderen Welt"
"Ab da kann ich eigentlich wenig sagen. Ich habe den Schmerz ein bisschen gespürt und bin dann irgendwann auf die Trage, das weiß ich noch", erinnerte sich Koch. Bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit wäre er aber "in einer anderen Welt" gewesen. "Mir wurden Infusionen gegeben, ich bin zusammengebrochen und erst nach 45 Minuten wusste ich langsam wieder, wo ich eigentlich war."

Die schnelle Erstversorgung war extrem wichtig, wie Koch betonte, der seinen Alltag derzeit folgendermaßen beschrieb: "Infusionen, Medikamente, Sehtest, Hörtest, Gleichgewichtstest. Das geht jetzt erst 'mal noch die ganze Woche durch." Man könne im Endeffekt nur auf den Faktor Zeit hoffen und darauf, "dass mein Gleichgewicht irgendwann wieder in Ordnung kommt und das Summen, Piepsen und der Druck in den Ohren wieder verschwindet".

"Wenn ich aufstehe, wird mir schwindelig"
Koch macht ein Tinnitus zu schaffen, das ist "ein laufendes Summen und Druckgefühl im Ohr. Darüber hinaus ist das Gleichgewicht betroffen. Das heißt, wenn ich aufstehe, wird mir schwindelig, und ich kann mich nicht mehr richtig auf den Beinen halten. Das beeinträchtigt mich natürlich im Moment sehr stark und an Sport lässt sich da nicht denken."

Der 36-Jährige ist vorerst einmal für 14 Tage krank geschrieben. "Ich hoffe, dass sich das in dieser Zeit wieder einpendelt, aber man kann da keine genaue Prognose abgeben. Es kann zwei Wochen oder 18 Monate dauern, oder aber gar nicht mehr heilen. Ich muss da jetzt auf den Faktor Zeit setzen", erklärte Koch.

Bezüglich eines möglichen Karriereendes meinte der Rapid-Tormann: "In meinem Alter bekommt man da schon ein bisschen Angst. Mein Vertrag läuft hier bis Ende des Jahres. Ich hoffe schon, dass ich jetzt schnellstmöglich wieder zurückkomme, aber man denkt auch darüber nach, was ist, wenn nicht. Durch solch einen Vorfall, durch solche Krawallmacher bist du auf einmal raus aus dem Geschäft, ohne eigenes Verschulden."

Goalie fordert hartes Vorgehen
Koch glaubt aber, dass es sich bei diesen "Krawallmachern" um eine Minderheit handle. "Das sind meiner Meinung nach nur eine Handvoll Leute. Da waren 2.000 Fans von Austria Wien und es haben vielleicht sechs oder sieben diese Sachen geworfen. Man sollte jetzt nicht alle Fans in einen Korb schmeißen. Aber gegen diese Handvoll muss man schon hart vorgehen, weil es so im Fußball nicht weitergehen kann. Das ist nicht gut für die Fankultur insgesamt und für die Fans, die sich im Stadion vorbildlich verhalten."

Zu den Ermittlungen der Exekutive sagte Rapids Schlussmann: "Ich weiß nur, dass wohl drei Leute bisher näher in Betracht gezogen und verhört wurden. Ich hoffe, dass mit der Strafe ein Zeichen gesetzt wird, denn das hat mit Fußball nichts zu tun."

(apa/red)