Klare Mehrheit im Bundesvorstand: Erich Foglar löst Hundstorfer als ÖGB-Chef ab

Nur eine Stimmenthaltung: Mehrheit für Metaller-Chef Haberzettel steht für FSG nicht mehr zur Verfügung

Klare Mehrheit im Bundesvorstand: Erich Foglar löst Hundstorfer als ÖGB-Chef ab © Bild: APA/Herbert Pfarrhofer

Der ÖGB ist wieder in metallener Hand. Nach kurzer Unterbrechung mit dem Gemeindebediensteten Rudolf Hundstorfer ist nun wieder die größte Arbeitergewerkschaft am Zug. Metaller-Vorsitzender Erich Foglar wurde mit nur einer Enthaltung zum geschäftsführenden Präsidenten des Gewerkschatsbundes gekürt. Seine offizielle Wahl erfolgt in der ersten Jahreshälfte 2009 bei einem vorgezogenen Bundeskongress. Hundstorfer, der am Dienstag als Sozialminister angelobt wird, übergab Foglar bereits symbolisch den Generalschlüssel des ÖGB.

Die Kür des 53-jährigen Wieners war keine Überraschung. Schon als Hundstorfer noch nicht einmal offiziell zum Sozialminister ernannt worden war, hatte man sich gewerkschaftsintern auf Foglar festgelegt. Der Metaller-Chef gilt als vif und korrekt sowie als erfolgreicher Verhandler. Als Manko wird ihm oft angekreidet, für eine absolute Spitzenposition ein wenig zu spröde zu sein.

Die Delegierten in den Gremien störte dies sichtlich nicht. Im Vorstand erfolgte seine Wahl überhaupt einstimmig, im (gut 100 Kopf starken) Bundesvorstand gab es eine Enthaltung eines unabhängigen Gewerkschafters.

Foglar gerührt
Dementsprechend zeigte sich Foglar auch einigermaßen gerührt von seiner Kür. Als er seine Aufgabe als Arbeitnehmervertreter vor vielen Jahren begonnen habe, wäre er in seinen kühnsten Träumen nicht auf die Idee gekommen, jemals für solch einen Posten vorgeschlagen zu werden. Es handle sich zwar um eine große Herausforderung, aber auch um eine wunderschöne Aufgabe.

Als erstes will sich Foglar nun einmal einen Überblick verschaffen, ehe er die ersten Aufgaben konkret angeht. Den Arbeitnehmern will der neue ÖGB-Chef durch die Wirtschaftskrise helfen und die im Gewerkschaftsbund begonnen Strukturreformen weiter durchziehen.

Glaube an neuen Geist
Über das rasche Zustandekommen der neuen Regierung zeigte er sich erfreut. Auch glaubt Foglar, dass durch die Repräsentanz von Sozialpartnern auf beiden Seiten ein neuer Geist einziehen werde. Einiges am Regierungsprogramm gefällt Foglar aber dann doch nicht so gut. Bei der Steuerreform würde er sich ein höheres Volumen wünschen und er plädiert in alter Gewerkschaftstradition für eine Wertschöpfungsabgabe.

Während Hundstorfer bereits am Dienstag aus dem ÖGB wandert und Foglar geschäftsführend bei den Metallern Rainer Wimmer das Zepter überreicht, wird eine andere Personalie noch etwas warten müssen. FSG-Chef Wilhelm Haberzettl bekräftige zwar, nächstes Jahr nicht mehr als Vorsitzender der sozialdemokratischen Gewerkschafter kandidieren zu wollen, ein Nachfolger wurde aber noch nicht designiert. Erster Kandidat dürfte der Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft Wolfgang Katzian sein.

Zufrieden mit dem heute vom ÖGB Gezeigten ist der andere große Sozialpartner. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl gratulierte Foglar zum "tollen Wahlergebnis" und freute sich auf eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Auch den Wechsel Hundstorfers ins Sozialministerium begrüßte er ausdrücklich. Kritik an Foglar kam hingegen von FPÖ und BZÖ. Die Grünen verlangten vom neuen Präsidenten Reformen im Gewerkschaftsbund.

(apa/red)