Khol-Ideen zur Pflege-Misere: 800 € Pflege- geld-Zuschlag unabhängig vom Einkommen!

Zudem: Öffnung des Arbeitsmarkts für EU-Ausland Buchinger-Modell sei "Flop", "totale Bruchlandung"

Der Obmann des ÖVP-Seniorenbunds Andreas Khol prescht in Sachen Pflege vor. Die derzeit gültige Regelung habe keine Lösung der Pflegemisere gebracht, kritisierte er. Aus diesem Grund schlägt er ein Modell zur 24-Stunden Pflege vor, das auf vier Säulen fußt: Erstens fordert der Seniorenbundobmann einen Zuschlag zum Pflegegeld in der Höhe von 800 Euro monatlich unabhängig vom Einkommen, zweitens müsse der Arbeitsmarkt für Betreuer aus dem EU-Ausland geöffnet werden. Weiters möchte Khol ein neues Ausbildungsmodell für Pflegeberufe und die bessere Einbindung von Hilfsorganisationen.

Für die Finanzierung seines Vorschlags veranschlagt Khol 96 Millionen Euro. Diese seien durch den Bund, die Länder und die Gemeinden mit je 32 Millionen Euro zu erbringen, rechnete der ehemalige Nationalratspräsident vor. Im Budget des Bundes sei dieser Aufwand bedeckt, da im Regierungsübereinkommen eine Erhöhung des Bundes-Pflegegelds vereinbart worden sei, argumentierte er.

Arbeitsmarkt für Betreuer öffnen
Mit "sofortiger Wirksamkeit" will Khol den Arbeitsmarkt für unselbstständige und selbstständige Betreuer aus dem EU-Ausland öffnen. Nach Ablauf der Amnestie-Regelung im Oktober erwartet der Seniorenbundobmann ohnehin wieder Rufe nach deren Verlängerung. Durch eine sofortige "sektorale Ausnahme" wäre eine Amnestie nicht mehr notwendig, meinte er.

Buchinger-Modell ist ein "Flop"
Das Modell von Sozialminister Erwin Buchinger (S) bezeichnete Khol als "Flop" und "totale Bruchlandung". Der Beweis dafür sei, dass von den circa 20.000 betreuungsbedürftigen Personen nur vier ihre Betreuungskräfte angemeldet und damit legalisiert hätten, so der Seniorenbundobmann. Im Gegensatz zu dem "Papiertiger" des Sozialministers erachtet Khol seinen Vorschlag für "unbürokratisch und sachlich gerechtfertigt". Buchingers Gegenargument, sein Modell sei bis jetzt kaum in Anspruch genommen worden, da derzeit noch die Amnestieregelung gelte, lässt Khol freilich nicht gelten: "Ich möchte gar nicht die Probe aufs Exempel machen", meinte er auf eine entsprechende Frage und verwies auf die "Unfinanzierbarkeit und schlechte Handhabbarkeit" der Buchinger-Lösung.

Der Sozialminister müsse jetzt punkto 800-Euro Zuschlag und Arbeitsmarktöffnung handeln, so Khol. Bei der Umsetzung eines durchgängigen Ausbildungsmodells sei Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) gefordert, erklärte er. Mit ÖVP-Regierungsmitgliedern, etwa mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) habe er das Modell noch nicht besprochen, sagte Khol auf Nachfrage. (apa)