Knalleffekt bei EZB-Sitzung in Frankfurt: Rezession erzwingt Rekord-Zinssenkung

Historischer Schritt: Leitzins minus 0,75 Prozent Folge: Österreichs Banken verringern ihre Zinsen<br>Auch Großbritannien und Schweden ziehen mit

Knalleffekt bei EZB-Sitzung in Frankfurt: Rezession erzwingt Rekord-Zinssenkung © Bild: APA/EPA/Arne Dedert

Wegen der Rezession in vielen europäischen Ländern hat die Europäische Zentralbank den Leitzins für den Euro-Raum überraschend so stark gesenkt wie noch nie zuvor. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld verringert sich um 0,75 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent.

Dieser enorme Zinsschritt ist historisch, denn er stellt ein absolutes Novum in der knapp zehnjährigen Geschichte der Währungsunion dar. Die EZB nimmt mit dem Leitzins, zu dem sie den Banken frisches Zentralbankgeld zur Verfügung stellt, indirekt Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Inflationsentwicklung.

Austro-Banken verringern Zinsen
Im Gefolge der Senkung der Leitzinsen durch die EZB verringern auch die heimischen Banken die Spar- und Kreditzinsen. Die Bank Austria wird die Verzinsung des Kapitalsparbuches mit 13-monatiger Laufzeit um 0,6 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent zurücknehmen. Beim Erfolgskapital fix mit neunmonatiger Laufzeit wird die Verzinsung von vier auf 3,6 Prozent reduziert, bei der E-Shop-Version von 4,1 auf 3,7 Prozent, so ein Sprecher. Die Anpassungen bei den bereits laufenden Krediten wird per 1. Jänner 2009 laut Zinsgleitklauseln erfolgen. Die Kreditzinsen beim Neugeschäft werden sich nach den Kosten für das Refinanzierungsgeschäft richten. Hier wartet die Bank Austria noch ab.

Die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) wird die Zinsen für zwei Sparprodukte sowie für Kredite mit Zinsgleitklauseln um 0,625 Prozentpunkte senken. Aus der Erste Bank hieß es, man werde die Zinssenkung auf jeden Fall weitergeben. Wann, in welchem Ausmaß und bei welchen Produkten sei aber noch offen.

Kampf gegen die Rezession
Ihre Leitzinsen ebenfalls massiv gesenkt haben die Bank von England und die schwedische Notenbank. Die Bank von England setzte ihre Serie aggressiver Zinssenkungen im Kampf gegen die Rezession fort und senkte den Leitzins überraschend stark um 100 Basispunkte auf 2,0 Prozent. Im November hatten die Währungshüter in London bereits mit einer Zinssenkung um eineinhalb Prozentpunkte auf den Absturz der britischen Konjunktur reagiert.

Die schwedische Notenbank schraubte ihren Leitzins überraschend um 175 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent runter. Wie die Riksbank mitteilte, werde der Zinssatz im kommenden Jahr auf diesem Niveau bleiben. Dieser große Schritt nach unten sei nötig, um den Einbruch bei Produktion und Beschäftigung abzumildern und das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen.

(apa/red)