Klimawandel von

9 Fakten, die Sie
noch nicht kannten

Was uns in Zukunft abseits von schmelzenden Gletschern erwarten wird

Klimawandel - 9 Fakten, die Sie
noch nicht kannten © Bild: shutterstock

Egal ob in der Stadt oder am Land, zu Wasser oder in der Luft, in Österreich oder auf dem Rest der Welt – der Klimawandel kennt keine Grenzen. Und macht weder vor Pflanzen, Tieren noch Menschen Halt. Diese 9 Fakten zeigen vor allem eins: Dass sich unser Leben massiv verändern wird.

Hitzeanstieg in Großstädten um bis zu acht Grad

„Im Jahr 2050 werden 80 Prozent der Österreicher in Städten leben“, meint der Klimaforscher Herbert Formayer. Eine neue Studie der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ prognostiziert, wie dieses Leben im „worst case“ aussehen könnte: In manchen Großstädten könnten die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu acht Grad Celsius steigen.

Erklärung: Aufgrund der wenigen Grünflächen sowie dem vielen Asphalt und Beton verändern sich die Temperaturen in großen urbanen Zentren stärker als auf dem Land. Durch diesen „Hitze-Insel-Effekt“ wird es auch zu einem drastischen Rückgang der Produktivität der Arbeitskräfte kommen.

© shutterstock

Österreich vom Klimawandel überdurchschnittlich betroffen

Bereits der Klimasachstandsbericht von 2014 zeigt, dass hierzulande der Klimawandel beträchtliche Auswirkungen hat. Seit 1880, also nach der industriellen Revolution, ist die Durchschnittstemperatur um zwei Grad gestiegen. Alleine seit 1980 konnte eine Temperaturzunahme um ein Grad Celsius festgestellt werden. Im Vergleich: Weltweit gesehen wurde es seit 1880 „nur“ 0,85 Grad wärmer. Wissenschaftler gehen auch von einem weiteren Temperaturanstieg in Österreich aus: Ohne Gegenmaßnahmen rechnen sie mit einem Plus von 3,5 Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Erklärung: Im Binnenland Österreich beschleunigen die Landmassen die Temperaturzunahme. Vor allem der Rückgang der Schneedecke in den Gebirgsregionen wirkt sich negativ auf die Erwärmung aus während die Weltmeere globale Temperaturzunahmen dämpfen.

© shutterstock

Turbulente Zeiten, auch über den Wolken

Der Klimawandel ist nicht nur zu Wasser und zu Lande spürbar, sondern auch in der Luft. So könnten durch die Erwärmung bis Mitte des Jahrhunderts schwere Turbulenzen beim Fliegen etwa doppelt so häufig wie derzeit auftreten.

Erklärung: Viele Klimamodelle prognostizieren einen doppelt so hohen CO2-Gehalt in der Luft wie noch im vorindustriellen Zeitalter. Das Treibhausgas verändert die Verhältnisse der Stratosphäre. Die Temperaturveränderungen beschleunigen wiederum die Luftströme zwischen den verschiedenen Schichten. Unregelmäßige Strömungen führen zu Turbulenzen, wodurch Kräfte entstehen können, die auch eine größere Flugmaschine wie ein Spielzeug durch die Luft wirbeln lassen können.

Weniger Bier, mehr Wein und Hanfpalmen im Wienerwald

Auch die Land- und Forstwirtschaft muss sich auf Veränderungen einstellen. Während Baum-Arten wie Buche, Eiche und Tanne von der zunehmenden Erwärmung profitieren, wird es zukünftig weniger Fichten geben. Der Botaniker und Ökologe Georg Gabherr geht sogar von der Möglichkeit aus, dass mediterrane Hanfpflanzen auch im Wienerwald heimisch werden könnten.

In der Landwirtschaft gibt es gute und schlechte Nachrichten. Die gute: In Österreich wird es künftig mehr Regionen geben, die sich für Weinbau eignen. Die schlechte: Die Hopfenernte wird weniger reichhaltig ausfallen. Bier wird also weniger und ändert sich auch im Geschmack.

Weltweit leiden auch Anbauflächen für Kaffee- und Kakaobohnen unter den extremen Temperaturen. Bis zur Jahrhundertmitte sollen 50 Prozent der Flächen verschwunden sein.

Erklärung: Hitze und Trockenheit wirken sich unterschiedlich auf verschiedene Pflanzenarten aus.

Klimawandel beschleunigt Bienensterben

Auch heuer haben viele Bienen wieder einmal den Winter nicht überlebt. 2015 ist etwa die Hälfte aller Bienenvölker in Österreich gestorben. Nicht aber wegen der Kälte, sondern wegen der Wärme. Schuld daran ist der Klimawandel. Genauer gesagt die Varroamilbe.

Erklärung: Die Milbe kann sich im milden Klima besser ausbreiten. Doch auch der warme Herbst und der milde Winter setzt den Bienen zu. Denn dadurch verzögert sich ihre Ruhephase, in der sie eigentlich Winterruhe pflegen und ihren Stoffwechsel reduzieren sollten.

