Kirche in Erklärungsnot: Missbrauchsfälle nehmen immer dramatischere Ausmaße an

Tirol: Missbrauch in Stift Wilten und bei Sängerknaben Vorarlberg: Zahlreiche Opfer meldeten sich bei Polizei

Kirche in Erklärungsnot: Missbrauchsfälle nehmen immer dramatischere Ausmaße an © Bild: APA/Hochmuth

Am Mittwoch sind neue Missbrauchsfälle in Österreich bekannt geworden. In Tirol sind das bekannte Stift Wilten in Innsbruck und die "Wiltener Sängerknaben" betroffen. In der Steiermark wurde ein vierter Missbrauchsfall bekannt. In Vorarlberg zeigte sich ein in der Schweiz tätiger Pater selbst an. In Wien gibt es unterdessen Missbrauchsvorwürfe gegen eine Erzieherin eines Mädchenheims.

Man werde alles daran setzen, um den Prozess der Aufklärung fortzusetzen, betonte der Wiltener Abt Raimund Schreier. In einem persönlichen Gespräch habe er am Montag durch einen ehemaligen Schüler des Lehrlingsheimes St. Bartlmä, das 1973 geschlossen wurde, erfahren, dass es dort in einer Ballnacht Ende der fünfziger Jahre sexuelle Übergriffe auf Schüler gegeben habe. Dem damaligen Leiter des Heimes, einem inzwischen verstorbenen Mitglied des Stiftes Wilten, sei als Täter nach Mitteilung an den damaligen Abt von diesem sofort die Leitungsaufgabe entzogen worden. Derselbe Täter soll auch Wiltener Sängerknaben, die in diesem Heim ihre Proben abhielten und deren Rektor er war, sexuell belästigt haben.

Ehemalige Zöglinge des seit einiger Zeit geschlossenen Kapuziner-Seminars St. Lorenzheim in der Grazer Heinrichstraße haben gegen einen früheren Pater des Hauses den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs erhoben. Wie die "Kleine Zeitung" berichtete, dürften die Vorfälle die Jahre 1960 bis 1967 betreffen. Der Geistliche soll nachts die Burschen mit der Hand unsittlich berührt haben. Der Fall ist der vierte aktuell aufgetauchte in der Steiermark.

Schweizer Pater zeigt sich selbst an
Ein in der Schweiz tätiger Pater, der sich in den siebziger Jahren mindestens an einem Minderjährigen im Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau vergangen haben soll, hat sich selbst bei der Polizei in Vorarlberg angezeigt. Ein Opfer des Mannes hatte sich am Montag per E-Mail beim Bistum Chur (Kanton Graubünden) gemeldet und den heute 69-Jährigen des sexuellen Missbrauchs bezichtigt.

Den Vorwürfen im E-Mail zufolge soll der Geistliche - der Mitglied des Klosters Mehrerau ist - sowohl in Bregenz als auch im Kloster Birnau am deutschen Bodenseeufer mehrere Ministranten missbraucht haben. Der 69-Jährige war seit 1992 in einer Schwyzer Gemeinde als Pfarr-Administrator tätig. Nach seinem Geständnis trat er sofort von seinem Posten zurück.

Elf Missbrauchsfälle in Vorarlberg
Im Kloster Mehrerau soll es in den vergangenen Jahrzehnten zu schwersten sexuellen Übergriffen und brutalen Quälereien durch Ordenszugehörige, Lehrer und Erzieher gekommen sein. Angeblich gibt es in sieben Fällen konkrete Verdachtsmomente. Bisher sind in Vorarlberg elf Missbrauchsfälle offiziell bekannt geworden. (apa/red)

Kommentare

Melk und Pater Georg Das Konvikt in Melk war ein gewalttätiger Ort, und daran ändert sich auch nichts, wenn es seit ein paar Jahren geschlossen ist. Pater Georg und das Stift werden sich der Verantwortung zu stellen haben für das, was sie vielen von uns angetan haben. Das Sehen, Wahrnehmen und Annehmen und Würdigen dessen, was geschehen ist und was dieser Mann dort verbrochen hat.
Noch eine Bemerkung zu den Gewaltexzessen von Georg: Dazu hat jemand bei einem Altmelkertreffen bemerkt, dass das Zuschlagen bei ihm auch aus massiver Überforderung resultieren könnte: Aber warum ist dieser Mann mit seiner Vergangenheit Abt geworden? Seine Wahl hat mich vor Jahren dazu bewogen diesem Verein en Rücken zu kehren.

