"Keine unmittelbare Gefahr": London senkt nach Bombenfunden seine Terrorwarnstufe

Dem Geheimdienst waren vier Verdächtige bekannt Acht ausländische Mediziner unter Festgenommenen

"Keine unmittelbare Gefahr": London senkt nach Bombenfunden seine Terrorwarnstufe

Nach der Festnahme von acht mutmaßlichen Bombenattentätern hat Großbritannien seine Terrorwarnung von der höchsten auf die zweithöchste Stufe gesenkt. Es gebe keine geheimdienstlichen Erkenntnisse mehr, wonach "ein terroristischer Angriff unmittelbar bevorstehen" könnte, erklärte Innenministerin Jacqui Smith am Mittwoch. Die britische Regierung hatte die Warnstufe nach Bombenfunden in London und einem Anschlag in Glasgow am Samstag auf die höchste Stufe ("kritisch") angehoben.

Unterdessen ordnete der neue Premierminister Gordon Brown an, Arbeitssuchende aus terrorverdächtigen Ländern in Großbritannien künftig noch stärker zu kontrolliert. Besonders streng müsse der staatliche Gesundheitsdienst NHS seine Kriterien für die Einstellung von Ausländern überprüfen, erklärte Brown am Mittwoch im Unterhaus. Alle acht Verdächtigen, die seit Samstag nach den versuchten Anschlägen festgenommen wurden, sind muslimische Ausländer, die als Ärzte oder medizinische Mitarbeiter beim NHS beschäftigt waren.

Eine Woche nachdem Brown das Amt von seinem Vorgänger Tony Blair übernahm, kündigte er im Unterhaus auch eine Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Terrorismus an. Britische Geheimdienste würden dafür ihre Liste der weltweit "zu beobachtenden Personen" erweitern und Erkenntnisse über potenzielle Terroristen zur Warnung an andere Länder weitergeben. "Wir stehen dem Terrorismus stark, standhaft und vereint gegenüber", sagte der Regierungschef.

Das gemeinsame Anti-Terror-Zentrum der Sicherheitsorgane (JTAC) kam nach einer Beratung am Mittwoch zu dem Ergebnis, dass die seit August 2006 geltende zweithöchste Stufe "ernst" ausreichend sei. "Die Senkung der Terrorwarnstufe bedeutet allerdings nicht, dass die allgemeine Gefahr verschwunden ist - es gibt weiterhin eine ernste und reale Bedrohung des Vereinigten Königreichs und ich fordere die Öffentlichkeit erneut zur Wachsamkeit auf", sagte Innenministerin Smith. In jedem Fall sollen Großereignisse wie das "Live Earth"-Konzert im Wembley-Stadion und der Start der Tour de France in London am Samstag besonders geschützt werden.

Mindestens vier der acht festgenommenen Terrorverdächtigen sollen zuvor dem britischen Inlandsgeheimdienst MI5 bekannt gewesen sein. Sie seien bei früheren verdeckten Ermittlungen gegen mutmaßliche Terroristen aufgefallen. In einem von der Polizei nicht bestätigten Bericht der Zeitung "Daily Mail" hieß es weiter, den britischen Ermittlern lägen Erkenntnisse aus den USA vor, wonach einige der Attentatsplaner vor zwei Jahren von dem damaligen stellvertretenden El-Kaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi rekrutiert worden seien.

(apa/red)