Koalitions-Streit in Pakistan spitzt sich zu:
Ex-Premier Sharif hat mit Rückzug gedroht

Ministerrat soll entlassene Richter wieder einsetzen PML-N-Chef: "Wir wollen die Regierung nicht stürzen"

Koalitions-Streit in Pakistan spitzt sich zu:
Ex-Premier Sharif hat mit Rückzug gedroht © Bild: APA/EPA

Nach dem erzwungenen Rücktritt des pakistanischen Staatschefs Musharraf ist es zum Machtkampf innerhalb der Regierung gekommen. Ex-Premier Sharif hat mit dem Rückzug seiner Muslim-Liga PML-N aus der von der Pakistanischen Volkspartei geführten Regierung gedroht, sollte der Ministerrat unter Premier Gilani nicht die Wiedereinsetzung der entlassenen 60 Richter des Obersten Gerichtshofes beschließen.

"Wir wollen die Regierung nicht stürzen", sagte Sharif dem "Wall Street Journal". "Aber wir haben dann keine andere Wahl, als in die Opposition zu gehen." Der geschäftsführende PPP-Chef Zardari, Witwer der ermordeten Ex-Regierungschefin Bhutto, habe ihm zugesagt, dass die Richter binnen 24 Stunden nach einer Amtsenthebung Musharrafs, der dieser mit seiner Demission zuvorkam, wieder eingesetzt würden, sagte Sharif. "Wir haben ihn bei der Amtsenthebung unterstützt. Nun ist er an der Reihe, uns bei der Wiedereinsetzung der Richter zu unterstützen."

Nach Ansicht politischer Beobachter in Islamabad zögert die PPP jedoch mit der Entscheidung, weil sie befürchtet, dass der ebenfalls entlassene oberste Richter Iftikhar Chaudhry eine im vergangenen Jahr ausgehandelte Amnestie für die Parteispitze infrage stellen könnte. Benazir Bhuttos Heimkehr nach achtjährigem Exil war erst möglich geworden, nachdem Musharraf auf Druck der USA Korruptionsanklagen gegen die PPP-Chefin per Dekret für nichtig erklärt hatte.

(apa/red)