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Svindal jagt den Kitz-Doppelpack

Heute geht es auf der Streif zur Sache: Svindal glaubt an den Sieg bei der Abfahrt

Aksel Lund Svindal © Bild: APA/AFP/Joe Klamar

Aksel Lund Svindal hat genug Selbstvertrauen, um an den Sieg in der Kitzbühel-Abfahrt zu glauben und den Jahres-Doppelpack mit Wengen zu schaffen. "Weil Didier Defago es gemacht hat. Dann kann ich es auch schaffen." Dem Schweizer Defago war das als Letztem 2009 gelungen. Zum Favoritenkreis zählen heute (11.45 Uhr/live ORF eins) auch Hannes Reichelt, Christoph Innerhofer oder Adrien Theaux.

Nach strahlend schönem Wetter am Freitag und dem eindrucksvollen Svindal-Coup im Super-G hofften alle auch auf Traumbedingungen am "Super Saturday", allerdings sind die Wetterprognosen nicht berauschend. Zuletzt ging der Klassiker auf der Streif 2013 auf der Originalstrecke in Szene, als der Südtiroler Dominik Paris gewann. Beim Sieg von Reichelt 2014 führte die Fahrt über den Oberganslern statt dem Hausberg, vergangenes Jahr gewann der Norweger Kjetil Jansrud auf stark verkürzter Strecke ab dem Seidlalm-Sprung.

"Wenn du von weiter unten startest, fehlt halt etwas vom Spektakulären. Aber 50.000 Leute wollen eine Show, die wird ihnen auch geboten, wenn wir nur von der Seidlalm starten", sagte Reichelt, der sich als Super-G-Dritter schon perfekt eingestimmt hat. "Mein größter Wunsch ist, dass wir morgen von oben fahren."

Gelingt heute der erste Abfahrtssieg?

Noch warten Österreichs Speed-Herren auf einen Abfahrtssieg in diesem Winter, Reichelt war zuletzt aber zweimal Zweiter und damit knapp am vollem Erfolg dran. Aus dem nach vielen Verletzungen dezimierten ÖSV-Speedteam hat sich zuletzt als Wengen-Dritter Klaus Kröll hervorgetan. Vincent Kriechmayr zeigt sich immer angriffslustig, Romed Baumann wartet noch, dass der Knopf ganz aufgeht. Spitzenplätze eines anderen Athleten aus dem Rot-weiß-roten Lager kämen überraschend, Patrick Schweiger bewies aber im Donnerstagtraining (15.), dass es nicht unmöglich ist.

Viel lastet deshalb auf dem 35-jährigen Reichelt, der den möglichen Vorteil einer (in Kitz vor allem ab der Hausbergkante) schlagigen Piste gegenüber Svindal nicht mehr so groß sieht. War der Norweger in Santa Caterina - die einzige Abfahrt, die er in diesem Winter nicht gewonnen hat - noch weit weg, so hat er im Kitzbühel-Training bereits gezeigt, dass er Boden gut gemacht hat. "Der lernt aus solchen Fehlern", weiß Reichelt. "Und wenn ich so viel gewonnen hätte wie der Junge, würde ich auch noch lockerer drauf los fahren."

Schwierigste Streif der letzten Jahre

Kriechmayr schätzt Reichelt und Theaux sehr stark sein. "Svindal wird es sicher schwieriger haben als woanders", meinte der Oberösterreicher. "Es wird eine der schwierigsten Streif' in den letzten Jahren werden, ich bin mir sicher, dass es ein hartes Kitzbühel wird", sagte Kröll, der auch daran glaubt, dass man auf einer ruppigen Piste Svindal eher knacken kann. "Da braucht man sich nur die Resultate anschauen. Aber egal, ob Svindal vorne ist oder ein anderer. Man muss selber auf so einem Berg abrufen, was irgendwie möglich ist und ins Ziel bringen, wenn man da vorne mitmischen will."

Dass er "liebend gerne" auch die Abfahrt in Kitzbühel gewinnen würde, hat Svindal mehrfach bekundet, allerdings würde er den Erfolg nicht gegen zwei Siege irgendwo anders eintauschen. "Es ist das größte Weltcuprennen, das wir haben. Aber ist es doppelt so viel wert wie ein beliebiges anderes Rennen? Ich glaube nicht", wies der Skandinavier einmal mehr darauf hin, dass es auch Kitzbühel nur um 100 Punkte für den Sieger geht und die Gegner die gleichen wie bei allen anderen Rennen sind.

»Die Streif verzeiht dir nichts.«

Auf der Streif heißt es von Beginn an wachsam zu sein. "Sie verzeiht dir nichts. Es gibt viele Abschnitte, wo man das Netz erwischt, wenn man von der Strecke abkommt. Es ist vielleicht wie mit einem Formel-1-Auto in Monte Carlo zu fahren, wo es keinen Schotter oder Gras gibt zum Ausrollen, wenn man eine Kurve verpasst, sondern man in eine Mauer fährt", meinte Svindal, der seit Freitag bei zwei Super-G-Siegen in Kitz hält (2013, 2016). Als Letzter hat der Schweizer Didier Cuche 2010 beide Speedrennen in der Gamsstadt gewonnen.

Respekteinflößende Strecke

Größte Aufmerksamkeit ist bis zuletzt gefordert, denn die Passage Hausbergkante über Traverse bis Zielsprung flößt allen Respekt ein. Und hat heuer in den Trainings mit Max Franz und Florian Scheiber bereits zwei Verletzungsopfer gefordert.

Mitfavorit Theaux hat sich mit dem Sieg in Santa Caterina viel Selbstvertrauen geholt. "Ich bin gut in Form, aber es gibt sehr viele Jungs, die im Moment gut unterwegs sind. Es wird nicht einfach", sagte der 31-Jährige.

Der Südtiroler Innerhofer verpatzte den Super-G als 21., mit einer eventuellen Favoritenrolle beschäftigt er sich trotz toller Abfahrts-Trainingsleistung nicht. "Favorit hin oder her, das ist mir eigentlich egal. Dafür bin ich schon zu alt und zu lange dabei." Er versuche einfach, sein Rennen zu fahren und an nichts anderes zu denken. "Das würde nur Energie kosten und dann fährt man eh langsamer."

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