Kind mit vier Armen und Beinen operiert:
War im Mutterleib mit Zwilling verwachsen

Indien: Mädchen in ihrem Dorf als Göttin verehrt Andere wollten Geld mit ihrer Missbildung machen

Kind mit vier Armen und Beinen operiert:
War im Mutterleib mit Zwilling verwachsen

In einer 24-stündigen Operation haben indische Chirurgen ein zweijähriges Mädchen von einem angewachsenen Zwilling ohne Kopf getrennt und lebenswichtige Teile ihres Körpers wiederhergestellt. "Sie hat die Operation überstanden, sie ist in Sicherheit und es geht ihr gut", sagte Chef-Chirurg Sharan Patil über Lakshmi, die mit vier Armen und vier Beinen geboren worden war.

Das Kind müsse zwei bis drei Tage auf der Intensivstation bleiben und werde das Krankenhaus nicht verlassen, bevor ihr Zustand sich nicht stabilisiert habe, fügte Patil hinzu. "Wir wollten ihre eine Zukunft geben", sagte Lakshmis Vater Shambhu im örtlichen Fernsehen.

Die kleine Lakshmi war im Mutterleib mit einem Zwilling zusammengewachsen, dessen eigene Entwicklung aufgehört hatte. Der "Parasiten"-Körper wuchs am Becken des Kindes an, mehrere Organe des Zwillings waren in Lakshmis Körper übergegangen. Ein solche Entwicklung gibt es den Ärzten zufolge statistisch gesehen ein Mal bei 50.000 zusammengewachsenen Zwillingen.

An der Operation waren 36 Ärzte beteiligt, vom Kinderarzt bis zum plastischen Chirurgen waren zahlreiche Fachgebiete vertreten. Im ersten Teil des Marathon-Eingriffs wurden die überflüssigen Körperteile abgetrennt. Im zweiten Teil musste dann das Becken des Kindes wiederhergestellt und Haut wieder angenäht werden. Da zum Beispiel die Niere der Zweijährigen sich teilweise im Körper des Zwillings befunden hatte, musste das Organ verschoben werden.

"Ich bin sehr erleichtert und stolz auf meine Mannschaft", sagte Patil, der in seinem blauen Kittel sehr müde, aber zufrieden aussah. Die Operation im Sparsh-Krankenhaus in Bangalore war die erste ihrer Art in Indien. Das Kind hat nach Einschätzung der Ärzte eine Überlebenschance von 80 Prozent. "Für die nächsten 48 bis 72 Stunden müssen wir überaus vorsichtig sein", warnte Patil. "Sie ist ein kleines zartes Kind und hat einen schweren Eingriff hinter sich. Auch kleinste Dinge können gewaltige Folgen haben, deswegen beobachten wir sie sehr genau", fügte der Arzt hinzu.

"Wir müssen sie zwei bis drei Tage lang sehr genau beobachten, bevor wir etwas sagen können", sagte auch Krankenhaussprecherin Mamatha Patil. Das heiße aber nicht, das Lakshmi, die nach einer vierarmigen Hindu-Göttin benannt wurde, sich in konkreter Gefahr befinde. "Die Operation war ein Erfolg und sie sieht jetzt normal aus, mit zwei Armen und zwei Beinen."

Lakhsmis Eltern Shambhu und Poonam aus dem armen nördlichen Bundesstaat Bihar müssen für die Operation, die etwa 2,4 Millionen Rupien (rund 40.000 Euro) gekostet hat, nichts bezahlen. (apa/red)