Kitzbühel 2013 von

Endet die ÖSV-Durstrecke?

Marcel Hirscher könnte der erste heimische Kitz-Slalom-Sieger seit Pranger 2005 werden

Marcel Hirscher gewinnt den Slalom von Zagreb © Bild: Reuters/Bronic

Marcel Hirscher kämpft trotz anhaltender Verkühlung um den ersten Slalom-Heimsieg seit acht Jahren. Andere wie Benjamin Raich fahren um ihre letzte WM-Chance in dieser Disziplin. Der Spezialslalom am Ganslern ist heute (10.15/13.30 Uhr) wie immer der krönende Abschluss der Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Alleine Hirschers "Revanche-Versuch" an Wengen-Sieger Felix Neureuther soll für einen Zuschauer-Ansturm sorgen.

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Der Deutsche hatte Österreichs Szene-Star zuletzt in Wengen hauchdünn bezwungen und damit den vierten Slalomsieg in Folge des 23-jährigen Salzburgers verhindert. Mit drei Siegen, zwei zweiten und einem dritten Platz stand Hirscher dennoch in allen der bisher sechs Saison-Slaloms auf dem Podest, das soll sich auch im letzten "richtigen" Slalom vor der WM nicht ändern. Der Kitz-Slalom wird alleine wegen der eisigen Verhältnisse und Kurssetzer Ante Kostelic brutal schwer.

Hirscher musste allerdings wegen seiner hartnäckigen Verkühlung am Freitag eine Trainingspause einlegen, beim Training am Samstag in Oberndorf ging es seiner "verstopften Nase" aber schon besser. Der Salzburger Jungstar freute sich schon enorm auf das große Heimrennen, wo er aber über Platz vier noch nicht hinausgekommen ist.

Österreich gegen Deutschland
Hirscher gegen Neureuther, das heißt Österreich gegen Deutschland auf Ski. "Das wird ein Mords-Spektakel. Für viele ist Kitz trotz allem das Highlight", war auch Hirscher klar, was auf ihn zukommt. "Felix hat hier schon gewonnen, damals war es noch eine Überraschung", erinnerte Hirscher.

Den erwarteten Zuschauer-Ansturm sah Hirscher erfreut entgegen. "Das ist alles sehr positiv für den Skisport. Hier zu fahren ist einfach geil. Ein Naturhang, die Zuschauer stehen mehr oder weniger im Gelände und extrem nahe. Ist für uns alle spürbar", freute sich der Salzburger.

Letzter ÖSV-Sieger im Kitz-Slalom war 2005 Manfred Pranger. Seitdem gab es u.a. vier französische Siege, im Vorjahr triumphierte der Italiener Cristian Deville.

Prangers Materialkampf
Nachdem ihm der "Lieblings-Ski" kaputt gegangen ist, muss Pranger aber erst wieder Vertrauen ins neue Material finden. "Ich trau mir keine Prognose zu", sagte der Weltmeister von 2009. "Es ist alles total knapp beieinander. Ich möchte nur locker skifahren und hoffe auf das Bombenergebnis."

Wie Hirscher (Annaberg) und Pranger auf der nach ihm benannten Heimpiste hat auch Mario Matt am Arlberg und damit "daheim" trainiert. "Alleine und bei Kaiserwetter. Es war ein Traum", schwärmte der zweifache Weltmeister, der wie Hirscher sein WM-Ticket ebenfalls bereits fix hat.

Auch Matt taugt der berühmte Ganslern. "Er ist schon ein bissl eigenartig, wie er hängt. Und die vielen Wellen. Aber gerade deshalb ist es hier immer wieder spannend", sagte der Tiroler, der in Schladming zum dritten Mal Weltmeister werden kann.

Nur Kitzbühel zählt
Derzeit zählt aber nur Kitzbühel. "Ich habe einiges am Material probiert, das hat im Training ganz gut ausgeschaut", berichtet der Arlberger, der seine Favoriten für Sonntag schnell aufgezählt hatte. "Marcel ist immer brandgefährlich. Dazu kommen einige, die auf's Stockerl fahren können. Wenn es normal her geht, auch ich."

Hirscher, Matt sollten für die WM fix sein, die besten Karten dahinter hat Pranger. Reinfried Herbst kann sich hingegen noch nicht sicher fühlen. "In Kitzbühel will man so oder so immer eine gute Leistung bringen und es hilft mir nicht weiter, an die WM zu denken", erklärte der Salzburger. "Ich fahre für mich selbst und wenn es schwer ist, kommt mir das entgegen", gab sich Herbst aber zuversichtlich.

Ein besonderes Rennen wird der Slalom für Manuel Feller. Das letzte Mal fuhr der Neuling aus Tirol am Ganslern bei einem Bezirkscup-Riesentorlauf. Wolfgang Hörl hat die WM schon abgehakt, Benjamin Raich will nach dem Out im Super-G seine Chance hingegen noch nützen. "Am Sonntag zählt's. Das ist meine letzte Chance", war dem Tiroler vor seinem 401. Weltcup-Rennen bewusst.

Aufregung um Kostelic
Trainervater Ante sorgte schon am Samstag für Aufregung und steckte einen unfahrbaren Kurs. Der Aufforderung, dies zu ändern, wollte er nicht nachkommen und wurde ausgetauscht. Der Ganslernhang gilt als sehr schwierig, die Setzung von Ante Kostelic sei teilweise zu schnell gewesen und von den Coaches (6:3 bei Abstimmung) als "unfahrbar" bezeichnet worden. Ante Kostelic habe die anfänglichen Einwände und späteren Aufforderungen der Jury aber ignoriert, erläuterte Hujara.

Der kroatische Alpinchef Vedran Pavlek meldete sich zu Wort und kritisierte die Art, wie Hujara auf der Piste Ante Kostelic verbal begegnet sei. "Er verdient Respekt, das tolerieren wir nicht", sagte Pavlek. Hujara hingegen konnte wenig damit anfangen, dass sich jemand mit der Kurssetzung ein "Denkmal" setzen wollte. "Ante hat große Verdienste, aber hier lag er falsch", sagte Hujara. Neuer Kurssetzer ist der für den italienischen Verband als Slalomtrainer arbeitende Franzose Jacques Theolier.

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