"Keine neuen Leichen im Keller": BAWAG-Verkauf führte zu neuer Aufbruchsstimmung!

Präsident erwartet keine behördlichen Auflagen Nowotny führt Bank mit Bedacht und Nervenstärke

Der amtierende BAWAG-Aufsichtsratspräsident Siegfried Sellitsch erwartet beim Bankverkauf an Cerberus keine behördlichen Auflagen. Trotzdem darf bis zum Aktienübertrag im Mai (Closing) am Status Quo nichts verändert werden. Aus dem Grund sind auch die Gremien der Bank in Warteposition.

Wer von den Konsorten rund um den dominierenden amerikanischen Neo-Eigentümer Cerberus wie viele Aktien nehmen wird, bleibt womöglich bis zum Closing offen. Formal werde es zwei Eigentümergesellschaften geben, sagte Sellitsch nach dem Aufsichtsrat gegenüber APA und ORF. Eine Gesellschaft gehöre zur Wüstenrot-Gruppe, die andere Cerberus und wahrscheinlich den anderen Aktionären. Macht und Einfluss werden jedenfalls bei Cerberus liegen.

Das Commitment, wonach die Amerikaner zumindest fünf Jahre lang in der BAWAG bleiben werden, zeigt in den Augen von Sellitsch den "ernsthaften Charakter" des Investors. Diese Verpflichtung leitet sich aus dem Kaufvertrag ab. Cerberus hat bereits vor dem Closing einen Informationsaustausch installiert, dafür sorgt aus Wien schon eine Vertrauensperson (von Cerberus Deutschland), die allerdings keine Stimmrechte in den BAWAG-Gremien hat.

Zuletzt war verlautet, dass die "Konsorten" von Cerberus beim BAWAG-Deal - also Wüstenrot, Generali, Post und Industrielle (Androsch, Marsoner, Rauch, Schaschl) - wohl keine 25 Prozent halten werden an der einstigen Gewerkschaftsbank. Sellitsch hält Sperrminoritäten überhaupt für "überschätzt", wie er heute sagte. "Man führt kein Unternehmen mit Sperrminoritäten".

Keine neuen "Leichen", Drama vorbei
Für BAWAG-Präsident Siegfried Sellitsch hat die Stimmung in der Bank seit den dramatischen Tagen im April und Mai des Vorjahres echt gedreht. Es herrsche Zuversicht und "Zukunftsfreude". Es gebe allen Grund zur Gelassenheit. Dass noch unliebsame Überraschungen aus der Vergangenheit drohen, befürchtet er nicht. Auch keine Leichen im Keller: "Der Keller wurde gut durchgelüftet".

Sellitsch ist seit vorigem April an der Spitze des Kontrollgremiums. "Ich wurde nur für den Übergang gewählt", sagt er. Bis zum Verkauf. Über seinen wahrscheinlichen Nachfolger an der Aufsichtsrats-Spitze spricht er nicht. "Banker tratschen nicht". Cerberus hat für diese Entscheidung im Wesentlichen Zeit bis nach dem Closing. "Niemand gibt mehr als 3 Milliarden Euro aus und interessiert sich dann nicht dafür", glaubt Sellitsch an eine dominante Rolle der "Höllenhunde" auch im Aufsichtsrat.

Der Verkauf der BAWAG P.S.K. sei hochprefessionell abgewickelt worden. Bank-Generaldirektor Ewald Nowotny habe mit seiner Nervenstärke und Ausgeglichenheit nicht nur den Käufer, sondern alle Bieter beeindruckt, weiß Sellitsch.

Wie berichtet ist Nowotny aktuell wieder für die Notenbankspitze ins Gespräch gekommen, wenn dort im Sommer 2008 der Vertrag des amtierenden Gouverneurs Klaus Liebscher ausläuft. In Nowotnys Umfeld ist man an solche Nennungen für höhere Weihen anscheinend gewöhnt. Der Chef habe das heute früh auch gelesen, hieß es am Nachmittag. Cerberus & Co hatten angekündigt, Nowotny an der Bankspitze noch ein paar Jahre halten zu wollen.
(apa/red)