Kleinkind von Eltern zu Tode misshandelt?
Fremdverschulden laut Obduktion eindeutig

Verdacht richtet sich gegen den Freund der Mutter Mittäterschaft der Mutter ist noch "nicht vom Tisch"

In dem Misshandlungs-Fall um einen 17 Monate alten Buben ist bei der Obduktion Fremdverschulden als Todesursache "eindeutig" festgestellt worden. Der Bub erlag im Wiener SMZ-Ost Spital den Folgen eines Gehirnödems, berichtete Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ). Die Jugendwohlfahrten in Niederösterreich und Tirol wiesen die Anschuldigungen indes zurück, die der leibliche Vater des Kindes erhoben hatte.

Der Bub "kann sich diese Verletzungen nicht selbst zugezogen haben", so Polzer nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung. Unklar sei lediglich, durch welche Handlung das Gehirnödem bei dem Buben hervorgerufen worden sei. Polzer zog in Erwägung, dass dem Kind womöglich der Mund bzw. der Hals zugehalten und so die Luftzufuhr unterbrochen worden sei. Bei dem Opfer wurden auch länger zurück liegende Blessuren am Körper festgestellt. Der 17 Monate alte Bub sei vor den tödlichen Verletzungen schon misshandelt worden.

Hauptverdächtig in dem Fall gilt ein 23-Jähriger aus dem Bezirk Wien-Umgebung, der Freund der Kindesmutter. Der Mann bleibt in Untersuchungshaft. Ermittelt werde aber auch weiter gegen die 22-Jährige aus dem Bezirk Schwaz. Eine mögliche Mittäterschaft ihrerseits "ist nicht vom Tisch", so Polzer.

Jugendwohlfahrt weist Vorwürfe zurück
"Wir haben uns nichts vorzuwerfen", meinte Reinfried Gänger, Leiter der Abteilung Jugendwohlfahrt im Land NÖ zu den Vorwürfen des Kindesvaters. Dieser hatte am Dienstag Kritik an den Behörden geübt. Es seien "gravierende Dinge vorgefallen", wäre ein "Mensch mit Hausverstand" zuständig gewesen, wäre das alles nicht passiert, meinte der Mann.

Gänger erläuterte im Gespräch mit der APA, dass der verdächtige Freund der Mutter Anfang Oktober von einem Sozialarbeiter überprüft worden sei. Dabei seien keine Anzeichen für aggressives Verhalten oder für psychische Probleme festgestellt worden. Auch die 22-jährige Mutter aus Tirol hätte entsprechende Auflagen gehabt. So hätte sie den 23-Jährigen im Bezirk Wien-Umgebung nicht besuchen dürfen und überdies regelmäßig Arztkontrollen vornehmen lassen. Eine permanente Kontrolle der Frau sei aber nicht möglich oder vorgesehen gewesen.

Ins selbe Horn stießen auch Vertreter der Jugendwohlfahrt des Landes Tirol. Das zuständige Referat habe "sehr sorgfältig und fachlich einwandfrei gearbeitet". Es habe zu keiner Zeit das Gefühl gegeben, "dass man das Kind aus der Situation herausnehmen muss", meinte Rosalinde Kunwald, Leiterin des Referates Jugendwohlfahrt bei der Bezirkshauptmannschaft Schwaz. (apa/red)