Kids von Samenspendern suchen Vater im WWW: Website hilft beim Finden der Familie

Halbgeschwister nehmen über's Internet Kontakt auf Auch Samenspender selbst suchen nach den Kindern

Kids von Samenspendern suchen Vater im WWW: Website hilft beim Finden der Familie © Bild: www.donorsiblingregistry.com

Lange blieb Wendy Kramer ihrem Sohn Ryan die Antwort schuldig, wenn er nach seinem leiblichen Vater fragte. Auch für sie selbst ist Ryans Vater ein Fremder. Denn der Bub ist nicht aus einem Liebesakt hervorgegangen, sondern aus der Befruchtung mit dem Sperma eines anonymen Spenders. In ihrer Not veröffentlichte Wendy im Internet einen Aufruf, um Hinweise auf den Mann zu finden, dem ihr Sohn seine Existenz zu verdanken hat.

Mit ihrem Schritt löste Wendy Kramer eine wahre Lawine aus, inzwischen führt sie eine umfassende Datenbank. Zwar fand Ryan seinen Vater nicht, dafür aber einige Halbgeschwister. "Das ist die Neudefinition der Familie", staunt Wendy über die Folgen ihrer Suchaktion.

Geschwister finden sich via WWW
"Er war immer neugierig auf den Samenspender, den er seinen 'unsichtbaren Teil' nennt", erzählt Wendy über Ryan. So habe er sich gefragt, warum er sich in vielem von seiner Mutter unterscheidet, in seinen blonden Haaren etwa oder seiner wissenschaftlichen Begabung - alles Dinge, die Wendy nicht teilt. Immerhin ein paar Hinweise auf diesen "unsichtbaren Teil" kann er jetzt finden, wenn er sich mit seinen Halbbrüdern und Halbschwestern vergleicht, freut sich seine Mutter, die im US-Bundesstaat Colorado lebt.

Wo komme ich her?
Mit ihrer Internetseite hat Wendy ins Schwarze getroffen. Schließlich werden in den USA jährlich rund 30.000 Kinder geboren, deren Erzeuger anonyme Samenspender sind. Ingesamt haben sich mittlerweile mehr als 7.000 Menschen in der einzigartigen Datenbank www.donorsiblingregistry.com registrieren lassen. Mit bruchstückhaften Informationen über ihren Erzeuger versuchen sie, Halbgeschwister zu finden und damit Neues über ihre eigene Herkunft zu entdecken.

1.850 Menschen fanden bereits Verwandte
"Russisch, jüdisch, Medizinstudent" zählt ein Samenspender-Kind mit dem Decknamen "Bronx 1978" auf. Das ist alles, was es von seinem Erzeuger weiß. Andere können mehr Details nennen: "Spender geboren 1960, 1,78 Meter, Blutgruppe A positiv, Universitätsabschluss, übergangsweise Taxifahrer, Erdnussallergie" wurde über einen Samenspender zusammengetragen. Die Internetdatenbank sammelt Informationen von Behörden ebenso wie von Kliniken, in denen die künstlichen Befruchtungen vorgenommen wurden. So konnten in zweieinhalb Jahren schon 1.850 Menschen neue Verwandte finden. Oft wird aus dem bloßen Informationsaustausch zwischen biologisch Verwandten mehr. "Sie reisen durchs Land, um sich zu treffen, schicken sich Fotos, telefonieren miteinander", erzählt Wendy. Sie ist sich sicher, dass zum Teil "Verbindungen fürs ganze Leben" entstehen.

Suche nach Infos über Krankheitsverlauf
Es ist nicht immer nur die bloße Neugier, die die Menschen zu Wendys Datenbank treibt. Amy DeKay ließ ihren dreijährigen Sohn auf Wendys Internetseite registrieren, weil der Kleine an einer seltenen Krankheit leidet. Von möglichen Halbgeschwistern ihres Sohnes erhofft sie sich Aufschluss über den Verlauf der Krankheit. Die Suche nach den Halbgeschwistern ihres Sohnes hat aber noch einen anderen Hintergrund. "Wir haben eine sehr kleine Familie. Mein Sohn leidet unter dem Tod seines Großvaters und ich habe das Gefühl, durch das Finden seiner Geschwister oder auch seines Erzeugers könnte ich seine Familie erweitern", erzählt Amy.

Väter suchen ihre Kinder
Neben volljährigen Kindern von Samenspendern und deren Eltern suchen tatsächlich auch einige Samenspender über Wendys Internetseite nach Kontakt zu den von ihnen gezeugten Kindern; derzeit sind rund 370 registriert. "Seit der Geburt meiner Tochter fühle ich mich verpflichtet, nach den Kindern zu suchen, die aus meiner Samenspende hervorgegangen sind", schreibt einer von ihnen.

"Geht nicht um's Finden eines Geldgebers"
Familienzusammenführungen sind aber kaum zu erwarten. "Ich bin nicht ihr Vater", sagt Matthew Niedner über die Kinder, die dank seiner Samenspende zur Welt kamen. Datenbankgründerin Wendy betont, dass die Samenspender-Kinder entgegen weit verbreiteter Vorurteile nicht nach einem Papa oder einem Geldgeber suchen. Es gehe um etwas viel wichtigeres: "Sie wollen wissen, woher sie kommen." (APA/red)