Kindesweglegung in der Obersteiermark: Junge Mutter nach Geburt verschwunden

20-Jährige kehrte am nächsten Tag zu Baby zurück Kroatin: "Kurzschlussreaktion". Fürsorge prüft jetzt

"Es tut ihr Leid, sie freut sich auf das Kind", so Bezirksinspektor Klaus Narnhofer vom Landeskriminalamt Steiermark, Außenstelle Niklasdorf. "Die Eltern hatten nichts von der Schwangerschaft gewusst. Nach der Geburt bekam die junge Mutter Zweifel, was sie tun sollte", erläuterte der Polizist die Situation der 20-Jährigen. Die Frau hatte in Knittelfeld ihre Cousine besucht und war von der Geburt überrascht worden. Da habe die Frau das Neugeborene im Spital an eine Stelle gelegt, wo man es schnell finden würde, so der Beamte.

Danach sei sie den ganzen Tag in Knittelfeld herumgeirrt, berichtete Narnhofer über die Einvernahmen. Ein guter Freund - zunächst hatte man vermutet, dass es sich um den Kindesvater gehandelt haben könnte -, der eigens aus Kroatien angereist war, habe die Kroatin vom Spital abgeholt und habe ihr das Geld für die Krankenhauskosten gebracht. "Aber auch ihm hat sie nichts von der Geburt erzählt. Der Freund hat ihr dann das Geld gegeben und ist wieder gefahren", erklärte der Polizist.

In der Zwischenzeit hatte ein - zur Zeit urlaubender - Krankenhausmitarbeiter seine Tochter im LKH Judenburg besucht und die Schreie des Babys in den Umkleideräumen im Keller des Spitals gehört. Als der Mann nachschaute, fand er den Buben. Das Kind soll rund eine Stunde dort gelegen haben. Auf der Geburtenstation des Spitals war dann festgestellt worden, dass der Bub am Dienstag hier auf die Welt gekommen war. Die Mutter, die 20-jährige Kroatin, war auf eigenen Wunsch gleich nach der Geburt entlassen worden.

Die Polizei hatte am Mittwoch zwar die Cousine ausgeforscht, von der jungen Mutter hatte aber vorerst jede Spur gefehlt. Gegen 20.30 Uhr meldete sie sich dann selbst bei der Polizei. Unmittelbar danach hatte die 20-Jährige ihren Sohn im Krankenhaus besucht. Nach Abklärung mit der Fürsorge und der Staatsanwaltschaft konnte der Frau ihr Baby wieder übergeben werden. Die 20-Jährige wird aber um eine Anzeige dennoch nicht herumkommen. (apa/red)