Keine Gefangenen an der Stamford Bridge:
Barca & Chelsea bereit für die Entscheidung

Josep Guardiola: "Attackieren, gewinnen, aufsteigen" Chelsea daheim 17 Europacup-Partien ungeschlagen

Keine Gefangenen an der Stamford Bridge:
Barca & Chelsea bereit für die Entscheidung © Bild: Reuters/Nacarino

Nur der FC Barcelona hat es in den Beinen, ein rein englischen Endspiel der Champions-League wie im Vorjahr zu verhindern. Die Katalanen müssen dazu allerdings heute Abend an der Stamford Bridge gegen Chelsea FC unbedingt zumindest ein Tor erzielen. Die Londoner benötigen wiederum einen vollen Erfolg. Das 0:0 vom Camp Nou sorgt im Semifinal-Rückspiel für Spannung pur.

Die Katalanen, die die wertvollste Club-Trophäe des Kontinents zum dritten Mal nach 1992 und 2006 gewinnen wollen, bissen sich vor einer Woche zwar am Londoner Beton die Zähne aus, haben aber am Wochenende für die Mission auf der Insel eine Menge Moral getankt. "Nicht einmal im Paradies wird schönerer Fußball geboten! So gut war Barca noch nie", schrieb das spanische Sportblatt "As" über den 6:2-Auswärtstriumph im 158. "Clasico" gegen Noch-Meister Real Madrid.

"Dieses Resultat gab uns natürlich Rückenwind für unsere nächste Aufgabe," freute sich Barca-Trainer Josep Guardiola über "einen der schönsten Abende seines Lebens". Am Mittwoch könnte er ein weiterer folgen. Der junge Feldherr kündigte jedenfalls voll Optimismus an: "Unser Selbstvertrauen ist sehr hoch, wir werden in London mit derselben Einstellung antreten. Wir werden attackieren, wollen gewinnen und am 27. Mai zum Finale nach Rom!"

Barca rechnet mit weniger Chelsea-Beton
Seine Offensiv-Maschinerie mit Messi, Eto'o und Iniesta (als Ersatz für den kurzfristig verletzt ausgefallenen Henry) soll es realisieren. Denn der Gegner werde sich nicht so wie im ersten Treffen auf eine sture Abwehrstrategie beschränken, sondern sein System mehr öffnen müssen. "Das sollte uns mehr Räume und Chancen eröffnen," glaubt Guardiola, der allerdings seine Verteidigung wegen der Ausfälle von Carles Puyol (gesperrt) sowie Rafael Marquez (verletzt) umbauen muss.

Als Alternativen im Zentrum stehen ihm die beiden 22-jährigen Gerard Pique und Martin Caceres sowie eventuell Eric Abidal zur Verfügung. Auch Yaya Toure vom Mittelfeld zurückzuziehen, wäre eine Überlegung. Verlusttreffer wären für die Katalanen kein großes Problem, solange die Torfabrik vorne ebenso oft trifft. Denn jedes Unentschieden ab 1:1 würde aufgrund der Auswärtsregel den Gästen den Einzug in Endspiel bescheren.

Katalanen auswärts ungeschlagen
An das England-Trauma - 2007 und 2008 kam gegen Liverpool FC (Achtelfinale) bzw. Manchester United (Semifinale nach 0:0 im Hinspiel im Camp Nou) jeweils das Aus - denkt im Barca-Lager keiner. Man besinnt sich vielmehr der eigenen Stärken und Referenzen: Guardiolas Truppe ist in der laufenden CL-Saison auswärts noch ungeschlagen, erzielte in fünf Spielen 14 Tore und hat zuletzt auf der Insel vier ihrer jüngsten sieben Matches in der Königsklasse gewonnen.

Dass Chelsea ein anderes Gesicht wie in Barcelona zeigen muss, um sich Ende Mai in Rom gegen Titelverteidiger Manchester United oder Arsenal die zweite Chance zum Gewinn der Meister-Trophäe zu eröffnen, liegt klar. Am Wochenende ließ Guus Hiddink in der Generalprobe (3:1 daheim gegen Fulham) mit einem 4-4-2 spielen, wobei Nicolas Anelka und Didier Drogba den zweimal erfolgreichen Sturm bildeten.

Hiddink sieht 50:50-Chance
Doch Trainer Guus Hiddink war nur mit dem Ergebnis, nicht aber mit der Vorstellung seiner Elf, die zum dritten Mal in Serie im Semifinale steht, zufrieden. "In manchen Phasen waren wir schlampig, nachlässig, unkonzentriert und offen. Auf einem höheren Niveau werden solche Fehler bestraft", warnte der Niederländer seine Stars mit einem Blick auf das Rückspiel, wobei er die Aufstiegschancen mit 50:50 bezifferte.

Der Taktikfuchs ließ freilich offen, ob er nach den Ausfällen von Puyol und Marquez wie gegen Fulham mit zwei Stürmern beginnen wird oder Anelka auf die Bank setzt. "Es ist gut mehrere Optionen, ein wenig Flexibilität zu haben. Wenn wir einmal in einem anderen Spiel einen Gang zulegen müssen, dann müssen wir dazu auch fähig sein", meinte der 62-Jährige, womit der wohl Plan B meinte.

Drogba als Solospitze
Hiddink, der 1988 mit PSV Eindhoven schon einmal den europäischen Meisterbewerb gewonnen hat, könnte also wie in Barcelona mit Drogba eine Solospitze, Malouda neuerlich an der Seite aufbieten und Anelka im Talon behalten. Der Grat zwischen kein Tor erhalten und zumindest eines erzielen ist eben sehr schmal. Der gesperrt gewesene linke Verteidiger Ashley Cole ist wieder dabei und könnte Jose Bosingwa ersetzen, der im Hinspiel Lionel Messi weitgehend entschärft hat.

Wie Barcelona bringt auch Chelsea einige Referenzen mit. Die "Blues" haben keine einzige ihrer jüngsten acht Partien gegen spanische Vertreter verloren und vier von fünf Treffen mit Barca im Stadion an der Stamford Bridge gewonnen. Drogba und Co. sind seit Februar 2006 in 17 Europacup-Heimspielen ungeschlagen. Zuletzt fand Chelsea seinen Meister ausgerechnet in Barcelona. Damals siegten die Katalanen im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League auswärts 2:1.
(apa/red)