Kitzbühel von

Alle jagen Svindal

ÖSV-Abfahrer blasen beim Abfahrtsklassiker auf der Steif zum Angriff auf den Norweger

Aksel Lund Svindal, Kitzbühel 2013 © Bild: GEPA/Simonlehner

Der langjährige Streif-Dominator Didier Cuche hat sich zwar in den Ruhestand begeben, doch ist ein anderes Problem aufgetaucht. Es heißt Aksel Lund Svindal und will mit dem Sieg am heutigen Samstag zur Legende werden. Der Norweger könnte nach seinem Super-G-Erfolg dem gut aufgestellten österreichischen Abfahrtsteam das Kitzbühel-Fest auch in der Abfahrt vermiesen. Klaus Kröll und Hannes Reichelt hingegen wollen für den ersten Erfolg in der klassischen Hahnenkammabfahrt (11.30 Uhr/live im NEWS.AT-Ticker) für das Gastgeberland seit Michael Wachhofer 2006 sorgen.

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Als ziemlich sicher gilt, dass nach Didier Cuche (2008, 2010, 2011, 2012) und Didier Defago (2009) erstmals seit fünf Jahren der Gewinner nicht aus der Schweiz kommen wird. Erfolgsgarantie für Rot-Weiß-Rot ist das freilich noch lange keine. "Wir sind im Moment ein starkes Team und haben den Vorteil, dass Cuche nicht mehr da ist. Aber da haben wir schon den nächsten Kandidaten, das ist der Svindal. Ihm geht hier alles noch leichter von der Hand" sagte der Salzburger Reichelt, der als einziger ÖSV-Läufer mit Bormio bereits einen Speedbewerb in diesem Winter gewonnen hat.

Ein Sieg macht dich zur Legende

Die schnellen Trainingsfahrten geben natürlich Zuversicht, aber auf der Streif muss man stets auf der Hut sein. "Man ist in der Liga nicht dabei, wenn man einen Bock schießt. Man muss von oben bis unten eine saubere, aber trotzdem aggressive Fahrt durchziehen. Du musst den Grat zwischen Angriff und einem sicheren Lauf finden. Und der Grat ist ziemlich schmal. Auf der einen Seite geht es fünfhundert Meter runter, das ist ein Sturz in Kitzbühel, aber der andere Seite ist es schön flach, das ist die sichere Seite. Und wenn du das Rennen gewinnst, steigst du zur Legende auf", meinte Reichelt, der seine Super-G Fahrt schnell abhaken wollte (14.).

Das Gefühl des Speedsieges in Kitzbühel kennt Kröll von seinem Super-G-Triumph 2009. "Das war sehr emotional, es war fast mein größter Sieg. Nur die Abfahrtskugel geht da drüber. Ich habe das hier erst einmal erlebt und ich hoffe, dass es dieses Wochenende noch einmal passiert", sagte der Steirer, der für das Rennen Reserven hat: "Ich muss im Training aufpassen wegen meinem Fuß, deshalb lege ich es abschnittsweise nicht ganz eng an. Ich will keine Verletzung riskieren."

Auch er findet, dass ein Heimsieg längt überfällig ist: "Heuer möchten wir wieder ganz oben sein. Jeder ist heiß drauf. Es ist ein Riesentraum, Kitzbühel oder Wengen zu gewinnen." Dass er zu den Favoriten gehöre, sei eine Ehre. "Für mich ist aber eher Hannes der Favorit von uns. Ihn gelte es zu schlagen, und natürlich auch Svindal." Mit einem Sieg in Kitzbühel sei auf die WM hin viel Druck weg. "Da hätte ich schon ein Riesenziel erreicht."

Kampf um WM-Startplätze

Kröll und Reichelt haben ihre Startplätze in der WM-Abfahrt sicher, dahinter herrscht reges Gerangel zwischen Max Franz, Florian Scheiber, Joachim Puchner, Romed Baumann, Georg Streitberger und Matthias Mayer. ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold traut seinen Burschen in Kitzbühel viel zu, die WM kommt erst nachher, wie er immer wieder betont. "Man darf die Konkurrenz nicht unterschätzen, die Italiener, Norweger und Franzosen fahren gut. Es ist schon ein sehr hohes Niveau, dass da heuer im Speedbereich gefahren wird."

Scheiber hat einen vierten Platz von Beaver Creek zu Buche stehen und macht sich große Hoffnungen auf die WM. "Die anderen haben mehr Druck als ich. Wenn du in Kitz gut fährst, stimmt auch die Form für die WM. Der Steilhang hier müsste mir sehr gut liegen. Ich habe mittlerweile die Sicherheit, voll riskieren zu können." Baumann sieht seine Situation besser "als nach dem Horrorwochenende in Gröden". Er habe wieder das Selbstvertrauen, dass er in Passagen reinstechen könne, in denen er vorher zurückgezogen habe, sagte er am Freitag nach Rang zwölf im Super-G.

Streitberger will gar nicht schauen, wie seine WM-Chancen auf dem Papier stehen. "Die letzten Rennen vor der WM sind die wichtigsten", meint er. Wenn man gute fahre, schaue es gut aus. "Aber das ist das Ziel von jedem von uns. Wenn du hier bester Österreicher bist, bist eh vorne dabei und das macht es auch für die WM leichter." Matthias Mayer ist nach seinem zweiten Platz im Super-G natürlich hoch motiviert: "Ich war in den Trainings Achter und Zehnter, ein Top-Ten-Platz ist drinnen."

Svindal: "Besser schnell als langsam sein"

Svindal hat sich mit den Trainingsergebnissen (zweimal Erster, einmal Zweiter) und dem Sieg am Freitag selbst in die Favoritenrolle gefahren, weiß aber, dass es ihm die Österreicher nicht leicht machen werden. "Hannes und Klaus schauen sehr gut aus. Aber Training ist Training und Rennen ist Rennen. Aber besser schnell als langsam sein", meinte der 30-Jährige, der seinen Sturz in Wengen abgehakt hat. "Alles okay. Das Vertrauen zum Material ist da", sagte Svindal.

Zumindest bis zum 46. Läufer wird man am Samstag warten müssen, bis der Sieger feststeht, denn der Südtiroler Christof Innerhofer darf erst nach 45 fahren. Der Wengen-Sieger hatte im Abfahrttraining gegen ein Reglement verstoßen und war nach einem Sturz weitergefahren. "Ich bin total verärgert. Ich habe das Okay bekommen, weiterzufahren", sagte Innerhofer, der von einer "beschämenden Angelegenheit" sprach. "Ich werde volle Kanne fahren", versprach der Super-G-Dritte mit Wut im Bauch.

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