Kindererziehung von

Promi-Eltern folgen
ungewöhnlichem Trend

Was Superreiche als „fürsorgliche Erziehung" bezeichnen, hat damit nur wenig zu tun.

Kindererziehung - Promi-Eltern folgen
ungewöhnlichem Trend © Bild: APA/AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

Auch wenn sie es vielleicht nicht gerne zugeben: Die meisten Hollywood-Stars und Politiker lassen sich bei der Kindeserziehung von Profis unter die Arme greifen. Darüber gesprochen wird nur selten. Inzwischen werden die zahlreichen Helfer sogar bewusst verleugnet.

Den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen, davon können „normale“ Mütter ein Lied singen. Sich von einer Nanny unterstützen zu lassen ist nicht nur kostspielig sondern hat auch noch einen negativen Beigeschmack: "Warum Kinder kriegen, wenn man sie dann doch wieder nur abgibt?" lautet das gängige Vorurteil.

» Warum Kinder kriegen, wenn man sie dann doch wieder nur abgibt«

Auch in elitären Kreisen kämpft man offenbar mit dieser Kritik. Promis jedenfalls rücken sich derzeit gekonnt ins rechte Licht und präsentieren sich als fürsorgliche Supereltern.

Wo sind die Paparazzi-Aufnahmen der Nannies?

„Prominente sehen gerne so aus, als würden sie die Kindererziehung selbst in die Hand nehmen“, erklärte Beth Torre, eine Sprecherin für Celebrities Staffing Services gegenüber „Forbes“. Sie meint damit speziell Promis in Hollywood.

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So beschäftigen Angelina Jolie und Brad Pitt n Berichten zufolge mehrere Kindermädchen für ihre sechs Kinder, aber sie sind selten in Paparazzi-Aufnahmen zu sehen. Dasselbe gilt für Maria Borrallo, die Vollzeit-Nanny von Prinz George und Prinzessin Charlotte.

„Ich denke, viele von uns wollen in den sozialen Medien, wahrscheinlich unbewusst, diese Idee aufrechterhalten, dass wir das alles selbst tun“, erklärte Natalia Mehlman Petrzela, Dozentin für Geschichte an der New School, einer Universität in New York und Mutter von zwei Kindern, gegenüber der „Times“.

»Wenn man zu viel Hilfe hat, lernt man seine Kinder nicht kennen«

Auch Melania Trump möchte offenbar keine Nanny einstellen, die ihr bei der Erziehung ihres elfjährigen Sohnes Barron hilft.

Bereits im Jahr 2015 erklärte die First Lady dem „People Magazine“: „Ich nehme die Dinge gerne selbst in die Hand. Ich denke, das ist sehr wichtig.“ Ehemann Donald Trump stimmte zu: „Wenn man zu viel Hilfe hat, lernt man seine Kinder nicht kennen.“

Die „New York Post“ berichtete unterdessen, dass die Trumps in Wirklichkeit eine im Haus lebende Nanny für Barron beschäftigen.

Sie stellen sich als Elter zur Schau

Aber egal, ob die Trumps nun eine Nanny haben oder nicht, der größere Trend, der sich hieraus erkennen lässt ist, dass die Reichen und Schönen gerne ihr Können als Eltern zur Schau stellen und dabei die Rolle, die eine eingestellte Hilfskraft spielt, ignorieren oder herunterspielen. Ganz nebenbei werde damit der Druck auf berufstätige Mütter weiter erhöht.

Ein kürzlich erschienener Artikel in der „New York Times“ mit dem Titel „Where Are All the Nannies on Instagram?“ (übersetzt: „Wo sind all die Nannys auf Instagram“) beschäftigte sich genau mit diesem Thama. Darin behauptet Familientherapeutin und Buchautorin Tammy Gold, dass die Nannys die „vergessenen Gesichter“ der Promi-Lebensstile seien.

Will let me dress him in faux shearling boots as long as I keep the fries coming

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Andrea Lavinthal, die Beauty-Chefin des People-Magazins, schwimmt gegen den Strom. Jüngst veröffentlichte sie eine Instagram-Story ihres 1-jährigen Sohnes Saxon, der auf dem Schoß seiner Nanny Ann Marie (ihren Nachnamen wollte sie nicht veröffentlichen) saß.

Ihre Begründung zeigt, dass die Inszenierung in den sozialen Netzwerken von jedem einzelnen abhäng: "Sie ist ein Teil dieser Mannschaft, sie gehört zu uns", sagte Lavinthal. "Ich würde nicht einmal daran denken, sie nicht im Bild haben zu wollen."