© shutterstock

Längere, intensivere Allergiezeit und mehr Betroffene

Die Bedingungen für das Pflanzenwachstum haben sich verbessert. Vor allem für jene Pflanzen, unter denen Allergiker leiden. Zu spüren sind die Folgen schon heute. Die Pollensaison ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur länger, sondern auch intensiver geworden. Experten erwarten sogar ganzjährige Beschwerden bei Betroffenen und eine weitere Zunahme der Pollenallergien.

Erklärung: Gerade Pflanzen wie Gräser und Kräuter, die an Hauptverkehrsstraßen wachsen und somit viel CO2 ausgesetzt sind, stoßen verstärkt Pollen aus. Sie werden mit dem Treibhausgas regelrecht gedüngt.

Schlaflose Nächte

Die Klimaerwärmung sorgt schon jetzt bei vielen für schlaflose Nächte. Und das nicht nur im übertragenen Sinn. Forscher der Harvard Universität haben Daten einer Gesundheitsstudie von 765.000 US-Bürgern analysiert und die Angaben mit den Temperaturdaten der jeweiligen Wohnorte der Studienteilnehmer verglichen. Das Ergebnis: Es gibt einen Zusammenhang zwischen warmen Nächten und Schlafstörungen. Des Weiteren verknüpften die Wissenschaftler ihre Zahlen mit einem Klima-Modell der USA. Demnach könnte der Klimawandel bis 2050 Menschen pro Monat und 100 Personen sechs schlaflose Nächte bescheren. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts sogar 14. Die Folge: Menschen werden anfälliger für Krankheiten und leider häufiger unter Leistungsbeeinträchtigungen. Klimabedingter Schlafmangel betrifft vor allem ältere und ärmere Menschen.

Erklärung: Gerade der Körper von älteren Menschen kann die Temperatur nicht mehr so gut regulieren. Menschen mit geringerem Einkommen leiden dreimal häufiger unter Schlaflosigkeit. Einfach, weil sie sich keine Klimaanlage leisten können.

Klimawandel bringt mehr Flüchtlinge als alle Kriege zusammen

Dass Menschen aufgrund von Umweltveränderungen ihre Heimat verlassen ist nichts Neues und hat es immer schon gegeben. Im Zuge des Klimawandels wird die Anzahl der Flüchtenden allerdings eine völlig neue Dimension erreichen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt die Zahl der Klimaflüchtlinge für das Jahr 2050 auf ca. 200 Millionen Menschen. Einzige Forscher beziffern diese sogar mit 400 Millionen. Da besonders Entwicklungsländer von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, birgt der Klimawandel ein hohes Potential an künftigen Armutsmigranten. Offiziell gelten Umweltflüchtlinge als Wirtschaftsflüchtlinge.

© shutterstock

Erklärung: Da der Klimawandel trotz allem langsam vor sich geht, werden Menschen nicht erst dann fliehen, wenn ihre Heimat bereits versunken ist. Jemand, der ein besseres Leben sucht, indem er den empfundenen Folgen des Klimawandels entflieht, ist offiziell keiner Verfolgung ausgesetzt und hat somit kein Recht auf Asyl.

Schutzschirm gegen den Klimawandel?

Wenn die Erderwärmung wirklich auf zwei Grad begrenzt werden soll, müssten bis 2050 alle Treibhausgasemissionen auf null sinken. Zurzeit steuern wir eher auf 2,5 bis 3,5 Grad Erwärmung zu. Für einige heißt die letzte Hoffnung im Kampf gegen den menschgemachten Klimawandel deshalb „Geoengineering“. Damit soll der Thermostat der Erde künstlich reguliert werden. Andere sehen in der gezielten Manipulation des Klimas ein unkalkulierbares Risiko.

Erklärung: Es gibt zwei Arten, das Klima mittels Geoengineering zu regulieren: Einerseits durch die Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Das funktioniert beispielsweise mittels Anbau von sogenannten Energiepflanzen, die beim Wachstum CO2 aufnehmen. Der Haken: Diese müssten auf einer ein- bis zweimal so großen Landfläche wie Indien angebaut werden und hätten einen enormen Wasserbedarf. Weitaus riskanter ist die zweite Möglichkeit: Das Solar Radiation Management. Hier wird eine Art Sonnenschirm über der Erde aufgespannt, indem beispielsweise reflektierende Partikel in die Stratosphäre gebracht werden. Das bekämpft zwar das Symptom, nämlich die Erwärmung, nicht aber die Ursache, die ja im hohen CO2-Ausstoß liegt. Auch lassen sich die Folgen den „Super-Sonnenschirms“ noch nicht ganz abschätzen. Eines ist jedoch klar: Abgespannt darf er nicht werden. Denn dann würde sich die Erde innerhalb kürzester Zeit wieder erhitzen.

Im Video:
4 Dinge, die Trump am Klimawandel nicht versteht, aber trotzdem als Ausrede für den Austritt aus dem Klimaschutz-Abkommen nutzt...