Keine Aufhebung des Ausnahmezustandes:
Musharraf lehnt Negropontes Forderung ab

Aufhebung nur bei Verbesserung der Sicherheitslage Tausende Soldaten von Indiens Grenze abgezogen

Keine Aufhebung des Ausnahmezustandes:
Musharraf lehnt Negropontes Forderung ab

Der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf hat die von den USA geforderte Aufhebung des Ausnahmezustands in seinem Land abgelehnt. Ein Sprecher des Präsidenten sagte in der Hauptstadt Islamabad, Musharraf habe seinen Standpunkt in einem Gespräch mit dem stellvertretenden US-Außenminister John Negroponte bekräftigt. Zuerst müsse sich die Sicherheitslage verbessern. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens erörterten Musharraf und Negroponte die politische Krise des Landes sowie die Bedrohung durch islamistische Rebellen in einzelnen Regionen Pakistans.

Bei der Unterredung anwesend war auch der stellvertretende Armeechef und frühere Geheimdienstchef General Ashfaq Kiyani, wie in Islamabad verlautete. Der einflussreiche General gilt als designierter Nachfolger Musharrafs als Armeechef. Negroponte hatte nach nach seiner Ankunft in Islamabad zunächst mit Oppositionsführerin Benazir Bhutto telefoniert. "Er wollte hören, wie sie die politische Situation beurteilt", erklärte US-Außenamtssprecher Sean McCormack. Die pakistanische Regierung hatte, offenbar um der zu erwartenden Kritik Negropontes entgegenzutreten, den Hausarrest gegen Bhutto aufgehoben.

In einem Interview mit der "Washington Post" hatte Musharraf angekündigt, dem US-Vize-Außenminister zu erklären, dass "Extremismus und Terrorismus" ihn dazu veranlasst hätten, den Ausnahmezustand über das Land zu verhängen. Islamistische Rebellen im Nordwesten hatten in den vergangenen Tagen eine Bezirkshauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Die USA befürchten einen Rückschlag für den Anti-Terror-Kampf durch die gegenwärtige Krise in Pakistan. Wegen der instabilen Lage drohe die pakistanische Armee von Anti-Terror-Einsätzen im Waziristan, dem Grenzgebiet zu Afghanistan, abgehalten zu werden, hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates erklärt. Angesichts der politischen Krise und der anhaltenden Gewalt hat Pakistans Militärführung nach indischen Informationen Zehntausende Soldaten von der Grenze zu Indien abgezogen, um sie in anderen Landesteilen einzusetzen.

(apa/red)