Keine Massenvernichtungswaffen im Irak: Ex-CIA-Agent belastet US-Präsident Bush

Regierung wollte von Informationen nichts wissen CIA gab eine ausdrückliche Warnung an Bush ab

Die US-Regierung hat nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters des Geheimdienstes CIA vor dem Einmarsch in den Irak gewusst, dass die Regierung von Saddam Hussein über keine Massenvernichtungswaffen verfügte. Die CIA habe verlässliche Erkenntnisse weitergeleitet, dass es im Irak solche Waffen nicht gegeben habe, sagte der ehemalige CIA-Mitarbeiter Tyler Drumheller dem Fernsehsender CBS in einem Interview.

Die im Weißen Haus mit der Vorbereitung des Krieges befassten Mitarbeiter hätten davon jedoch nichts wissen wollen, sondern gezielt nur die Informationen ausgewertet, die in ihre Kriegsstrategie gepasst hätten, behauptete Drumheller. "Sie sagten, es geht hier nicht mehr um Geheimdienstarbeit, sondern um einen Regimewechsel." Die US-Regierung kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

Ausdrückliche Warnung an Bush
Die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak hatte der Regierung von US-Präsident George W. Bush als Begründung für ihren Einmarsch im April 2003 gedient. Die CIA habe Bush ausdrücklich gewarnt, dass die US-Armee im Irak keine Massenvernichtungswaffen finden werde, sagte Drumheller, der vor dem Krieg als Verbindungsoffizier in Europa arbeitete. Diese Information habe der ehemalige irakische Außenminister Naji Sabri dem Geheimdienst zugespielt, Bush sei davon sofort in Kenntnis gesetzt worden. Aber der Krieg sei bereits beschlossen gewesen. "Sie wollten nur die Erkenntnisse, die ihre Politik bestätigten."

"Rosinen aus dem Kuchen gesucht"
Drumheller ist bereits der zweite ranghohe Ex-CIA-Mitarbeiter, der Washington vorwirft, Geheimdiensterkenntnisse zum Irak selektiv ausgewertet zu haben, um den Einmarsch zu begründen. Der ehemalige CIA-Beauftragte für den Nahen Osten und Südasien, Paul Pillar, hatte in der März-Ausgabe der Zeitschrift "Foreign Affairs" geschrieben, die US-Regierung habe sich bei den Geheimdienstinformationen "die Rosinen aus dem Kuchen gesucht". "Geheimdienstarbeit wurde missbraucht, um bereits getroffene Entscheidungen öffentlich zu rechtfertigen", kritisierte Pillar. (apa/red)