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Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden II Ich wurde von Nonnen großgezogen. Auch wenn manche Watschen vielleicht gerechtfertigt waren-aber so zuschlagen, das die Nase zu bluten begann oder wir bei den Haaren gepackt wurden und unsere Köpfe zusammengeschlagen wurden bis ich die Sternderln sah, das find ich nicht ok.Ich könnt noch mehr berichten was sich da so hinter Klostermauern so abgespielt hat. Keiner traute sich etwas sagen, denn da kam gleich der Psychiater und du wurdest in ein Heim für schwererziehbare o. geistig Behinderte überstellt. Mit einem Wort, ich musste mir die Liebe und Anerkennung regelrecht " verdienen"Und das in einem Kloster! Traurig -Oder??

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Re: Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden II Und warum kommen Sie mit diesen Vorwürfen erst jetzt an die Öffentlichkeit? Vielleicht weil es gerade "modern" geworden ist und weil Sie jetzt gute Chancen haben ins Fernsehen oder in die Zeitungen zu kommen?

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Re: Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden II sidestep
einen dümmeren Kommentar wie Deinen hab ich noch nicht gelesen

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Re: Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden II Ja das ist die Antwort auf eine Frage, auf die Sie offensichtlich keine Antwort haben!

Wien_1190 melden

Re: Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden II Vl liegt es auch daran lieber "sidestep", dass man früher nicht ernstgenommen wurde! Erst ab dem Zeitpunkt, wo sich die ersten "pfarrer" selbst geoutet haben!

Sie sollten Ihre Kommentare ein bisschen überdenken, bevor Sie damit traumatisierte Leute verletzen!

Missbrauch & Vertuschung Diesem Affront kann man nur mit 2 Dingen begegnen: kollektive Verweigerung der Steuerzahlung an die Kirche solange bis das Gesetz abgeschaft wurde und Sammelklagen aller Opfer in Millionenhöhe. Mal sehen ob die Kuttenträger da nicht klein beigeben ....

Der Heilige Stuhl stinkt gen Himmel Tatsache ist, Ratzinger hat schon als Erzbischof von München Kinderschänder geschützt und von einer Pfarre in die andere versetzt. Dies alles auf Anweisung aus Rom. Als Chef der Glaubenkongregation und höchster Glaubenshüter hat Ratzinger erst 2001 eine geheime Dienstanweisung an alle Bischöfe gesandt. Mit dieser Vertuschungsanweisung schützt Rom Priester bei Vorfällen von sexuellem Mißbrauch von Kindern jedes Alters die Täter vor dem Zugriff der weltlichen Justiz und macht sich damit selbst strafbar da dies weitere Straftaten begünstigt.Die Justiz ist aufgefordert diese Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen. Doch unsere Staatsanwaltschaft stellt sich wieder einmal tot. Diese unheilige Allianz gehört sofort gekündigt, da die Kirche offensichtlich glaubt über den Gesetzen zu stehen.

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Kirche und Barbara Rosenkranz Es ist beschämend wir die Katolische Kirche mit Leuten umgeht.
Vor allem die Kritik an Barbara Rosenkranz ist mehr als verfehlt und zu verurteilen. Es ist einfach nicht mehr tragbar das sich ein Bischof welcher selber viel Skandale mitzuverantworten hat, eine Frau wie Rosenkranz schlecht macht. Sollte die Kirche sich nicht baldigst bei Rosenkranz öffentlich entschuldigen dann werde auch ich aus diesem Verein austreten.

Wien_1190 melden

Re: Kirche und Barbara Rosenkranz dies wird nicht passieren ;) eine Entschuldigung ist ein Schuldzugeständniss und ich glaube kaum, dass die kirche sich selber schaden will/wird ;)

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nicht nur die kirche . . . . . . aus der ich schon seit jahren ausgetreten bin, hat solche greueltaten zu verantworten. liebe news-redaktion, fragt doch mal nach, wie es in wien in den 50er jahren in der "kinderübernahmstelle lustkandlgasse" zugegangen ist . . . die waren da um keinen gramm besser, als die kirchenleute . . . mein trost dabei ist nur, dass die alle schon der teufel geholt hat . . .

