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So motivieren Sie
Ihr Kind zum Lernen

Mit Schuleintritt nimmt die Lernbereitschaft ab - Wie Sie die Freude erhalten können

Ein Kind am Schreibtisch vor einer Schulaufgabe © Bild: iStockphoto.com

Kinder sind extrem wissbegierig. Kaum können sie sprechen, löchern sie ihre Eltern mit Fragen: Wer ist das? Warum ist das so? Wie geht das? Im Vorschulalter können die meisten den ersten Schultag kaum erwarten. Sie freuen sich darauf, endlich Rechnen, Schreiben und Lesen zu lernen. Doch dann? Bei manchen Kindern dauert es Jahre, bis die Motivation sinkt und Lernen nicht mehr mit allzu großer Freude verbunden ist. Andere sind schon zu Beginn ziemlich frustriert.

Eine Studie der Online-Lernplattform Scoyo unter Fünf- bis 13-Jährigen hat ergeben, dass mehr als der Hälfte aller Erstklässler das Lernen immer Spaß macht. Weitere 40 Prozent lernen manchmal gerne. Bei den 13-Jährigen sind es nur mehr sechs Prozent, die immer Freude daran haben.

Lernen als Auftrag

"Mit der Schule beginnt das beauftragte Lernen", erklärt Psychologin Luise Hollerer. Ein Kind kann sich dann nicht mehr alleine aussuchen, wofür es sich interessiert. Die Themen sind vorgegeben und werden in der Gruppe erarbeitet. "Damit tun sich manche Kinder schwer", sagt Hollerer. Auch der Leistungsvergleich kann dazu beitragen, dass Schülern die Motivation abhanden kommt.

»Niemand will die Motivation eines Kindes ruinieren. Das passiert einfach«

In der Pubertät entwickeln die Jugendlichen ein großes Autonomiebedürfnis, auf das die Schule nicht ausgerichtet ist. Dadurch sinkt die Lernbereitschaft noch einmal deutlich. "Niemand will die Motivation eines Kindes ruinieren, das passiert einfach, weil es einem nicht bewusst ist oder weil nicht genug Wissen darüber da ist", sagt Barbara Schober, Psychologin am Institut für Angewandte Psychologie. Jedes Kind sollte Erfolge erleben können und sich am Ort des Lernens nicht bedroht fühlen. Es darf nicht über-, aber auch nicht unterfordert sein, und es muss einen Sinn in dem Wissen sehen, das es sich erarbeiten soll.

Erfolg nur über gute Noten definiert

Das Problem der klassischen Schule sei, dass der Erfolg einzig über gute Noten definiert werde, kritisiert Schober. Doch vielmehr müssten Schulen die individuellen Fähigkeiten der Kinder fördern. Nicht nur die fehlerfreie Mathematikübung sollte hervorgehoben werden, sondern zum Beispiel auch die hohe soziale Kompetenz oder die herausragende Kreativität eines Schülers. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit von Eltern und Schule. "Eltern und Lehrer sollten mehr miteinander reden und einander unterstützen, nicht erst, wenn die Probleme schon sehr groß sind."

Allerdings ist nicht die Schule alleine daran schuld, wenn die Motivation abnimmt. Auch die Familie kann einiges dazu beitragen, die Freude am Lernen zu erhalten. Das beginnt bereits im Kindergarten. "Viele Eltern trauen ihrem Kind keine Eigenständigkeit zu", kritisiert Hollerer. Doch ein Vorschulkind kann und sollte sich zum Beispiel alleine anziehen können. Schafft es das, ist es ein Erfolgserlebnis und damit ein wichtiger Schritt zu einem gesunden Selbstwertgefühl.

Die Eltern sollten ihr Kind motivieren

Außerdem sollten Eltern ihr Kind motivieren. "Kinder müssen verstehen, dass die Schule eine Verpflichtung ist, zu der auch Leistung gehört", sagt Hollerer. Es hilft, mit dem Kind Lernziele zu erarbeiten. Verweigert es konsequent, die Hausübung zu machen, kann man überlegen, ob es vielleicht nicht die richtige Tageszeit dafür ist. Manche Kinder erledigen ihre Hausübung gleich nach dem Mittagessen, andere sind am Abend fitter.

Die Psychologinnen warnen davor, die Schule zum Hauptthema zu Hause zu machen und so einen Machtkampf zu provozieren. "Wenn etwas schiefgegangen ist, ärgert sich jeder ohnehin selbst genug. Das trifft auch auf Kinder zu. Wenn mir dann noch jemand das Gefühl gibt, dass er mir das eh nicht zutraut, ist die Motivation schnell weg", sagt Schober.

Eltern sind Vorbilder. Indem sie Freude am Lernen und eine positive Haltung der Schule gegenüber vermitteln, können sie viel zur Lernmotivation ihrer Kinder beitragen. Und wer wünscht sich nicht, dass die Kinder gerne und mit Begeisterung in die Schule gehen?