Kirchner neue Präsidentin Argentiniens:
"Latino-Hillary" löst ihren Mann Nestor ab

Lässt Konkurrenz laut Teilergebnissen weit hinter sich Kirchner ging als klare Top-Favoritin ins Rennen

Kirchner neue Präsidentin Argentiniens:
"Latino-Hillary" löst ihren Mann Nestor ab

Die Argentinier haben erstmals eine Frau an die Staatsspitze gewählt: Mit einem Stimmanteil von knapp 45 Prozent und einem Vorsprung von 21 Prozentpunkten auf die Zweitplatzierte setzte sich die bisherige First Lady (Primera Dama) Cristina Fernández de Kirchner bei der Präsidentenwahl gleich im ersten Wahlgang durch.

"Wir haben mit großem Abstand gewonnen", sagte die 54-Jährige, die am 10. Dezember in ihr Amt eingeführt werden soll. Die Konkurrentin Elisa Carrió gestand ihre Niederlage ein. Cristina Kirchner will die erfolgreiche Wirtschaftspolitik ihres Mannes fortsetzen. Auch bei den Teilwahlen zum Parlament setzte sich Kirchners Front für den Sieg (FV) durch.

"Dies ist ein Triumph für alle Argentinier", rief Fernandez de Kirchner ihren jubelnden Anhänger in der Wahlkampfzentrale der Peronisten zu. Der deutliche Wahlsieg verschaffe ihr keine privilegierte Stellung, sondern bedeute eine größere Verantwortung für sie.

"Frauen an die Macht!", riefen Hunderte von Anhängerinnen und Anhängern der Wahlsiegerin in der Wahlnacht in Buenos Aires. Zuvor war lediglich die dritte Frau des früheren Präsidenten Juan Perón, Isabel Martínez, 1974 an die Macht gelangt - jedoch ohne Wahlen. Sie war Vizuepräsidentin, als Peron starb und übernahm so das Amt. 1976 wurde ihre Regierung durch einen Militärputsch beendet.

Carrió gratuliert
Nach Auszählung von 94 Prozent der Stimmen lag Kirchner mit knapp 45 Prozent der Stimmen unschlagbar vorn. "Wir gratulieren und erkennen ihren Sieg an", sagte Carrió. Die Wahlsiegerin erhielt auch Applaus von ihrem Mann, dem seit vier Jahren amtierenden Präsidenten Néstor Kirchner. Cristina Kirchner verfolgte ihre politische Karriere neben ihrem Mann: 1989 wurde sie in Parlament der Provinz Santa Cruz gewählt, 2005 als Senatorin von Buenos Aires.

Kirchner verwies auf die Erfolge ihres Mannes beim Kampf gegen die Folgen der Wirtschaftskrise von 2001. "Wir sind seitdem einen langen Weg gegangen", sagte sie. "Wir haben das Land neu aufgestellt, Armut und Arbeitslosigkeit bekämpft, all die Tragödien, die Argentinien getroffen haben."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte der künftigen Präsidentin Argentiniens als eine der ersten und erklärte, sie verbinde damit "die Hoffnung, dass sich die traditionell guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen unsere beiden Ländern in Ihrer Amtszeit fortsetzen werden". Deutschland ist mit einem Anteil von rund 28 Prozent Argentiniens größter Gläubiger.

Kirchner war bereits als Favoritin ins Rennen gegangen. Wie in den Umfragen vorausgesagt, ließ sie ihre 13 Mitbewerber weit hinter sich. An dritter Stelle landete der ehemalige Wirtschaftsminister Roberto Lavagna mit 17 Prozent der Stimmen.

Für einen Sieg gleich im ersten Durchgang waren nach dem argentinischen Wahlrecht entweder mehr als 45 Prozent der Stimmen nötig; der zweite Wahlgang entfällt aber auch, wenn der Erstplatzierte zwischen 40 und 45 Prozent der Stimmen erhält und zugleich um mindestens zehn Prozentpunkte vor dem Nächstplatzierten liegt.

Verwies auf Politik ihres Mannes
Im Wahlkampf hatte Kirchner mehr auf die Politik ihres Mannes verwiesen als auf eigene Verdienste während ihrer inzwischen 20-jährigen politischen Laufbahn. Der 57-jährige Präsident genießt ein hohes Ansehen in Argentinien. Die Bevölkerung rechnet ihm hoch an, nach dem wirtschaftlichen Kollaps von 2001 den Aufschwung gebracht zu haben. Seit seinem Amtsantritt 2003 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 45 Prozent, die Arbeitslosenrate konnte amtlichen Angaben zufolge von einst 20 Prozent unter die Zehn-Prozent-Marke gedrückt werden.

Die rund 27 Millionen stimmberechtigten Argentinier waren am Sonntag auch aufgerufen, die Hälfte der Parlamentsabgeordneten und ein Drittel der Senatoren zu wählen. Im Abgeordnetenhaus dürfte die Frente para la Victoria (FV) künftig die Mehrheit stellen, auch bei den Senatswahlen lag sie vorne.

(APA/red)