Keine Agrarflächen- und Lebensmittelprob-
lematik: Algen als der alternative Rohstoff

Wiener Forscher testen Algen als Biodiesel-Lieferant Potenzielle und klimaneutrale Ressource für Treibstoff

Keine Agrarflächen- und Lebensmittelprob-
lematik: Algen als der alternative Rohstoff © Bild: APA/DPA/Endig

Pflanzliche Rohstoffe für die Produktion von Biotreibstoffen stehen aufgrund der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion nicht unbegrenzt zur Verfügung. Wiener Forscher testen nun einen , der keine Agrarflächen benötigt und auch nicht mit Feldfrüchten und Getreide in Konkurrenz steht: Algen gelten als potenzielle, klimaneutrale Ressource für Biodiesel. Hier hat es bereits "erfolgsversprechende Versuche" gegeben, so Michael Schagerl vom Department für Meeresbiologie der Uni Wien gegenüber der APA: Aus anderen Versuchsanlagen wisse man bereits, "dass Algen 50- bis 100-mal effektiver sind als Raps".

Bisher stellt sich laut Schagerl aber das Problem, dass die Anlagen noch teuer sind. Man benötige zudem Photobioreaktoren zur Kultivierung und Produktion der Algen sowie "spezielle Verfahren", um sie abzuernten. Beides sei derzeit auch noch sehr energieaufwendig.

Die Wiener Forscher wollen in Kooperation mit dem Grazer Unternehmen BDI - BioDiesel International Mikroalgen finden, die sich für die Biodieselgewinnung eignen könnten. Sie haben Algen von verschiedensten Biotopen isoliert, kultiviert und untersuchen sie auf ihren Fettgehalt. Die Öl-Einlagerung dient bei vielen Schwebealgen als Überlebensstrategie, um ein Absinken in größere Meerestiefe und damit unbelichtete Bereiche zu minimieren. Besonders Arten der Grünalge "Botryococcus" sind bekannt für hohe Lipidgehalte, "ihr Fettgehalt liegt bei 60 bis 70 Prozent und ist sehr hochwertig", so Schagerl. Derzeit testen die Forscher das Wachstum unterschiedlicher Algenstämme bei gleichzeitig unterschiedlichen Bedingungen, z. B. bei Stark- oder Schwachlicht.

In den nächsten zwei Jahren wollen die Wissenschafter eine Anlage aufziehen. Es soll ein Modellphotobioreaktor errichtet, die Algenernte optimiert und Algenöl zu Biodiesel verestert werden. Zudem ist vorgesehen, einen Bioreaktor mit den Abgasen eines Biomassekraftwerkes zu betreiben. Somit würde das bei der Verbrennung entstandene Kohlendioxid wieder als Biomasse gebunden. (apa/red)