Kilometer-Gebühr statt Kfz-Steuer: In den Niederlanden kommt neues Steuermodell

Mit GPS-Ortung: Drei Cent pro Kilometer ab 2012 Deutscher Experte lobt das "revolutionäre" System

Kilometer-Gebühr statt Kfz-Steuer: In den Niederlanden kommt neues Steuermodell © Bild: APA/DPA/Kneffel

Die Autofahrer in den Niederlanden zahlen künftig keine Kfz-Steuer mehr, sondern eine Fahrgebühr von durchschnittlich drei Cent pro Kilometer. Überwacht wird das als "revolutionär" für den Umweltschutz gepriesene Modell durch ein Satellitensystem. Die Radikalreform soll Autofahrern ab 2012 Anreize geben, den Wagen möglichst oft stehenzulassen. Hauptziele sind der Schutz des Klimas und die Verringerung von Staus. Deutschland solle sich an dem "fortschrittlichen Modell ein Beispiel nehmen", forderte der Leiter des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer.

Die Belastung der Umwelt durch Kohlendioxid in Fahrzeugabgasen könne durch die Reform um zehn Prozent zurückgedrängt werden, erklärte der niederländische Verkehrsminister Camiel Eurlings. Insgesamt werde die Zahl der von niederländischen Autos zurückgelegten Straßenkilometer um 15 Prozent abnehmen, da mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel sowie das Fahrrad umsteigen würden. Zudem werde es weniger Unfälle und somit pro Jahr etwa sieben Prozent weniger Verkehrstote geben. Bis 2020 könne die Zahl der heute vor allem im Berufsverkehr oft zermürbenden Staus auf Hollands Straßen auf das Niveau von 1992 verringert werden.

Schrittweise Erhöhung
Die Gebühr wird bis 2018 schrittweise auf durchschnittlich 6,7 Cent erhöht - je nach Wagenklasse. Neben der jährlichen Kfz-Steuer entfällt im Gegenzug auch die bisher in den Niederlanden noch anfallende 25-Prozent-Steuer beim Neukauf eines Autos. Auf die Einführung des neuen Systems einigte sich nach jahrelangen Debatten die Regierungskoalition aus Christ- und Sozialdemokraten. Ein Mautsystem, wie es derzeit in Deutschland erörtert wird, soll es in den Niederlanden nicht geben.

Für die Berechnung der "Streckensteuer" müssen alle niederländischen Autos mit speziellen GPS-Systemen ausgestattet werden. Sie erfassen die gefahrenen Kilometer und senden die Informationen an eine Zentralkasse, die das Geld von den Konten der Fahrzeughalter einzieht. Informationen über den Streckenverlauf sollen aus Datenschutzgründen nicht gespeichert werden.

Kritik an deutschem System
Im Vergleich zur niederländischen Reform sei die deutsche Kfz-Steuer "ein Monster", sagte Professor Dudenhöffer. Sie habe "keine Lenkungsfunktion" und sei zudem viel zu kompliziert aufgebaut und nehme keinerlei Rücksicht auf die tatsächliche Straßennutzung. "Für ein Fahrzeug, das im Jahr 100 Kilometer fährt, bezahlt man in Deutschland den gleichen Steuerbetrag wie für das gleiche Auto, das 100.000 Kilometer fährt".

In den Niederlanden stieß das neue Steuermodell aber auch auf Kritik. Es sei falsch anzunehmen, dass dadurch künftig sehr viel weniger Autos unterwegs seien, erklärten die oppositionellen Liberalen und Sozialisten. Die Grünen kritisierten hingegen, die Reform sei nicht radikal genug auf den Umweltschutz ausgerichtet und könne daher nur ein erster Schritt sein.

Weniger Kosten als bisher
Nach Berechnungen der Regierung in Den Haag werden fast 60 Prozent der holländischen Autofahrer weniger bezahlen müssen als beim alten Kfz-Steuersystem. Für 25 Prozent würden die Kosten in etwa gleich bleiben, 16 Prozent würden allerdings mehr Geld fürs Autofahren hinlegen müssen. Die jährlichen Gesamteinnahmen des Staates durch die Verkehrsbesteuerung, die derzeit bei 6,6 Milliarden Euro liegen, steigen angeblich nicht. Es ändere sich lediglich die Zusammensetzung dieser Einnahmen und die Art, wie sie erhoben werden.

In Österreich wird beim Autokauf eine verbrauchsbezogene Zusatzsteuer ("Normverbrauchsabgabe") eingehoben, seit heuer gibt es ein Bonus-Malus-System mit Entlastungen für als umweltschonend eingestufte Fahrzeuge. Darüber hinaus gibt es eine "Kfz-Steuer", eigentlich eine motorbezogene Versicherungssteuer, die sich nach der Motorleistung des Fahrzeugs berechnet. Seit 1997 gilt für Autobahnen eine Vignettenpflicht, die als ökologisch nicht treffsicher kritisiert wird. Mit Ausnahme der Grünen lehnen aber alle Parlamentsparteien die Einführung einer kilometerabhängigen Maut ab.

(apa/red)

Kommentare

Fassungslosigkeit sollte sich breitmachen.... ....aber wiederum reagiert niemand auf diese völlig irre Idee der Geldbeschaffung, die gleichzeitig auch zur TOTALÜBERWACHUNG dient. Oder glaubt wirklich jemand den Schmäh von den \'nicht gespeicherten Streckendaten\'? Daß die Deutschen das gut finden, verwundert weniger. Die waren ja schon vor ein paar Jahrzehnten von solchen Ideen begeistert. ABER DIE HOLLÄNDER?
Haben auch da auch schon die USraelis ihre, vor Tee Rohr Angst zitternden Hände im Spiel?
Hier sollte sich doch endlich einmal konstruktiver Widerstand breit machen. Oder gilt auch beim Autofahren: Ich hab\' eh nix zu verbergen?
Wenn sich Straßenraub nicht verhindern läßt, warum dann per GPS?
Man könnte Elektronik im Auto installieren und per Stecker \'auslesen\'. Auch die Versicherung nach gefahrenen Kilometern berechnen!

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