Klimagipfel geht in entschiedende Phase: Umweltminister beraten über neuen Entwurf

De Boer: "Die ernsthafte Diskussion hat begonnen" Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen nach Demos

Klimagipfel geht in entschiedende Phase: Umweltminister beraten über neuen Entwurf © Bild: APA/DPA/Pleul

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen tritt nach Abschluss der ersten Woche in ihre entscheidende Phase. "Es ist an der Zeit, dass wir anfangen, das Gesamtbild in den Blick zu nehmen", sagte der Leiter des UNO-Klimasekretariats, Yvo de Boer, nachdem den Delegationen von 192 Staaten der Entwurf für ein globales Abkommen zugeleitet worden war. "Die ernsthafte Diskussion hat begonnen."

Die Umweltminister der Teilnehmerstaaten wollen die 46 Punkte des Entwurfs einen nach dem anderen durchgehen. Die Punkte, in denen sie kein Einvernehmen herstellen können, werden dann den Staats- und Regierungschefs übergeben, die ab Donnerstag in Kopenhagen erwartet werden.

"Konstruktive Grundlage"
Der Klimabeauftragte der USA, Todd Stern, sagte, der Entwurf sei eine konstruktive Grundlage. In einigen Punkten wie bei der Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen in armen Ländern sei der Text aber "unausgewogen". Dieser Abschnitt sei keine Basis für Verhandlungen, weil er von den Industriestaaten mehr verlange als von den Entwicklungsländern.

Der Entwurf sieht vor, dass alle Länder ihre Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2050 um 50 bis 95 Prozent verringern, gemessen an den 1990 erreichten Werten. Die Industriestaaten sollen ihre Emissionen bereits bis 2020 um 25 bis 40 Prozent reduzieren.

Demonstrationen
Zur Halbzeit des Weltklimagipfels in Kopenhagen haben weltweit Zehntausende Menschen für einen besseren Umweltschutz demonstriert. Mit himmelblauen Schuhbändern, Atemschutzmasken oder verkleidet als Tiere forderten die Demonstranten Erfolge bei den Verhandlungen um ein neues Klima-Abkommen. Während in Australien 50.000 Menschen auf die Straße gingen, demonstrierten in Kopenhagen laut Polizei 30.000 Menschen.

Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot versammelten sich schon Stunden vor Beginn des Demonstrationszugs zum Tagungszentrum des Weltklimagipfels Tausende in der dänischen Hauptstadt. Ein Teilnehmer warnte als Weihnachtsmann verkleidet vor den Folgen des Klimawandels: "Mein Rentier Rudolph kann das nicht länger ertragen", hieß es auf seinem Plakat. Der Klimawandel sei "keine Frage der Anpassung, sondern des Überlebens", sagte der Chef von Greenpeace International, Kumi Naidoo, in einer Ansprache.

(apa/red)