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Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden! Aber ich warne davor, dass jeder Schlag mit dem Staberl schon von einen "Sadisten" ausgeführt worden ist. Das war damals eben so. Nur damit mir niemand unterstellt ich sei einer, der diese Vorgänge gut heißen würde: Ich bin seit drei Jahren aus der kath. Kirche aus anderen Günden ausgetreten und bin nun Evangelischer. Aber auch ich habe von meinem Pfarrer im Unterricht meine Watschen erhalten. Nicht weil es dem Pfarrer gefallen hätte, sondern weil ich ein "G´frast" war, der jede Watsche oder jeden Schlag mit dem Stäbchen verdient hatte. Anders war mir nicht beizukommen. Daher ruhe mein damaliger Pfarrer in Frieden. Ich war auch Ministrant bei ihm und es ist nie was vorgekommen. Die gibt und gab es in der Kirche in der weit größeren Zahl, nämlich auch und das bitte ich nicht zu vergessen.

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Re: nicht nur die kirche . . . sidestep - ich kann dir nur voll und ganz beipflichten... die sexuellen Schändungen sind schlimm und gehören geahndet. - aber jetzt melden sich auch jene welche zur Zeit der Prügelstrafe Prügel bekamen und das war damal eben Gang und Gebe.
Bitte diese Fälle nicht zu den Zahlen der sexuellen Schändungen dazuzählen.
50 Fälle in Vorarlberg - heißt das nur 50 sexuelle Schändungen - oder sind da auch Watschen und Linealschläge dabei...?

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Selbstverständlich muss hier Ordnung gemacht werden II Manchmal habe ich nämlich das Gefühl, dass jetzt, wo alle Dämme zu brechen scheinen, auch solche Sachen, wie ich sie erlebt haben, unter Missbrauch eingeordnet werden. Ich habe auch das Gefühl, dass man jede Züchtigung, auch wenn sie "zu Recht" erfolgt ist, nun unter Missbrauch einordnet. Mit "zu Recht" meine ich,dass es damals halt üblich war, eine "Watsche" oder einen Schlag mit dem Rohrstaberl zu bekommen. Das haben auch die Lehrer gemacht und nicht nur die Pfarrern. Ich war ein G´frast und ich kann mich nicht erinnern, dass ich eine Watsche, die ich erhalten habe, zu Unrecht bekommen hätte. Das wollte ich hier nur sagen. Übrigens ich bin Vater und mein Kind hat nicht eine einzige Watsche oder auch nur eines auf den mit der Windel gut "abgesicherten" Po erhalten. Nicht ein einziges Mal!

Wien_1190 melden

Re: nicht nur die kirche . . . @ Sidestep, so sollte es in der modernen Gesellschaft auch sein ;).. heutzutage muss man versuchen mit den Kindern anders über Ort zu kommen, auch wenn dies mehr "nerven" verlangt ;)

Die Prügelstrafe wurde schon vor längerem abgeschafft, und das ist nicht immer gut so, denn durch dieses "Verbot" wurden den Lehrern die Mittel genommen mit "schwer-erziehbaren" Kindern umzugehen! Andererseits gibts es seit diesem Verbot auch viel weniger Sadisten, dar sie ihre Neigung nichtmehr legitim ausüben dürfen ;)

Es hat alles Vor- und Nachteile.. aber Sie haben Recht es melden sich nun sehr viele mutmaßliche "Opfer" die einen Schlag mit dem Rohrstäbchen mit "vergewaltigung" assoziieren ;).. aber auch nur weil es in der heutigen Gesellschaft nicht mehr gern gesehn wird schrein sie nun auf!

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Schlimme Sache! Wäre gut wenn sich ALLE Opfer sexueller Übergriffe JETZT melden würden - es ist die richtige Zeit dafür. Dann könnte die Kirche mal richtig ausgemistet werden...

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Re: Schlimme Sache! Absolu richtig! JETZT muss man ein Zeichen setzen und
diesen "Verein" ordentlich ausmisten!

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