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kika/Leiner-Mutter Steinhoff erlebt weiteren schwarzen Börsentag

Aktienkurs brach am Donnerstag um weitere 35 Prozent ein

Die Nerven der Anleger bei der kika/Leiner-Mutter Steinhoff liegen wegen mutmaßlicher Bilanzfälschungen des Unternehmens blank. Nach dem Kurssturz am Mittwoch von 63 Prozent brachen die Titel am Donnerstag um weitere 35 Prozent auf nur noch 72 Cent ein. Der nach Ikea weltweit zweitgrößte Möbelhändler verlor seit Wochenbeginn mehr als 11 Mrd. Euro an Börsenwert.

Dies entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung des Dax-Wertes RWE.

"Die Aktie will aktuell keiner mehr haben, alle wollen raus", sagte ein Händler. Um seinen Platz im Nebenwerteindex MDax müsste Steinhoff auf dem aktuellen Kursniveau zwar noch nicht bangen - noch so ein schwarzer Börsentag würde den einstigen Dax-Anwärter aber in die Bredouille bringen. "Noch reicht der Börsenwert aus, erst wenn die Aktie weiter an Wert verliert, wird es gefährlich", sagte Index-Experte Tobias Adler von der Oddo Seydler Bank. Seinen Berechnungen zufolge wäre es bei einem Fall des Aktienkurses unter 50 Cent kritisch. "Dann könnte die Aktie beim nächsten Überprüfungstermin der Börse im März in den SDax absteigen."

Für Steinhoff ist es so oder so ein Tiefpunkt in der Firmengeschichte. Im August 2016 hatten die Aktien bei 6,16 Euro ein Rekordhoch erreicht, galten einst als Anwärter auf einen Platz im Leitindex Dax. Gemessen an den alten Höchstständen haben Aktionäre einen Kursverlust von rund 90 Prozent in den Büchern stehen. Das ursprünglich aus Westerstede bei Bremen stammende Unternehmen ist auch an der südafrikanischen Börse gelistet. Am Donnerstag fielen sie an der Börse in Johannesburg um 30 Prozent.

Das Management des Konzerns werde zunehmend zur Belastung, sagte Fondsmanager Michael Treherne vom Vermögensverwalter Vestact. "Einer der Gründe in Steinhoff investiert zu sein, war bisher eigentlich, dass sie das Wertpotenzial gut ausschöpfen konnten."

Seit Monaten stehen Manager unter dem Verdacht der Bilanzfälschung. In dieser Woche erschütterte der Rücktritt des seit zwei Jahrzehnten amtierenden Konzernchefs Markus Jooste das ohnehin angeschlagene Vertrauen der Anleger. Zudem räumte der Aufsichtsrat ein, dass neue Informationen in Bezug auf Bilanzunregelmäßigkeiten weitere Nachforschungen erforderlich machten. Die Firma teilte zuletzt mit, ihre Liquidität mit Verkäufen verbessern zu wollen.

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