Wien von

Baby in Spital getötet -
Großvater in Haft

Wegen Verdachts des Missbrauchs an der vierjährigen Schwester des getöteten Buben

Kind mit Händen vor dem Gesicht © Bild: iStockphoto.com

Im Fall des in einem Wiener Spital von seiner Mutter getöteten Babys sind am Dienstag neue dramatische Details bekanntgeworden. Das Motiv für die Tat dürfte in sexuellen Übergriffen innerhalb der Familie liegen. Der Großvater soll sich an der vierjährigen Schwester des Buben vergangen haben. Er wurde am Wochenende festgenommen, bestätigte die Staatsanwaltschaft einen Bericht der "Kronen Zeitung".

Die Übergriffe sollen laut "Kronen Zeitung" bei einem Familienbesuch beim Großvater zu Weihnachten verübt worden sein. Staatsanwaltschafssprecherin Nina Bussek wollte zum Tatzeitraum aufgrund laufender Ermittlungen keine Auskunft geben. Die 37-jährige Mutter und ihre beiden Kinder wurden Anfang Jänner zum Schutz ins SMZ Ost - Donauspital gebracht, wie die Zeitung berichtete. Das Spital gab auf APA-Anfrage keinerlei Auskunft darüber.

Im Donauspital soll die Mutter am Mittwoch ihr Baby erstickt haben. Eine Spitalsmitarbeiterin entdeckte, dass der Bub tot war, worauf der Vater verständigt wurde. Die 37-Jährige wurde unmittelbar danach noch im Nahbereich des Krankenhauses gefunden. Sie hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Rettung brachte die Frau in ein anderes Spital.

Die Obduktion des Buben ergab, dass das Kind erstickt wurde. Daraufhin wurde am Freitag über die Mutter U-Haft verhängt und die Frau in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingeliefert. Die Vierjährige wurde laut "Krone" von ihrer Mutter nicht verletzt. Unklar blieb, ob und wie schwer das Kind beim Übergriff durch den Großvater verletzt wurde.

Am Wochenende wurde der Opa der Kinder wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs festgenommen. Am Montag kam er in U-Haft, bestätigte Gerichtssprecherin Christina Salzborn. Bei dem Mann soll es sich laut "Krone" um einen ehemaligen hohen Beamten eines Ministeriums handeln. Das wollte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Jugendamt kannte Familie vorher nicht

Nachdem der Großvater ihre vierjährige Tochter missbraucht haben soll, steht eine 37-jährige Mutter im Verdacht, vergangene Woche den Bruder des Mädchens, einen acht Monate alten Säugling, in einem Wiener Spital erstickt zu haben. Die Familie war dem Jugendamt im Vorfeld nicht bekannt. Nach Auffliegen des Missbrauchsverdachts wurde die Behörde jedoch vom Krankenhaus informiert. "Wir kümmern uns um das Mädchen und sind mit den Angehörigen in Kontakt", sagte Jugendamtssprecherin Herta Staffa.

Wenn das Jugendamt von einer vermuteten Gefährdung eines Kindes erfährt, wird es zur Sicherung des Kindeswohls tätig. Aus dem Jahresbericht 2016 des Wiener Jugendamtes geht hervor, dass es in diesem Jahr 13.722 Gefährdungsmeldungen gab. Der Großteil stammte mit 28 Prozent von der Polizei, gefolgt von Schule oder Kindergarten (19 Prozent), anonymen Meldungen sowie Eigenwahrnehmung der Mitarbeiter (je neun Prozent). Fünf Prozent der Meldungen wurden von Spitälern oder Ärzten getätigt.

Insgesamt 10.649 Gefährdungsabklärungen führte das Jugendamt 2016 durch, mehr als die Hälfte betraf Vernachlässigungsgründe, 30 Prozent psychische und 15 Prozent körperliche Gewalt. 135 Mal gab es 2016 den Verdacht auf sexuelle Gewalt, das entspricht einem Prozent der Gefährdungsgründe.

"Wenn wir eine Gefährdungsmeldung bekommen, werden wir aktiv", erläuterte Staffa. Wann die Behörde informiert wird, "entscheiden die Melder selbst". "Wir bekommen nicht gleich den gesamten Sachverhalt auf den Tisch", sagte die Sprecherin. Prinzipiell dauert es auch, "bis wir uns ein Bild von der Familie machen können". Befinden sich Betroffene, wie im konkreten Fall, im Krankenhaus, ist keine akute Gefährdung gegeben. Dann kann es auch dauern, bis das Jugendamt eingeschaltet wird, sagte Staffa.

Sexuelle Gewalt primär im häuslichen Bereich

Sexuelle Gewalt wird nach wie vor zum überwiegenden Teil im häuslichen Bereich verübt. Das sagte der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl erst vor wenigen Tagen im APA-Gespräch. Und es gebe, was schwere Sexualdelikte betrifft, keinen signifikanten Anstieg der Strafanzeigen.

Zum Thema: So erleben Männer sexuellen Missbrauch

Zuwachszahlen bei Sexualdelikten sind vor allem durch die Einführung neuer Bestimmungen wie den sogenannten "Pograpscher"-Paragrafen (Paragraf 218 Absatz 1a StGB, seit 1.1.2016 in Kraft, Anm.) zu verzeichnen, sagte Pürstl. "Außerdem hat sich sicher das Anzeigenverhalten verändert. Die Menschen sind grundsätzlich mehr sensibilisiert als früher."

Prinzipiell sind Taten gegen die sexuelle Integrität in den weitaus meisten Fällen sogenannte Anzeigen-Delikte. Das bedeutet, die Strafverfolgungsbehörden sind darauf angewiesen, dass jemand eine solche Tat anzeigt, damit die Ermittler Kenntnis davon erhalten und aktiv werden können. Das ist der Unterschied zu sogenannten Kontrolldelikten, bei denen die Zahl der Fälle weitestgehend davon abhängt, wie viel Zeit und personellen Aufwand die Polizei in die Bekämpfung dieses Phänomens investiert. Ein klassisches Beispiel für ein Kontrolldelikt ist der Straßen-Drogenhandel.

Großvater wies Anschuldigungen zurück

Der des schweren Kindesmissbrauchs beschuldigte Großvater hat die Anschuldigungen zurückgewiesen, wie sein Anwalt Rudolf Mayer auf APA-Anfrage bekannt gab. Der Pensionist, der als hochrangiger Diplomat tätig war, sitzt seit Sonntag in U-Haft. Bei der Haftverhandlung habe sich der Mann "fassungslos" ob der Aussagen des Kindes gezeigt, so Mayer.

Der unbescholtene Pensionist verstehe nicht, dass die Vierjährige diese Anschuldigungen gemacht habe, so Mayer. Es sei nie etwas dergleichen vorgefallen. "Zur Festnahme reichten die Aussagen des Kindes, auch ohne Sachbeweis", sagte der Verteidiger. Nachdem der Pensionist eine Aussage bei der Polizei gemacht hat, wurde er in Haft genommen. Nun wird laut Mayer in den kommenden Wochen die Vierjährige kontradiktorisch einvernommen.

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