"Kindersichere" Zigarettenautomaten bald flächendeckend: Bereits 90% umgestellt!

Neue Vorrichtung kostet Trafikanten 1.000 bis 1.500 € Künftig nur mit Bankomatkarte oder SMS entriegelbar

"Kindersichere" Zigarettenautomaten bald flächendeckend: Bereits 90% umgestellt!

Rauchen bald erst ab 16: Rund 90 Prozent der Zigarettenautomaten sind bereits mit einer elektronischen Sicherheitssperre für unter 16-Jährige ausgestattet. Das hat das Bundesgremium der Tabaktrafikanten der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mitgeteilt. Obmann Peter Trinkl sieht die Jugendschutz-Maßnahme als "Investition in die Zukunft", Einbußen befürchtet er dennoch in Fremdenverkehrsgebieten, da ausländische Touristen üblicherweise nicht über die zur Bedienung der Automaten notwendige Bankomatkarte verfügen.

6.000 Automaten in ganz Österreich können ab 1. Jänner 2007 von Mitternacht an nur mehr durch Bankomatkarte oder SMS entriegelt werden. Mit Bargeld zu zahlen ist weiterhin möglich, die Karte gibt elektronisch den Einwurf frei. Wer mit Bankomatkarte zahlt, muss das Quick-Konto aufgeladen haben. Keine Umstellung gibt es bei Automaten in Lokalen - sie können laut Trinkl durch das Personal kontrolliert werden - sowie an Orten, "zu denen Jugendliche unter 16 keinen Zutritt haben".

Entriegelung auch per Handy möglich
"Praktisch jeder Erwachsene zwischen 18 und 80 hat eine Bankomatkarte", kommentierte Europay-Geschäftsführer Ewald Judt die Entscheidung. Außerdem würden diese im Gegensatz zu anderen Karten nicht so leicht aus der Hand gegeben. Seit 2004 wird jede neuausgestellte Karte mit einem eigenen "Jugendschutz-Kennzeichen" ausgestattet: "Bei Jugendlichen unter 16 ist zu deren Schutz das Geburtsdatum vermerkt", auf den restlichen Karten finde sich die Kennung "berechtigt", erklärte Judt. Zusätzlich ist auch eine Entriegelung per Handy möglich. Auf jedem Automaten befindet sich ein Sticker mit einer Telefonnummer, mit SMS und dem Wort "Bar" kann auch hier mit Münzen gezahlt werden.

Rückgang in Tourismusgebieten
Große Umsatzeinbrüche erwartet Trinkl durch die Umstellung nicht, "wir brauchen Jugendliche unter 16 Jahren nicht, um zu überleben". Rückgänge prophezeit er aber dennoch in den Tourismusgebieten, weil "ausländische Besucher den Automaten nicht entriegeln können". Jenen Österreichern, die weder über Karte oder Handy verfügen, rät Trinkl, "auf Vorrat zu kaufen". Trotz der Maßnahmen ist er sich aber auch sicher: "Jugendliche, die rauchen, werden sicher weiterhin Möglichkeiten finden, um zu Zigaretten zu kommen."

Automaten mit 5% Marktanteil
Mit einem Marktanteil von fünf Prozent hat der Automat für den Trafikanten "eine hohe Bedeutung", sagte Peter Leimer, Geschäftsführer von tobaccoland, dem größten Tabakwaren-Großhändler in Österreich. 2,2 Milliarden Euro Umsatz machen die Trafikanten jährlich mit dem blauen Dunst. Die Umstellung koste jeden Trafikanten 1.000 Euro, eine Neuanschaffung durch veraltete Geräte wird mit 4.000 Euro beziffert. Durch die lange Vorbereitungszeit habe es dabei aber keine Probleme mit den Trafikanten gegeben, bemerkte Trinkl.

Neben den Automaten sollen Trafikanten auch die Kunden strenger kontrollieren, laut dem Gremiumsobmann setzt man sich für die "lückenlose Durchsetzung des Jugendschutzes" ein. Bei Nichteinhaltung sei im Gesetz für die Trafikanten eine Strafe von bis zu 15.000 Euro vorgesehen. Das Problem liege aber vor allem an der unterschiedlichen rechtlichen Lage in den Bundesländern, ist Trinkl überzeugt. So sei es in Niederösterreich Kindern verboten, als "Erfüllungsgehilfe" Zigaretten für die Eltern zu kaufen, in Wien gebe es dazu kein entsprechendes Gesetz. Außerdem sei auch kein einheitlicher Ausweis vorhanden, "vom U-Bahn-Ausweis bis zur Kundenkarte wird alles hergezeigt", so Trinkl. (apa/red)