Klage gegen FIFA: G14 will im "Oulmers-Prozess" mindestens 860 Mio. Euro holen

Klubs wollen auch 10 % der FIFA-WM-Einnahmen

Klage gegen FIFA: G14 will im "Oulmers-Prozess" mindestens 860 Mio. Euro holen

Im seit Montag laufenden "Oulmers-Prozess" zwischen dem Fußball-Weltverband FIFA und dem Klub Charleroi geht es bei weitem nicht nur um die von den Belgiern geforderte Schadenersatz-Entschädigung von 616.000 Euro. Denn ein Anwalt der G14-Vereinigung der führenden Vereine machte vor dem Handelsgericht in Charleroi klar, dass sich der Schaden, der den Klubs in den vergangenen zehn Jahren durch in Länderspielen verletzte Teamkicker entstanden sei, auf rund 860 Millionen Euro belaufe.

Anwälte von Charleroi und der G-14 warfen der FIFA die "Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung" vor. Nach den Regeln des Weltverbandes seien die Klubs verpflichtet, ihre Spieler für Länderspiele freizustellen. Sie bekämen dafür keinen Cent, sondern müssten die Kosten für Versicherungen und für die Behandlung von verletzten Spielern selbst tragen.

G-14-Anwalt Jean-Louis Dupont sagte, die Weltmeisterschaft in Deutschland werde der FIFA Einnahmen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro bescheren. "Davon bekommen die Vereine keinen Euro, obwohl sie den unverzichtbaren Teil dieses globalen Spektakels liefern, nämlich die Spieler der Vereine." Er hielte es für angemessen, wenn die FIFA zehn Prozent der Einnahmen an die Klubs weiterreichen müsste.

Vier Rechtsanwälte der FIFA bestritten bei einer mündlichen Verhandlung am Montagabend die Zuständigkeit des belgischen Gerichts. Zudem handele es sich bei der FIFA keineswegs um eine kommerzielle Organisation, sondern um "eine gemeinnützige Vereinigung". Das Gericht will in etwa sechs Wochen ein Urteil sprechen.

Ein G14-Anwalt machte klar, dass die Top-Klubs auch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg, das höchste Gericht in EU-Fragen, einschalten könnten. Der Zwang zur kostenlosen Bereitstellung von Spielern für Auswahl-Teams sei eindeutig der nach EU-Recht verbotene Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. "Hier entsteht ein Schaden. Wer das bestreitet, ist entweder blind oder böswillig."

(apa)