Klitschko Brüder von

Die unschlagbare Familie

Die ukrainischen Geschwister halten alle wichtigen Weltmeistertitel in ihren Fäusten

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    Wladimir Klitschko gewinnt den WM-Mega-Fight im Schwergewicht gegen David Haye.

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    Die Freude nach dem Kampf ist groß: Damit halten die Klitschko-Brüder alle wichtigen WM-Titel im Besitz.

Zwei Brüder, fünf Box-Weltmeistertitel, keine ernstzunehmenden Gegner mehr - die Klitschko-Familie ist am Ziel ihrer Träume angekommen. Der Punktesieg im Stadion des Hamburger SV über den gar nicht mehr vorlauten Briten David Haye, holte nun auch den WBA-Gürtel in den Familienbesitz.

Nach dem IBF- und WBO- sowie dem weniger bedeutsamen IBO-Titel ist der 35-jährige Wladimir seit Sonntag 0.20 Uhr auch im Besitz des WBA-Gürtels von Haye. Sein bald 40-jähriger Bruder Witali bescheidet sich mit dem "Bauchschmuck" des WBC. Die ungleiche Verteilung ist aber keineswegs Ausdruck des innerfamiliären Kräfteverhältnisses, sondern könnte auch ebenso gut andersherum sein.

"Schon immer waren alle Titel unser Ziel", versicherte Wladimir Klitschko. "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", betonte Manager Bernd Bönte. Noch nie waren die Schwergewichtstitel der vier wichtigsten Weltverbände im Besitz eines Brüderpaares.

Klitschko-Coach hat mehr erwartet
Vorab war das Hamburger Duell als Kampf der Kämpfe gepriesen worden. Spannend war es allemal, hochklassig jedoch nicht. Haye, der mit furchtbarem Getöse "eine brutale Hinrichtung" Klitschkos prophezeit hatte, ist lediglich als größter Schreihals in die lange Verliererliste des Ukrainers eingegangen. "Wir hatten Haye aggressiver erwartet. Wir dachten, dass er eine Bombe nach der anderen wirft", gestand Klitschko-Trainer Emanuel Steward. Der legendäre US-Coach, der am Donnerstag 67 Jahre alt wird, kritisierte aber auch seinen eigenen Schützling: "Wladimir hätte häufiger schlagen müssen."

Im Schnitt 15,5 Millionen Zuschauer sorgten bei RTL für einen Zuschauerrekord. Dass diesmal zwei Millionen Zuschauer mehr als beim bisherigen Klitschko-Bestwert vor die Bildschirme drängten, hatte der Kölner Privatsender vor allem dem blutrünstigen Säbelrasseln von Haye zu verdanken.

Haye sucht Ausreden
Als der Brite nach Gründen für die Niederlage suchte, fiel dem Großmaul nur die Mär vom kleinen Zeh ein. Jener an Hayes rechtem Fuß soll nämlich gebrochen und damit schuld an seiner Niederlage gewesen sein. "Ich konnte mich mit dem rechten Bein nicht abstoßen. Ich hatte einfach nicht die Explosivkraft in den Schlägen", jammerte der Engländer. Die Fußverletzung sei drei Wochen zuvor im Training passiert.

So schrill er an den Tagen zuvor noch das Ende des "ukrainischen Roboters" verkündet hatte, der wahlweise mal "beschissener Esel", mal "Hyäne" und mal "Totengräber des Boxens" war, so kleinlaut fiel Hayes' Abgang aus. "Er ist unheimlich konstant. Er hat einen perfekten Kampf gezeigt", gab der Londoner über den sieben Zentimeter größeren und 13,5 Kilogramm schwereren Rivalen zu Protokoll.

Psychospielchen gehen vor dem Fight weiter
Noch vor dem ersten Gong hatte er seinem von Klitschko verpassten Zweitnamen "Prinzessin" alle Ehre bereitet, war er doch rund zehn Minuten zu spät aus der Kabine gekommen und hatte sich damit den Unmut vieler der 45.000 Zuschauer in der Hamburger Fußball-Arena zugezogen. Wenigstens gab Haye dem Sieger nach dem Kampf erstmals die Hand.

Klitschko boxte diszipliniert und vorsichtig, verließ sich auf seine linke Führhand, hatte dabei aber Mühe, den schnellen und geschmeidigen Londoner zu stellen. Dennoch verzeichnete er deutlich mehr Treffer und ließ dabei einige Male seine Rechte sprechen. Der versprochene K.o. blieb jedoch aus. "Der 50. Knockout muss eben noch warten. Beim nächsten Mal ist es soweit", sagte der 35-Jährige, der im Gegensatz zu den Zuschauern auf den teuren Plätzen dank einer Plane über dem Ring vom Dauerregen verschont geblieben war.